Fabio Coltortis zweite Karriere
Von Peter M. Birrer, Lausanne. Aktualisiert am 20.07.2011 5 Kommentare
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Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet über das heutige Spiel GC gegen Lausanne mit einem Live-Ticker ab 19.30 Uhr.
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Plötzlich ging alles schnell. Die Anfrage kam am 11. Juni, die Antwort gab er am 12. Juni, und am 13. Juni legte Fabio Coltorti mit gefülltem Koffer im Auto die 1300 Kilometer von Santander nach Lausanne zurück. Zur Abwicklung des Transfers gehörte auch die Diskussion um Zahlen, aber ein Gerangel konnte nicht entstehen. «In fünf Minuten hatten wir das», sagt Coltorti. Beide Parteien streckten sich, um den finanziellen Kompromiss zu finden: «Der Klub nach oben, ich nach unten.» Seinen neuen Trainer Martin Rueda freute das: «Wenn Coltorti auf dem Markt ist, muss man sich um ihn bemühen.»
Die mächtige Erscheinung, 1,97 Meter gross und 96 Kilogramm schwer, sitzt in der Buvette der Pontaise, es ist der Tag bevor für Lausanne die Saison bei den Grasshoppers anfängt – und für Coltorti ein neuer Abschnitt, den er «meine zweite Karriere» nennt.
Es klang alles wunderbar im August 2007, als Racing Santander rief. Coltorti war Goalie bei GC und in der Nationalmannschaft, er bekam in Nordspanien einen Vertrag für vier Jahre im Glauben, in der Primera División zum Höhenflug anzusetzen. Was er antraf, deckte sich aber nicht mit seinen Vorstellungen. Santander hatte einen Goalie gesucht, das schon. Aber der Trainer erkannte den Neuen anfänglich nicht, er lief grusslos an ihm vorbei. Der Klub hatte Coltorti nur aufgrund von Eindrücken aus marginalem Video-Studium verpflichtet.
Warten auf viel Geld
Die Irritation verdrängte Coltorti mit seinem Arbeitseifer. Er hatte den Ehrgeiz, dem Trainer seine Qualität zu zeigen, er glaubte auch, an seinem Konkurrenten Toño vorbeizukommen. Aber das Duell mündete in eine skurrile Situation: Die beiden Goalies begegneten sich zwar täglich im Training, grüssten einander aber nicht einmal mehr. Die dritte Saison war für Coltorti die statistisch beste mit 23 Liga- und 4 Cup-Einsätzen. Aber im vierten Jahr, als der Schweizer glaubte, den Durchbruch geschafft zu haben, fand er sich auf der Bank wieder. Kein einziges Mal mehr spielte er in der Primera División und wollte nur noch eines: weg.
Aber allein die Ablösesumme von einer Million Euro schreckte Interessenten ab. Coltorti sass seinen Vertrag ab, und gleichzeitig bahnte sich der nächste Ärger an. Der mit rund 35 Millionen Euro verschuldete Verein, der inzwischen Konkurs angemeldet hat, war nicht mehr imstande, den finanziellen Pflichten nachzukommen. Das traf auch den Goalie: Ihm steht eine Summe zu, die sich im Bereich eines Jahreslohnes bewegt. «Ob ich das Geld noch jemals sehe, bezweifle ich», sagt er.
Gut geht es dem 30-Jährigen trotzdem. Er verdiente genug, um für die Zukunft vorzusorgen. In Sotogrande, an der Costa del Sol in der Nähe von Gibraltar, baute er ein Haus, in dem er nach seiner Karriere mit seiner Familie leben will. Spanien ist Coltortis zweite Heimat geworden: Seine Frau ist Spanierin, er hat sich an den Lebensrhythmus gewöhnt, und er bemüht sich um die spanische Staatsbürgerschaft.
«Ich habe wohl zu viel gemacht und zu wenig auf die Erholung geachtet.»
Bevor er sich als Aktiver aus dem Fussball zurückzieht, hat er noch einiges zu erledigen. An Lausanne hat er sich vorerst für ein Jahr binden lassen, und zeigen will er, was er sich im Ausland vor allem angeeignet hat: Gelassenheit. Coltorti war früher der überfleissige Goalie, der nicht genug bekommen konnte von Trainings, der an freien Nachmittagen in Krafträumen Hanteln stemmte und, so sagt er es, «ein 150-Prozent-Pensum» absolvierte. Ständig hatte er das Gefühl, noch mehr machen zu müssen, um für den nächsten Schritt vorbereitet zu sein. Im Nachhinein gesteht er sich ein: «Ich habe wohl zu viel gemacht und zu wenig auf die Erholung geachtet.»
Kurz vor seinem Wechsel nach Spanien rückte Coltorti besonders in den Mittelpunkt. In Luzern musste er im GC-Tor in der 93. Minute das 3:3 hinnehmen. Den Ball hatte er regungslos über sich hinweg fliegen lassen. Später prägte er die Formulierung: «Beim Absprung nahm es mir die Energie weg.» Dafür wurde er belächelt und kritisiert, heute schmunzelt auch Coltorti, hält aber auch fest: «Ich habe ehrlich gesagt, was ich dachte. Die Erklärung tönte vielleicht seltsam, und trotzdem stimmte sie.»
Heute kehrt Coltorti in die Super League zurück, ausgerechnet gegen GC, seinen alten Klub. Die Schlagzeile, die er sich für Mai 2012 wünscht, hat er sich schon einmal zurechtgelegt: «Lausanne, das Überraschungsteam der Saison.»
Voraussichtliche GC-Aufstellung: Bürki; Menezes, Vallori, Smiljanic, Bertucci; Landeka; Feltscher, De Ridder, Toko, Emeghara; Paiva. – Ohne Cabanas, Callà (verletzt), Abrashi und Lang (gesperrt).
Axpo Super League
Rangliste
| Rang | Name | Punkte | Spiele | S | U | N | TZ | TA |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 74 | 34 | 22 | 8 | 4 | 78 | 33 |
| 2. | Luzern | 54 | 34 | 14 | 12 | 8 | 46 | 32 |
| 3. | Young Boys | 51 | 34 | 13 | 12 | 9 | 52 | 38 |
| 4. | Servette | 48 | 34 | 14 | 6 | 14 | 45 | 53 |
| 5. | Thun | 43 | 34 | 11 | 10 | 13 | 38 | 41 |
| 6. | FC Zürich | 41 | 34 | 11 | 8 | 15 | 43 | 44 |
| 7. | Lausanne | 30 | 34 | 8 | 6 | 20 | 29 | 61 |
| 8. | Grasshoppers | 26 | 34 | 7 | 5 | 22 | 32 | 66 |
| 9. | Sion | 17 | 34 | 15 | 8 | 11 | 40 | 35 |
| 10. | Xamax | 0 | 18 | 7 | 5 | 6 | 22 | 22 |
Erstellt: 20.07.2011, 06:52 Uhr
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