FCZ: Fischer in der Poleposition
Von Peter Bühler. Aktualisiert am 03.05.2010 10 Kommentare
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Der Höhepunkt aus Zürcher Sicht trug sich an diesem verregneten Sonntagnachmittag im Letzigrund nach 75 Minuten zu. Eric Hassli gab ein gutes halbes Jahr nach seinem Beinbruch das Comeback in der ersten Mannschaft. Der Franzose konnte im Sturmzentrum nichts mehr bewegen. Die Niederlage des FCZ war kurz zuvor bereits Tatsache geworden, nachdem Hochstrasser einen Fehler Tihinens ausgenützt und die Berner 2:0 in Führung gebracht hatte. Hasslis Rückkehr wurde vom Zürcher Anhang dennoch begeistert gefeiert.
Die Berner wahrten sich mit diesem Erfolg ihre grossen Titelchancen. Der FCZ aber ist im Kampf um den 4. Rang und einen Platz in der Europa League endgültig ausgeschieden. «Wir haben unser letztes Ziel verpasst», erklärte Urs Fischer. Er war nach dem 0:1 vor zwei Wochen gegen Aarau als Nachfolger von Bernard Challandes zum Interimstrainer ernannt worden - mit dem Auftrag, den FCZ in den Europacup zu führen.
Trotz der dritten Niederlage des FCZ in Folge war Fischer mit dem Auftritt seiner Mannschaft nicht unzufrieden. Vor dem 0:1 durch Bienvenu hatte er Vorteile für sein Team gesehen, was indes nur bedingt richtig war. Insgesamt blieben die Zürcher in der Offensive zu harmlos, um die Berner in Verlegenheit zu bringen. Aber gegenüber dem 0:1 gegen Aarau und dem 1:4 in Luzern steigerte sich der abtretende Meister. Er war besser organisiert, er kämpfte auch mit mehr Willen und Herz. Die Begegnung mit YB war eigentlich ein typisches 0:0-Spiel. Es war klar, dass der erste Treffer entscheiden würde. Und es war bezeichnend, dass dieser den Young Boys gelang. Sie sind Leader, der FCZ ist Siebter. Fischer räumte ein: «Diese Platzierungen sind kein Zufall. YB hat sich das Glück verdient, es sich über Monate erarbeitet.»
Zukunft ohne Vonlanthen
Für den Zürcher Trainer war die Partie ein Spiegelbild der ganzen Saison. Es sei in der Super League vieles gegen den FCZ gelaufen, aber daran sei er mitschuldig. «Wir haben in der Meisterschaft über Monate zu wenig für den Erfolg getan.»
Es war bemerkenswert, wie offen und schonungslos er die Misere analysierte. Der Interimscoach ist furchtlos, er scheut auch vor unpopulären Massnahmen nicht zurück. So nominierte er Johan Vonlanthen nicht einmal für das Kader. Der Nationalspieler sass auf der Tribüne, nachdem der FCZ die Option auf seine definitive Übernahme von Red Bull Salzburg unter der Woche nicht eingelöst hatte. Den FCZ-Verantwortlichen war schon länger klar gewesen, dass sie in der neuen Saison auf die Dienste Vonlanthens verzichten. «Wenn ich beim FCZ nicht spiele, habe ich bei Ottmar Hitzfeld schlechte Karten», sagt dieser. Die hat er so oder so: Der Nationalcoach wird ihn nicht zur WM mitnehmen. Wenigstens braucht sich Vonlanthen um seine Zukunft nicht zu sorgen. Er hat in Salzburg noch für eine weitere Saison einen hoch dotierten Vertrag.
Der FCZ seinerzeit plant die nächste Spielzeit, die er gleich mit zwei Trainingslagern in der Schweiz vorbereiten wird. Präsident Ancillo Canepa hat das Ziel schon vor geraumer Zeit festgelegt: «Wir wollen wieder um den Titel spielen.» Bereits ist die Personalplanung im vollen Gang. Neben Vonlanthens Abgang zeichnet sich Hannu Tihinens Rücktritt deutlich ab. Er wird für mindestens ein Jahr eine andere Funktion im Klub übernehmen. Denkbar ist, dass er als Spezialtrainer für die Defensivspieler eingesetzt wird. Mit Silvan Aegerter, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, wird nochmals verhandelt, eine Verlängerung scheint möglich.
Fischer – und Chermiti?
Die Zuzüge werden sich in Grenzen halten. Der torgefährliche Stürmer, um den sich der FCZ seit längerem bemüht, ist der Tunesier Amine Chermiti. Der 22-jährige Nationalspieler ist derzeit von Hertha Berlin an den saudiarabischen Topklub al-Ittihad ausgeliehen. Nach dem Abstieg der Berliner soll er für den FCZ erschwinglich geworden sein, weil er Hertha im Fall der Relegation zu einer vertraglich vereinbarten und wesentlich geringeren Ablösesumme verlassen kann. Denkbar ist zudem, dass sich die Zürcher nach Tihinens Rücktritt mit einem zusätzlichen Innenverteidiger verstärken werden. Auch er kann nur ein Ausländer sein.
Bleibt die Trainerfrage. Im Moment deutet sehr vieles darauf hin, dass aus dem Interimstrainer Urs Fischer auf die neue Saison der Trainer Urs Fischer wird. Canepa und auch Sportchef Fredy Bickel sind mit seiner bisherigen Arbeit absolut zufrieden - trotz der beiden Niederlagen beim FC Luzern und gegen YB. Marcel Koller ist nach seinen eigenen Angaben bis anhin von der Vereinsleitung des FCZ nicht kontaktiert worden. Mit Harald Gämperle hat der Klub indes einen Assistenztrainer verpflichtet, der sich mit Fischer bestens versteht.
Präsident Canepa gibt zum neuen Trainer keinen Kommentar ab, er kündigt aber an, dass der Name des Verantwortlichen schon «in den nächsten paar Tagen» bekannt gegeben werde. Es wäre eine Überraschung, würde er nicht Fischer heissen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.05.2010, 07:47 Uhr
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10 Kommentare
Dass Herr Canepa keine Ahnung von Fussball hat beweist er mit jedem Interview, aber eben: Hauptsache ein Interview. Wiederaufbau mit Jungen und ausl. Nobodys und um den Titel spielen ? Entweder oder und mir ist lieber sie spielen um Rang 4 mit Nachwuchsspielern und in zwei Jahren wieder um den Titel mit eben diesen etablierten Jungen. Antworten



