Kann der FC Zürich seine Stars gar halten?
Von Stephan Roth. Aktualisiert am 11.08.2009
Nach den beiden Startniederlagen gegen die Young Boys und Xamax hatten Präsident Ancillo Canepa und Sportchef Fredy Bickel den Spielern des FC Zürich Ruhe verordnet und jegliche Transfergespräche bis zum 10. August verboten.
Diese ungewöhnliche Massnahme brachte mindestens statistisch Erfolg: Gegen St. Gallen und Bellinzona wurden darauf in der Meisterschaft die ersten Siege eingefahren. In der Champions-League-Qualifikation wurde die Hürde Maribor, wenn auch mit mehr Mühe als eigentlich nötig, genommen. Und zum Schluss holte der FCZ am Sonntag in Basel einen Punkt.
Zudem blieben die Spieler von verlockenden Angeboten aus dem Ausland vorerst unangetastet, was allerdings nicht zwingend mit dem Transfermoratorium zu tun haben muss. Vor allem im Fall von Almen Abdi, dem begehrtesten Zürcher Spieler, der von Udinese umworben wurde, kam das Verletzungspech des torgefährlichen Mittelfeldspielers dem FCZ zur Hilfe.
Wechselpläne vorerst aufgeschoben
Abdi zog sich gegen St. Gallen einen Muskelfaserriss zu und es ist inzwischen höchst fraglich, ob er bereits in diesem Sommer in die Serie A wechseln wird. Zum einen würde der Schweizer Nationalspieler wegen seiner Verletzung bei Udinese mit einem Trainingsrückstand beginnen und so einen erschwerten Start haben. Anderseits haben die Friauler den italienischen Nationalspieler Gaetano D'Agostino, den Abdi hätte beerben sollen, trotz Angeboten von Juventus und Liverpool noch nicht verkauft.
Die Chancen auf einen Stammplatz im Klub von Gökhan Inler wären für Abdi demnach nicht besonders gut. Das spricht in einer Saison, die für die Schweiz in einer WM-Teilnahme in Südafrika gipfeln soll, im Moment gegen einen Wechsel. Und in einem Jahr, wenn sein Vertrag bei den Zürchern ausläuft, könnte Abdi ablösefrei wechseln und auch nicht mehr durch die hohen FCZ-Forderungen an einem Transfer gehindert werden.
Champions League als Grund zum Bleiben
Die Perspektiven des FC Zürich haben sich seit letzter Woche nachhaltig verändert. Weil stärker eingestufte Teams versagt hatten, war der FCZ in der Auslosung zu den Playoffs für die Champions League plötzlich gesetzt und erhielt deshalb mit den Letten von Ventspiels einen Gegner, der als Chance betrachtet werden muss.
Die realistische Aussicht auf die Möglichkeit, in der Königsklasse spielen zu können, hat die Auslandsträume von Abdi, aber zum Beispiel auch von Torhüter Johnny Leoni, in den Hintergrund treten lassen. Falls der FCZ am 25. August in St. Gallen an Ventspils scheitern würde, blieben den Zürcher Stars nur noch sechs Tage bis zum Transferschluss, um in aller Eile noch einen Wechsel über die Bühne zu bringen.
FCZ kann sich hohe Preise leisten
«Wir haben Ruhe gehabt. Ich habe nichts mehr gehört», sagte FCZ-Sportchef Fredy Bickel, der derzeit in Riga auf Hotelsuche ist, heute gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet zum ersten Tag nach dem Transfermoratorium. Auch vom Interesse der AS Roma an Dusan Djuric, das seit Tagen als Gerücht durchs Internet geistert, will Bickel nur gelesen haben. Befremdet hätten die Zürcher die Ablösesumme von 4,5 Millionen Franken, die Oliver Cabrera, der Berater des Schweden, genannt haben soll, zur Kenntnis genommen.
Eines ist klar: Mit der Aussicht auf die lukrative Champions League oder im schlechtesten Fall mindestens drei Heimspiele in der Europa League kann es sich der FCZ leisten, hohe Preise für seine Spieler zu verlangen, auch wenn deren Marktwert mit dem harzigen Saisonstart noch nicht gestiegen ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.08.2009, 20:18 Uhr

