Hildebrands Freundin kassiert 44 Millionen

Nach Vorwürfen und Anfeindungen: Margarita Louis-Dreyfus verkauft den Fussballclub Olympique Marseille und beendet damit eine Ära.

Ein berühmtes Paar: Margarita Louis-Dreyfus mit Ex-Nationalbankchef Philipp Hildebrand.

Ein berühmtes Paar: Margarita Louis-Dreyfus mit Ex-Nationalbankchef Philipp Hildebrand. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Margarita Louis-Dreyfus mag nicht mehr. Die schwerreiche Besitzerin und Mehrheitsaktionären von Olympique Marseille (OM) verkauft ihren Fussballclub an den US-Milliardär Frank McCourt. Der Deal wird bis Ende Jahr über die Bühne gehen, über die Summe haben die beiden Stillschweigen vereinbart. Louis-Dreyfus soll anfangs 100 Millionen Euro gefordert haben. Nun sollen es weit weniger sein: Von 40 Millionen Euro, umgerechnet 43,78 Millionen Franken, ist in verschiedenen französischen Medien die Rede.

Vergiftete Atmosphäre im Umfeld des Vereins

Louis-Dreyfus begründet ihre Entscheidung mit der «Atmosphäre im Umfeld des Vereins» – und die ist alles andere als gut. Die Fans des beliebtesten Clubs in Frankreich werfen ihr seit Jahren vor, OM zu vernachlässigen. Denn die 54-Jährige führt in deren Augen nur das widerwillig weiter, was sie von ihrem 2009 verstorbenen Mann Robert Louis-Dreyfus erbte. Innerhalb des milliardenschweren Familienimperiums, das im Rohstoffsektor aktiv ist, ist der Club nur ein Verlustgeschäft.

Zwar investierte Louis-Dreyfus seit ihrer Übernahme mehrere Dutzend Millionen in OM, der Erfolg aber blieb aus. Die letzte Meisterschaft liegt sechs Jahre zurück, in der vergangenen Saison resultierte lediglich Rang 13 – die schlechteste Platzierung seit 2001. Als Folge des sportlichen Abstiegs verlor der Club innerhalb der letzten vier Jahre 11’000 Abonnenten. Zusätzlich hat er ein strukturelles Defizit: In der Saison 2015/16 machte OM einen Verlust von 40 Millionen Euro.

Eine der reichsten Frauen

Bei den Fans geriet Louis-Dreyfus folglich immer mehr in die Kritik und wurde angefeindet. Diese verstanden nicht, warum es eine der reichsten Frauen der Welt – laut «Forbes»-Liste betrug ihr Vermögen 2015 ungefähr 7,1 Milliarden US-Dollar – nicht schafft, nachhaltig in den Club zu investieren. Neidisch blicken die Marseillais rüber zu Erzfeind Paris Saint-Germain, der die französische Liga dank katarischer Investoren seit Jahren dominiert.

Die Besitzerin «ihres» Clubs sorgte derweil anderweitig für Schlagzeilen. So stürzten sich die Medien zum Beispiel auf ihre Liebschaft mit Philipp Hildebrand, dem früheren Chef der Schweizerischen Nationalbank, mit dem sie mittlerweile zwei Kinder hat. Die «Zarin», wie Louis-Dreyfus aufgrund ihrer russischen Herkunft genannt wird, habe sich lieber an ihrem Wohnsitz in Zürich rumgetrieben, anstatt in Marseille nach dem Rechten zu schauen – so der Vorwurf.

Zermürbt von den jahrelangen Querelen rund um den Club, gab Louis-Dreyfus ihre Verkaufsabsichten bereits im April dieses Jahres bekannt. Da zeigte sich, wie gross auch die Kluft zwischen der Besitzerin und den Verantwortlichen des Clubs ist. Präsident Vincent Labrune und sein Vize Luc Laboz erfuhren via Medien vom Entscheid. Dass Louis-Dreyfus ihr Communiqué zuerst den Pariser Redaktionen zustellte, bevor die Meldung Marseille erreichte, erzürnte die OM-Fans einmal mehr.

Ende einer Ära

Mit dem Verkauf beendet die «Zarin» die Ära der Familie Louis-Dreyfus bei Olympique Marseille. Seit 1996 war der Club mehrheitlich in ihrem Besitz. «Im modernen Fussball ist die Zeit der Mäzene überholt», sagte sie dazu.

Margarita Louis-Dreyfus beendet aber auch eine Beziehung, die nie richtig funktionierte. In Marseille und allgemein in Frankreich begegnete man ihr stets mit Vorbehalten. Die Leute zweifelten daran, dass diese schöne, blonde Russin schier märchenhaft und zufällig ins Herz einer der reichsten Dynastien des Landes vordringen konnte, der jüdisch-elsässischen Familie Louis-Dreyfus. Nun hat sie selbst einen Schlussstrich gezogen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.08.2016, 16:19 Uhr

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