«Ich bin halt so. Gewisse Dinge ändere ich nicht»

Von Peter M. Birrer und Thomas Schifferle, Feusisberg. Aktualisiert am 02.09.2010 45 Kommentare

Für Alex Frei, den 31-jährigen Captain der Nationalmannschaft, hat sein Ehrgeiz nichts mit Verbissenheit zu tun.

Der Captain verteidigt sich – er glaubt nicht, an seinem Image arbeiten zu müssen: Alex Frei in Feusisberg.

Sophie Stieger

Am 9. September 2009 traf Alex Frei letztmals für das Nationalteam. Auf dem Weg nach Südafrika leistete er mit einem Tor seinen Beitrag zum 2:2 in Lettland. Im Februar zog er sich einen Oberarmbruch zu, unmittelbar vor der WM verletzte er sich am Knöchel. Das Turnier wurde für den 31-Jährigen vor allem auch eine persönliche Enttäuschung: kein Tor, nur 63 Minuten eingesetzt.

Dieser Tage ist Frei, der Basler und Schweizer Rekordtorschütze mit 40 Treffern, wieder Nationalspieler. Morgen testet die Schweiz gegen Australien, am Dienstag eröffnet sie die EM-Ausscheidung gegen England. Der Captain meldet: «Ich fühle mich sehr gut.» Aber er wirkt angespannt und ernst. Die Kritik während der WM, dass er egoistisch und verbissen sei, ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Den Alex Frei von früher, der unbeschwert drauflosredete, gibt es nicht mehr.

Alex Frei, machen Sie sich Sorgen?
Worüber?

Um die Offensive der Nationalmannschaft.
Nein, überhaupt nicht.

In neun Spielen brachten Sie nur vier Tore zustande.
Wieso muss der Einstieg in ein Interview immer negativ sein? Ist es nicht möglich, zu fragen: Freuen Sie sich auf England? Aber ich kann die Frage noch einmal beantworten: Nein, ich mache mir keine Sorgen. In den neun Jahren, die ich als Nationalspieler erlebt habe, hiess es einmal, die Abwehr habe Probleme, einmal war es das Mittelfeld, einmal der Sturm … Die Bilanz beunruhigt mich nicht, ich weiss, dass auch viele Mittelfeldspieler das Potenzial haben, Tore zu erzielen.

Können Sie sich trotzdem erklären, warum die Schweizer sich derzeit schwer tun mit dem Toreschiessen?
Nein, kann ich nicht. Die Offensivspieler müssen ihr Selbstvertrauen über ihren Klub holen und dann in der Nationalmannschaft einbringen.

Sie sind zwar Schweizer Rekordtorschütze, Ihr letztes Länderspieltor liegt aber bereits ein Jahr zurück. Beunruhigt Sie auch das nicht?
Nein. Es sind nicht 40 Spiele vergangen, sondern nur 8, in denen ich dabei war. Aber ich trainiere gut, und irgendwann klappt es automatisch wieder in der Nationalmannschaft.

Hinter Ihnen liegt auch die WM in Südafrika. Wie bilanzieren Sie das Turnier mit zwei Monaten Abstand?
Ich war Teil einer Mannschaft …

… aber immerhin ihr Captain. Sie werden wohl eine Meinung haben.
Die Bilanz ist durchzogen. Für mich verlief die WM nicht glücklich mit der Verletzung vor dem Abflug, die ein Hindernis für die ersten zehn Tage war.

Frustriert es Sie, dass es an der WM, auf die Sie sich so sehr gefreut hatten, nicht wunschgemäss klappte?
Im Moment nicht, nein. Vielleicht kommt dieses Gefühl in zwei, drei Jahren. Aber von Frust rede ich nicht.

Ahnten Sie damals, als Sie sich im Training im Letzigrund verletzten, dass es sich um etwas Gravierendes handelte?
Ich dachte eher, es sei viel schlimmer.

Die Verletzung hielt Sie ständig in den Schlagzeilen …
… das bin ich doch sowieso, auch dank Ihnen …

… die Wahrnehmung Ihrer Person wurde in der Öffentlichkeit thematisiert. Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?
Mich interessiert nur, was Thorsten Fink von mir will, was Ottmar Hitzfeld von mir will, mich interessiert, was meine Teamkollegen von mir wollen. Der Rest interessiert mich nicht.

Und Sie haben auch eine Verantwortung dem Fan gegenüber.
Selbstverständlich. Ich versuche sie jeden Tag wahrzunehmen. Aber der Fan bestimmt weitgehend, wie ich mich ihm gegenüber verhalte.

Sie können mit Toren auch einen Beitrag leisten.
Natürlich. Spieler, die Treffer erzielen, sind halt populärer als Spieler auf der Aussenbahn.

Sind Sie populär?
Ich kann das nicht beantworten.

Sie können schon.
Nein, aber populär zu sein, empfinde ich sicher als angenehm.

Sind Sie es auch ausserhalb von Basel?
Es ist logisch, dass die Zuschauer in St. Gallen oder Zürich nicht «hurra» schreien und Blumen von den Tribünen werfen, wenn ich mit Basel in ihrem Stadion spiele. Das ist auch richtig.

Vor einem Jahr hatten Sie aber wesentlich mehr Mühe damit.
Man lernt dazu und wird erwachsener.

Ist das in den letzten zwölf Monaten passiert?
Selbstverständlich.

