Sport

Gegenwind für Blatter – ausgerechnet aus Qatar

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 18.01.2011 11 Kommentare

Sepp Blatter wird im Sommer für eine vierte Amtszeit kandidieren. Die Hoffnung des Wallisers, das Wahl-Prozedere ohne Gegenkandidaten zu überstehen, könnte zerstört werden.

Männer mit Macht: Mohamed Bin Hammam könnte durchaus Gegenkandidat von Sepp Blatter werden.

Männer mit Macht: Mohamed Bin Hammam könnte durchaus Gegenkandidat von Sepp Blatter werden.
Bild: Keystone

Eigentlich läuft für den Fifa-Präsidenten vieles nach Plan, zumindest was seine Wiederwahl Ende Mai und Anfang Juni am 61. Fifa-Kongress in Zürich betrifft. Denn nachdem der Asiatische Fussball-Verband (AFC) bei seiner jüngsten Zusammenkunft in Doha (Qatar) den Südkoreaner Chung Mong-joon aus Südkorea aus der Fifa-Exekutive abgewählt und durch den jordanischen Prinzen Ali Bin al-Hussein ersetzt hat, ist ein Intimfeind Blatters definitiv weg vom Fenster.

Seine Hoheit al-Hussein, Bruder des Königs von Jordanien und von der reitenden Prinzessin Haya, übernimmt von Mong-joon zudem das Amt als Fifa-Vizepräsident. Also müsste es punkto Wiederwahl für den Walliser Blatter eigentlich heissen: «Les jeux sont faits.»

Schlauer Taktiker

Sind sie aber noch nicht. Ausgerechnet aus dem (umstrittenen) Gastgeberland der WM 2022 pfeift ein sportpolitischer Gegenwind. Und ausgerechnet der langjährige Weggefährte und Wahlhelfer von Blatter, Mohamed Bin Hammam, könnte als renommierter Gegner dem Präsidenten das Leben zur Hölle machen. Der 61-jährige Qatari, beim Kongress in Doha als Präsident des AFC bis ins Jahre 2015 problemlos bestätigt, könnte sich als Herausforderer stellen.

In einem Interview mit der Agentur Reuters während der Tagung in seiner Heimat sagte der gewiefte und schlaue Taktiker: «Ich glaube, die Fifa benötigt Veränderungen. Vielleicht teilen andere Menschen meine Ansicht.» Noch steht eine offizielle Kandidatur des Arabers aus. Beobachter des Kongresses in Doha haben festgestellt, dass sich das einst gute Verhältnis zwischen dem einflussreichen Qatari und dem noch allmächtigeren Fifa-Chef aus Visp in den letzten Wochen merklich abgekühlt hat – obwohl der Wüstenstaat auf der arabischen Halbinsel völlig überraschend den Zuschlag für die WM in elf Jahren erhielt.

Die grosse Kritik in Europa

Die Internetseite des britischen «Guardian» weist heute darauf hin, dass dem Schweizer Gegenwehr vom neuen Machtzentrum vom Golf droht. Der Plan von Bin Hamman sei folgender: Mit Hilfe von Uefa-Chef Michel Platini sollen die Stimmen der europäischen Delegierten mobilisiert werden. Und dieses Vorhaben ist dem schlauen Qatari durchaus zuzutrauen.

Zumal sich Blatter mit seiner Aussage, dass die WM-Endrunde im Jahr 2022 «zu über 50 Prozent» in den Wintermonaten durchgeführt werde, ein veritables Eigengoal geschossen hat. Die Ankündigung einer Winter-WM hat nicht nur die Alarmglocken bei den europäischen Verbänden und Ligen geläutet, sondern auch beim Ausrichter selbst. «Wir sind daran nicht interessiert», stellte der AFC-Präsident unlängst klar. «Diese Diskussionen werden ohne Grund geführt. Wir sind sehr glücklich und haben der Welt versprochen, die Endrunde im Juni und Juli 2022 durchzuführen», führte Bin Hammam weiter aus. Vor allem auf der Insel, wo im Winter durchgespielt wird, kommen die Pläne Blatters nicht gut an.

Mit Millionenklage eindecken

Jedenfalls weiss der «Guardian», dass Richard Scudamore, der Chef der Premier League, in den nächsten Tagen Bin Hammam in Doha einen Hausbesuch abstattet. Es wird kaum bei einem belanglosen Schwätzchen bei Kuchen, Datteln und Tee bleiben. Im Mutterland des Fussballs wird schon gedroht, die Fifa mit einer Millionenklage einzudecken. Im Lande des gescheiterten WM-Mitbewerbers für die Endrunde 2018 würde ein solcher Schritt mit grossem Vergnügen und Freude vollzogen werden.

Die Absicht von Blatter findet indessen auch bei anderen bedeutenden Sport-Verbänden keine Zustimmung. Die Fifa schade dem ganzen Sport, kritisierte der Bündner Ski-Funktionär Gian-Franco Kasper unlängst die Idee seines Landsmanns und IOC-Kollegen aus dem Wallis, die Fussball-WM 2022 ausgerechnet während eines olympischen Winters auszutragen. Das Chaos wäre vorprogrammiert – vor allem für die Medien und letztlich auch für den Sport-Konsumenten in Europa.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.01.2011, 15:22 Uhr

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11 Kommentare

Carlo Schnydrig

18.01.2011, 16:38 Uhr
Melden

Man muss sich fragen, was diese "Spiele und Kuhhändel" noch mit Sport zu tun haben. Diese Machtspiele auf dem Buckel des Sports ist wirklich beschähmend. Dass die Landesverbände hierzu noch Hand bieten ist noch beschähmender und aufs Schärfste zu verurteilen! Wann haben diese abschätzigen und zu verurteilenden "Spielchen und Sportmissbräuche" wirklich ein Ende??? Traurig!! Antworten


hans nötig

18.01.2011, 17:03 Uhr
Melden

@C. Schnydrig: Vermutlich erst dann, wenn es nicht mehr um Milliardenbeträge geht. For the good of myself eben. Oder verwechsle ich jetzt da gerade was? Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 15:46
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Roland Garros
27.05Live Cipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 6:3 0:2
Stand: 27.05.2012 15:43
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Playoff
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Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Federer - Kamke
Stand: 25.05.2012 15:24
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