Sport

Fifa-Bestechung ist in der Schweiz erlaubt

Von Jean François Tanda. Aktualisiert am 19.10.2010 30 Kommentare

Der Weltfussballverband bringt den Fall der mutmasslich bestechlichen Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees vor die Ethikkommission. Die Staatsanwaltschaft ist nicht zuständig.

Karikatur: Peter Schaad

Der Weltfussballverband Fifa hat bei der internen Ethikkommission ein Verfahren gegen zwei Mitglieder seines Exekutivkomitees eingeleitet. Fifa-Vizepräsident Reynald Temarii und Fifa-Vorstandsmitglied Amos Adamu werden beschuldigt, bestechlich zu sein. Die beiden waren auf Angebote eingegangen, am 2. Dezember 2010 gegen Geldzuwendungen in Millionenhöhe für die USA zu stimmen. Am 2. Dezember entscheidet das Fifa-Exekutivkomitee, wo die Fussballweltmeisterschaften 2018 und 2022 stattfinden.

Die Privilegien der Grossen

Vor der Strafjustiz in der Schweiz brauchen die zwei Mitglieder der FifaRegierung jedoch keine Angst zu haben. Denn internationale Sportverbände wie der Weltfussballverband Fifa oder das Internationale Olympische Komitee geniessen einen Sonderstatus. Sie sind nicht nur weitgehend von der Steuerpflicht befreit, sondern werden auch in Bestechungsfragen mit Samthandschuhen angefasst. So wollte es der Bundesrat 2004: Damals wurden die heutigen Strafbestimmungen zur sogenannten Privatbestechung in der Schweiz eingeführt.

Seit 2006 ist nicht nur die Bestechung und die Bestechlichkeit bei Beamten strafbar, sondern auch bei Verantwortlichen in der Privatwirtschaft. Doch es gibt eben eine bedeutende Ausnahme: Der Bundesrat – damals mit Justizminister Christoph Blocher – sah ausdrücklich davon ab, die neuen Antikorruptionsbestimmungen auch auf Sportverbände auszuweiten. In der bundesrätlichen Botschaft steht dazu: «In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Verbände wie die Fifa unter den neuen Straftatbestand fallen.» Das sei dann nicht der Fall, folgt umgehend die Antwort, wenn Mitglieder eines solchen Verbandes von einem kandidierenden Staat finanzielle Vorteile für die Erteilung des Zuschlags entgegennehmen würden.

Haarsträubende Zustände

Für die Antikorruptionsorganisation Transparency International ein unbegreifliches Privileg. Geschäftsführerin Anne Schwöbel sagt: «Das belegt, wie zahnlos das Gesetz ist – einfach haarsträubend.» Offenbar wolle man, dass sich Sportverbände in der Schweiz um jeden Preis wohlfühlten. Seit dem Wochenende weilen die beiden Hauptverdächtigen in Zürich. Am Mittwoch müssen sie der Fifa-Ethikkommission Rede und Antwort stehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2010, 07:16 Uhr

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30 Kommentare

Ben Nadini

19.10.2010, 17:52 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Der FIFA-Konzern hat ein Geschäftsmodell welches sich auf Kosten der Steuerzahler bereichert. Fakten dazu: Weltmeisterschaft 2010 Südafrika: Gewinn des FIFA-Konzerns 2.5 Milliarden € (steuerfrei!!!); Schulden der RSA (Republik Südafrika) die verzinst werden müssen: 500 Millionen €. - N.B. Von 10 neuen Stadien vergammeln 6 davon bereits heute schon....Toll was Herr Blatter alles kann! Antworten


Norbert Kaufmann

19.10.2010, 11:59 Uhr
Melden 1 Empfehlung

In der Schweiz zahlt jeder Zirkus, jedes Theater und jede Show Steuern. Warum sind denn die FIFA und das IOC von Steuern befreit. Ist doch auch nur Show und Zirkus. Über Korruption in der Schweiz zu diskutieren, ist wohl überflüssig, das gibts doch in der ach so anständigen Schweiz nicht, und das ausgerechnet die FIFA und das IOC die Worte Ethik und Moral aussprechen widert mich an. Antworten



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