Benjamin Huggel sagte vor der WM, Ihnen fehle die Anerkennung in der Schweiz. Stimmt das?
Wenn Beni Huggel etwas sagt, hat es meistens einen Sinn dahinter.

Also: Ja.
Sie können das interpretieren, wie Sie wollen. Beni Huggel ist ein intelligenter Fussballer und Mensch.

Fragen Sie sich, warum Ihnen hier die Anerkennung fehlen könnte?
Ja, klar. Ich kenne keinen Menschen, der perfekt ist, der keine Fehler macht. Vielleicht liegt es bei mir auch an meiner Art, nur brauche ich deswegen noch lange nicht ausgepfiffen zu werden, wenn ich für die Nationalmannschaft spiele. Ich muss nicht an meinem Image arbeiten. Ich habe mit verschiedenen Leuten geredet, und sie haben mir bestätigt, dass dank meinem Ehrgeiz eine solche Karriere überhaupt erst möglich war. Und ich lasse mir von niemandem einreden, dass mein Ehrgeiz krankhaft ist.

Ehrgeiz kann schnell wirken wie Verbissenheit.
Das sagen Sie.

Empfinden Sie Verbissenheit als negativ?
Ist man verbissen, wenn man gewinnen will? Ich bin halt so. Gewisse Dinge ändere ich nicht.

Würde Ihnen eine Spur mehr Gelassenheit in gewissen Situationen nicht einiges an Energie sparen?
Es gibt schon Momente, in denen ich gelassener sein müsste. Aber was die Leute nicht wissen: Am kritischsten mit Alex Frei ist Alex Frei selber.

Sie sind mit 31 Jahren noch ehrgeiziger als mit 22?
Ich bin immer noch gleich ehrgeizig, wobei ich mir heute nicht mehr erlauben kann, nach jedem Training zusätzlich eine halbe Stunde lang auf das Tor zu schiessen, weil ich dann am nächsten Tag nicht mehr laufen kann. Mit 22 ging das noch.

Sie sagen, wichtig sei Ihnen, was die zwei Trainer von Ihnen verlangen. Was fordern Sie?
Das gehört nicht an die Öffentlichkeit.

Toreschiessen gehört sicher dazu.
Das nehme ich an. Jeder, der sich mit Fussball befasst, weiss, dass man als Stürmer Tore erzielen muss. Aber sie reduzieren mich nicht einzig darauf.

Nun gab es Diskussionen um Ihre bevorzugte Position. Wo würden Sie am liebsten spielen?
Wen interessiert es? Wen?

Uns interessiert es, deshalb fragen wir.
Nach dem Champions-League-Spiel in Tiraspol habe ich nur gesagt: In der zweiten Halbzeit sah man, dass ich hinter der Spitze besser zur Geltung komme. Das war alles, fertig.

Ottmar Hitzfeld hat für den Match gegen England den Plan, dass Derdiyok und Sie sich in der Rolle des hängenden Stürmers abwechseln …
… Thorsten Fink kam in Tiraspol zur Pause in die Kabine, es stand 0:0. Er sagte: «Das Wechselspiel mit Streller muss besser werden.» Darauf streckte ich die Hand auf wie in der Schule und sagte: «Thorsten, ich würde gerne fix hinter der Spitze spielen.» In der zweiten Halbzeit lieferte ich eine Torvorlage und schoss zwei Tore selber.

Und jetzt? Freuen Sie sich auf England?
Ja, klar.

Weil es der Start in die EM-Qualifikation ist?
Weil es ein fantastischer Gegner ist, weil eine spezielle Atmosphäre herrschen wird, die englische Hymne, viele Fans auch aus England, es wird einfach toll.

Sehen Sie diesen Match auch als Entschädigung für Südafrika?
Ich suchte nie nach Entschädigungen. Auch die Champions League ist keine Entschädigung für irgendetwas, das ich in meiner Karriere nicht hatte.

Was wird entscheidend sein gegen die Engländer?
Kompakt aufzutreten, die Mischung zu finden zwischen Defensive und Offensive. Die Engländer müssen auf Lampard, Ferdinand und Terry verzichten. Das sind tragende Säulen in Weltvereinen. Ihre Absenzen könnten uns entgegenkommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2010, 07:51 Uhr

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45 Kommentare

André Stohler

02.09.2010, 10:47 Uhr
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Lieber Alex; wieso tun Sie sich das an? Lassen Sie doch die Nati + die pfeifenden CH - Fans sein. Konzentrieren Sie sich auf den FCB und schiessen Sie für uns die Tore! Hier in Basel werden Sie so wie Sie sind respektiert + gefeiert! glauben Sie mir in St. Gallen wirds wieder ein Spiessrutenlaufen für Sie, Pfiffe und Buhrufe gegen Sie sind so sicher wie das Amen in der Kirche. Antworten


thomas hohl

02.09.2010, 10:46 Uhr
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Fuehren Sie bitte anstaendige Interviews. Ueberlegen Sie wieviele nachhaltig auch international erfolgreiche Stuermer der Schweizer Fussball bis jetzt produziert hat. Nur Talent oder nur Ehrgeiz genuegen fuer eine internationale Karriere in keinem Sport, demzufolge gebuehrt Alex Frei uneingeschraenkt Respekt, er hat von beiden Attributen genug. Chapeau Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 07:50
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.0512:15Cipolla - Wawrinka
Stand: 25.05.2012 14:45
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Federer - Kamke
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
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