Heiko Vogel, herzliche Gratulation zum grandiosen Spiel – Sie haben mit Ihren Einwechslungen wieder einmal ein gutes Näschen bewiesen. Zoua bereitete das Siegestor von Stocker vor. Sind Sie ein Zauberer?
Nein, ich bin kein Zauberer. Ich habe einfach ein Urvertrauen in jeden einzelnen meiner Spieler. Ich weiss, dass jeder viel Qualität mitbringt. Ich habe mir erhofft und auch gewusst, dass die frischen Stocker und Zoua gegen die leicht ermüdeten Bayern uns etwas bringen werden. Und sie haben das auch fantastisch gelöst. Schon gegen YB hat uns Valentin Stocker als Joker in der Schlussphase des Spiels noch das Remis gerettet.
Die Bayern werden in den deutschen Medien für ihre Leistung geradezu zerrissen. Haben auch Sie schwache Bayern gesehen?
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Das Team von Jupp Heynckes ging hochmotiviert, engagiert und sehr aggressiv ins Spiel.
Hat Sie das überrascht? Immerhin stecken die Bayern in der Bundesliga in einer Krise.
Nein, wir wussten, dass die Bayern-Chefs mit der Mannschaft nach dem 0:0 in Freiburg Klartext gesprochen haben. Wir waren auf eine gewaltige Druckwelle, auf aggressive Bayern vorbereitet. Und meine Mannschaft hat toll dagegengehalten.
Sie waren mit der Leistung Ihres Team rundum zufrieden?
Ehrlich gesagt, nicht ganz. In der Pause habe ich taktische Retouchen angebracht.
Und die waren?
Ich habe den Spielern gesagt, dass wir in der Defensive okay gespielt haben. In der Offensive wollte ich jedoch etwas mehr Ruhe reinbringen, eine gewisse Hektik aus unserem Spiel nehmen. Ich habe an die Spieler appelliert, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ich habe ihnen auch gesagt, dass der Ballbesitz der ganzen Mannschaft eine mentale Ruhe bringt. Wir wollten mit vermehrtem und längerem Ballbesitz den Gegner auch mehr laufen lassen. Und das ist uns in der zweiten Halbzeit gut gelungen.
Bayerns Captain Philipp Lahm bedauerte nach der Partie, dass man die vielen Chancen nicht verwerten konnte.
Okay, die Bayern hatten gute Chancen. Aber wir mit Yann Sommer einen hervorragenden Torhüter. Ich denke, dass der Sieg verdient ist, weil wir über das ganze Spiel doch ein Chancen-Plus hatten. Wir haben auch noch die Latte und den Pfosten getroffen. Wir haben bewiesen, dass wir den Achtelfinal der Champions Leaguezu Recht erreicht haben.
In Ihrer Mannschaft gab es keinen einzigen Schwachpunkt. Und die beiden Altmeister Marco Streller und Alex Frei ackerten wie gewohnt für das Kollektiv.
Es ist schon beeindruckend, wie die beiden harmonieren. Sie beschäftigen eine ganze Abwehr. Ihre physische und mentale Präsenz ist enorm. Das haben auch die Bayern zu spüren bekommen.
Der FC Baselist toll in Form. Bedauern Sie, dass das Rückspiel in München erst in drei Wochen stattfindet?
Nicht unbedingt. Wir haben in der Meisterschaft erst zwei Spiele austragen können. Bis zum Rückspiel in München werden wir dann noch mehr Spielpraxis haben. Und das ist sicher kein Nachteil.
Bayern-Star Frank Ribéry hat bei seiner Auswechslung seinem Trainer Jupp Heynckes den Handschlag verweigert. Sie standen gleich daneben in Ihrer Coachingzone. Haben Sie das mitbekommen?
Nein, ich war in diesem Augenblick nur auf meine Mannschaft fokussiert.
Nach dem Spiel haben Sie sich kurz mit dem deutschen Internationalen Thomas Müller unterhalten.
Ja, ich war ja einst sein Jugendtrainer bei den Bayern. Er hat mir zum Sieg gratuliert, aber mir nicht unbedingt die besten Wünsche für das Rückspiel zukommen lassen.
Wie haben Sie darauf reagiert?
Ich habe gelacht und ihm gesagt, dass er mit den Bayern in der Bundesliga jetzt wieder auf Kurs kommen soll. Dafür habe ich ihm viel Glück gewünscht und ihm einen freundschaftlichen Klaps gegeben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)