FCZ entlässt glücklosen Fringer

Der in der Krise steckende FC Zürich hat seinen Trainer Rolf Fringer (55) gestern Abend per sofort freigestellt. Interimistischer Nachfolger ist U-21-Coach Urs Meier.

Entlassen: Rolf Fringer ist nach der 0:2-Heimschlappe gegen Servette nicht mehr Trainer des FCZ.

Entlassen: Rolf Fringer ist nach der 0:2-Heimschlappe gegen Servette nicht mehr Trainer des FCZ. Bild: Keystone

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Fünf Monate nur war Rolf Fringer im Amt. Fünf Monate, in denen er es nicht geschafft hat, dem Team ein Gesicht zu geben. Eine Handschrift war nie erkennbar. In 17 Spielen holte der FCZ bloss 17 Punkte. Desolat war vor allem die Bilanz zu Hause. Nur zwei von neun Spielen im Letzigrund gewannen die Zürcher. Das 0:2 am vergangenen Samstag gegen den Tabellenletzten Servette war der Tiefpunkt eines enttäuschenden Herbstes – und besiegelte das Ende von Rolf Fringer. Am Montagabend verschickte der FCZ bloss eine kurze Mitteilung, am Dienstag um 11 Uhr will Präsident Ancillo Canepa detailliert Auskunft geben.

Dass Canepa am Montag kurz nach 20 Uhr dem Trainer im Anschluss an eine Verwaltungsratssitzung die Entlassung mitteilte, war nach den Vorkommnissen der letzten Tage erwartet worden. Die Lage hatte sich für Fringer rund um die Pleite gegen Servette zugespitzt. Canepa hatte vor dem Spiel den Puls der Mannschaft gefühlt und erkannt, dass das Team gespalten und die Fraktion der Gegner von Fringer im Team beträchtlich war. Diese Konstellation in einem Team ist meist der Anfang vom Ende für einen Trainer.

Ungeschickte Aussagen

Fringer ist aber nicht bloss das Opfer einer missbilligenden Laune von Jung-Profis. Er selbst hat sich mehr und mehr ins Abseits manövriert. Zuletzt auch mit ungeschickten Äusserungen wie am Samstag nach dem Spiel gegen Servette, als er im Schweizer Fernsehen auf die Frage, ob er Angst um seinen Job habe, antwortete: «Das ist mir egal.»

Bei der Führung der Mannschaft offenbarte Fringer zudem einen Zickzackkurs. Mal stellte er sich vor die Spieler und verschaffte ihnen ein Alibi, wie am letzten Samstag, indem er sagte, das Team hätte sich durch die Vorkommnisse im Vorstand (Präsident Canepa ging in einem Machtkampf mit Vize Gregor Greber als Sieger hervor) nicht auf den Fussball konzentrieren können. Mal kritisierte er Spieler öffentlich, wie im September, als er sagte, dem Neo-Internationalen Josip Drmic sei das Nationalmannschaftsaufgebot in den Kopf gestiegen.

Die Spieler sind nun in der Verantwortung

Damit endet für Fringer nach St. Gallen (2007) und Luzern (2011) ein drittes Engagement in der Super League in den letzten fünf Jahren vorzeitig. Das Scheitern von Fringer ist auch eine Niederlage für die FCZ-Führung. Sie hatte sich im Frühjahr nach der Entlassung von Urs Fischer für Fringer entschieden, weil sie sich sicher war, nach einer enttäuschenden Saison 2011/2012 mit einem Trainer wieder an die Spitze zurückkehren zu können, «der weiss, wie man Meister wird». Nach nur 148 Tagen entpuppte sich diese Wahl als kolossaler Fehlgriff: Fringer holte mit dem FCZ deutlich weniger Punkte (1 pro Spiel) als sein Vorgänger (1,2).

Mit dem interimistischen Wechsel an der Seitenlinie hofft die Vereinsführung, dass die Mannschaft vor den letzten beiden Partien vor der Winterpause gegen GC (Meisterschaft) und Köniz (Cup) noch einmal geweckt wird, sich ihrer Verantwortung noch einmal bewusst wird. Zweifellos sind nun die Spieler gefordert, vor allem jene, die zur sogenannten Anti-Fringer-Gruppe gehörten, also Akteure wie der Franzose Béda oder der Tunesier Chermiti.

Die Trainer-Rochade in Zürich ist bereits die siebte in dieser Super-League-Saison. (fal/si)

(Erstellt: 26.11.2012, 21:31 Uhr)

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