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Grichtings Traum geht weiter

Von Peter M. Birrer, Feusisberg. Aktualisiert am 07.09.2010

Der Schweizer Abwehrchef steht vor aufregenden Begegnungen mit grossen Stürmern – den Auftakt macht heute Wayne Rooney.

«Das ist Wahnsinn» für Stéphane Grichting: Nach der WM (hier der Jubel nach dem 1:0 gegen Spanien) stehen EM-Qualifikation und Champions League an.

«Das ist Wahnsinn» für Stéphane Grichting: Nach der WM (hier der Jubel nach dem 1:0 gegen Spanien) stehen EM-Qualifikation und Champions League an.
Bild: Keystone

Im Sommer machte Stéphane Grichting eine persönliche Auslegeordnung. Ein zentrales Traktandum handelte von seiner Zukunft als Nationalspieler: Sollte er fortfahren? Oder zurücktreten wie Huggel und Nkufo, Spycher und Magnin? Lange brauchte er nicht, um für sich die passende Antwort zu finden: «Mein Körper erlaubt mir, die Belastung auszuhalten, er gab mir keine anderen Signale bis jetzt. Die Lust am Fussball ist auch da. Also sehe ich keinen Grund, jetzt schon aufzuhören.»

Aufregende Monate

Grichting ist der Mann, der für solides Handwerk und Zuverlässigkeit steht, er ist in der Nationalmannschaft unter Ottmar Hitzfeld vom unbeachteten Reservisten zum unverzichtbaren Abwehrchef aufgestiegen und kann eine beeindruckende Bilanz ausweisen: In 17 von 23 Länderspielen seit August 2008 spielte er durch. Und jetzt, mit 31 Jahren, stehen ihm aufregende Monate bevor, wie es sie in seiner Karriere noch nicht gegeben hat. Mit Auxerre hat sich der Walliser für die Champions League qualifiziert, und das Los fasst er auch als Entschädigung für seine jahrelange Arbeit im Burgund auf.

Seit 2002 lebt und spielt er in Frankreich, bald trifft er auf Real Madrid mit Cristiano Ronaldo und Gonzalo Higuain, die AC Milan mit Zlatan Ibrahimovic und Pato, Ajax Amsterdam mit dem Uruguayer Luis Suarez, allesamt Stürmer mit klangvollen Namen und ausserordentlichen Begabungen. Als die Schweiz an der WM Spanien bezwungen hatte, glaubte Grichting, den Gipfel in seiner Laufbahn erreicht zu haben. Keine drei Monate später stellt er voller Vorfreude fest: «Bis Weihnachten reiht sich ein grosser Moment an den andern. Mein Traum geht weiter. Das ist Wahnsinn.»

Die Gefahr lauert überall

Auf Grichting warten heute gegen England zur Einstimmung auf die Königsklasse Wayne Rooney und Jermain Defoe, aber der Schweizer reduziert die Aufgabe nicht auf einzelne Namen: «Dieser Gegner ist individuell fast auf allen Positionen besser besetzt. Und er wird weniger überheblich sein als die Spanier an der WM, die uns damals das Gefühl vermittelten, uns mit Leichtigkeit zu schlagen.» Grichting warnt nicht explizit vor Rooney oder Defoe, er warnt gleich vor allen Engländern: «Gefahr lauert von überall, über die Seiten aus dem Mittelfeld.»

Ihr Auftritt beim 4:0 gegen Bulgarien hat seinen Eindruck nur noch verstärkt. Und dass Rooneys eben erst publik gewordene Eskapaden negativen Einfluss haben könnten, glaubt Grichting nicht: «Die Zeitungen mögen es, vor einem Spiel über Skandale zu schreiben. Aber spätestens ab 20.45 Uhr am Dienstag wird das alles nebensächlich sein. Ich gehe davon aus, dass wir noch aufmerksamer sein müssen.»

Keine zehn Möglichkeiten

Herausforderungen wie heute in Basel mag der Walliser, er spricht als Ausdruck seines Selbstbewusstseins gerne davon, dass auch «wir Schweizer alle zwei Beine und zwei Arme haben, wir wissen uns schon zu wehren. Und schliesslich trainieren wir jeden Tag, um mit grossen Namen mithalten zu können.» Furchtlos will er vorangehen, so wie es von ihm verlangt wird, und er hält sich an sein Credo: «Wer Anzeichen von Angst verrät, hat schon verloren.»

Das perfekte Spiel sei nötig für einen erfolgreichen Start in die Ausscheidung, glaubt er, und dieses perfekte Spiel besteht für ihn aus zwei Komponenten: «Solidarisch verteidigen – und abgeklärt umgehen mit den Chancen. Wir werden keine zehn Möglichkeiten bekommen wie gegen Australien, sondern vielleicht nur zwei. Aber die müssen wir verwerten.»

Der Vorteil der Schweizer

Keine Gedanken verschwendet er daran, wer hinter ihm im Tor stehen wird – ob Benaglio wie gewöhnlich oder Wölfli, sein erster Stellvertreter. «Im entscheidenden WM-Qualifikationsmatch gegen Israel war auch Wölfli unser Goalie, und das klappte problemlos», sagt Grichting. Einen nicht unwesentlichen Vorteil hat es für ihn ausserdem, dass England zu Gast ist: «Es ist seit Generationen der Fall, dass die Schweiz Mühe hat, das Spiel zu machen. In Basel sind wir nicht die Favoriten, und das ist gut so. Jeder Punkt, den man gegen England holen kann, ist ein guter Punkt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2010, 12:01 Uhr

Programm & Resultate

NLB Playoff
Chaux-de-Fonds - Ajoie5:3
Langenthal - Basel6:0
Visp - Olten6:3
Lausanne - GCK Lions5:2
Stand: 12.02.2012 20:26

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