Hielt Blatter seinem Neffen einen Millionenauftrag zu?
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 06.01.2010
Sepp Blatter: «Family Affairs» bei der Fifa? (Bild: Keystone)
Philippe Blatter: Vermarktungsdeal perfekt - ein Kapitel der Familiensaga?
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Philippe Blatter ist Chef des Marketing-Unternehmens Infront und Teilhaber der Tochtergesellschaft Match Services AG mit Sitz in Zürich. Die Agentur Match darf sich nun freuen, dass sie vom Weltfussballverband (Fifa) zur Rechte-Inhaberin für ihr Hospitality–Programm gemacht wurde. Dieses Programm umfasst den Verkauf von 380'000 WM-Tickets, Hostessenbetreuung sowie Verpflegung der Gäste. Und das nicht nur für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika, sondern auch für die Frauen-WM 2011 in Deutschland sowie die WM der Männer 2014 in Brasilien. Werden beispielsweise alle Tickets für die erste WM auf dem schwarzen Kontinent verkauft, so winkt allein in diesem Jahr ein happiger Gewinn von 380 Millionen Euro, also rund 562 Millionen Schweizer Franken. Gut zu wissen: Teilhaber von Match sind das japanische Unternehmen Dentsu, die englische Byrom Holding sowie die helvetische Infront Sports & Media AG.
Nun, Philippe Blatter trägt nicht nur den gleichen Namen wie der 73-jährige Fifa-Boss, es ist auch dessen Neffe. Der Deal wirft nicht nur Fragen und Skepsis auf. Britische Fanverbände fordern gar den Rücktritt von Onkel Blatter, weil dieser seinem Familienmitglied Philippe diese Rechte zugeschanzt haben soll. Den Vorwurf der Vetternwirtschaft erhob auch die besonders «giftige» Presse aus dem Mutterland des Fussballs, die dem Walliser Fifa-Chef speziell kritisch gegenübersteht.
Zu wenig Transparenz
Die «Sunday Express» wollte es ganz genau wissen und hakte beim gigantischen Fifa-Hauptsitz im noblen Dolder-Quartier nach. Die Verbandssprecherin Delia Fischer wies den Vorwurf zurück. Ihre Erkärung: «Die Rechte wurden ausgeschrieben und gingen an den Höchstbietenden.»
Wer weiter mitgeboten hatte, ist allerdings nicht bekannt. Auch die renommierte «Süddeutsche» wollte Konkretes über den Rechte-Deal erfahren, stiess aber bei der offiziellen Verbandsstelle auf Schweigen. Frau Fischer habe lediglich etwas Info-Material über Match geschickt, bemängelte die deutsche Zeitung. Auf ihr Nachhaken, konkret vorliegende Fragen zum Rechte-Deal der Fifa mit Match zu beantworten, folgte nichts mehr.
Die Geschichten wiederholen sich
Der Vorwurf der «Familienbande» liegt zumindest nahe. Die «Süddeutsche» weist darauf hin, dass «Neffe Philippe im Sommer 2006 an die Spitze von Infront wechselte. Monate vor der ersten Ankündigung dieser pikanten Personalie war Infront bei dem Versuch gescheitert, von der Fifa die europäischen TV-Rechte an der WM 2010 zu erhalten».
Heute ist die Agentur (auch neben Match) im Business weiss Gott oft am Ball. Sie erhielt die WM-Medienrechte im asiatischen Raum, im Joint Venture mit Dentsu. Ihr Ableger HBS produziert das TV-Signal für beide WM-Turniere. Vor dem Wechsel zu Infront arbeitete Blatter – der Neffe – elf Jahre als Berater für McKinsey. Seine Aufgabe ab dem Jahr 2000 war es, den damals maroden Finanzbereich der Fifa in «kostspielige Obhut zu nehmen. Auch das fiel schon unter Onkel Sepps Ägide» erinnert sich die Zeitung aus München.
Blatter und die Familie
Ein Blick in die Vergangenheit erklärt, warum in der Szene über die enge Vernetzung von Exklusivvermarktern und Fifa-Führung geraunt wird. Blatter bestieg 1998 in Paris den Fifa-Thron. Und nach dem Konkurs der langjährigen Hausgentur ISL landete ein Teil der Rechte bei der Infront AG, die «aus der Asche der ISL in Zug erwachsen worden war» (Zitat «Süddeutsche»).
Sepp Blatter spricht im Zusammenhang mit der Fifa oft von einer «Familie». Vielleicht wird dieser Begriff in seinem Imperium auch zu wörtlich genommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.01.2010, 14:29 Uhr


