Krawalle am Cupfinal: «Klubs kennen schwarze Schafe»
«Ich bin unzufrieden mit den Eingangskontrollen am Cupfinal»: Kantonaler Polizeidirektor Hans-Jürg Käser. (Bild: Keystone)
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Herr Käser, wie sind Sie mit dem Polizeieinsatz rund um den Cupfinal zufrieden?
Hans-Jürg Käser: Im Rahmen der nicht optimalen gesetzlichen Möglichkeiten, die wir leider in der Stadt Bern haben, bin ich zufrieden.
Was meinen Sie damit? Welche gesetzlichen Möglichkeiten fehlen?
Etwa die Videoüberwachung. Der Berner Stadtrat hat diese abgelehnt. So ist es ganz generell viel schwieriger , die Hooligans zu eruieren und auch strafrechtlich zu verfolgen. In Rüschegg braucht es sicher keine Videoüberwachung. Doch hier in Bern sind an gewissen Hotspots unbedingt Kameras nötig, um gewalttätige Fans zu eruieren. In England funktioniert das mit der Videoüberwachung rund um Fussballspiele bestens.
Beim Cupfinal wären die Kameras ja noch nicht zur Verfügung gestanden. Dennoch: Eine Mehrheit im Stadtrat hat die Videoüberwachung letzte Woche abgelehnt. Erschwert dies der Polizei die Arbeit in Zukunft?
Ja, dieser Entscheid erschwert uns nicht nur die Arbeit, sondern gefährdet auch die Sicherheit der Bevölkerung.
Wie viel hat der Polizeieinsatz gekostet?
Der Polizeieinsatz ist im Rahmen des Ressourcenvertrages zwischen der Stadt Bern und der Kapo geregelt. Das heisst, die Stadt muss keine zusätzlichen Kosten tragen.
Wie viele Polizisten waren im Einsatz?
Aus polizeitaktischen Gründen geben wir diese Zahlen ganz generell nicht bekannt. Es ist aber offensichtlich, dass wir zusätzliche Polizisten aus anderen Kantonen haben beiziehen müssen.
Warum haben die Polizisten im Bahnhof die betrunkenen und randalierenden Chaoten nicht härter angepackt?
Diesen Vorwurf weise ich zurück. Die Beamten haben immerhin 60 Anhaltungen gemacht und gezielt Gummischrot eingesetzt. Leider muss ich vier verletzte Polizisten beklagen. Weil neben ihnen im Bahnhof Petarden gezündet wurden, haben sie einen Hörschaden erlitten. Und wegen der vielen Reisenden und Passanten konnten wir auf keinen Fall Tränengas einsetzen. Es ist doch so: Die Polizisten und Polizistinnen können machen was sie wollen, sie ernten meistens Kritik. An der unbefriedigenden Situation sind sicher nicht nur Politiker schuld...
...sondern?
Auch die Fussball- und Fanklubs sowie die Stadionbetreiber, die ihre Verantwortung nicht umfassend wahrnehmen.
Inwiefern?
Sie halten sich nicht an klar abgemachte Regeln mit der Polizei. Es darf einfach nicht sein, dass sich die Sion-Fans am Mittwoch im Bahnhof versammelten, obwohl die Abmachung bestand, dass sie sich auf der Schützenmatte treffen und von dort aus in einem Umzug zum Stade de Suisse ziehen würden. Und es darf nicht sein, dass vermummte Fans auf dem Marsch solche Petarden zünden und die Stimmung in der Stadt anheizen. Es sind immer kleine Gruppen von Hooligans, welche Auseinandersetzungen auslösen. Ferner bin ich unzufrieden mit der Stadioneingangskontrolle.
Müsste man diese Chaoten nicht isolieren?
Nicht nur isolieren, sondern vor, während und nach dem Match unter Arrest stellen. Diese gewaltbereiten Hooligans müssen endlich härter angepackt werden. Die Klubs kennen ihre schwarzen Schafe genau.
Gibt es für ein solches Vorgehen denn die rechtlichen Grundlagen?
Chaoten, die mit einem Stadionverbot belegt sind, können verhaftet werden, wenn man ihrer habhaft wird. Im Weiteren kann die Polizei erst dann zugreifen, wenn Straftaten begangen werden – um solche zweifelsfrei zu erkennen, wäre eben eine Videoüberwachung ein geeignetes Mittel.
Wie kann das Problem mit randalierenden Fussballanhängern aus Ihrer Sicht gelöst werden?
Für mich ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Das Problem kann nur durch schweizweite Massnahmen gelöst werden. Wir müssen alle am gleichen Strick ziehen. Ich werde mit den Verantwortlichen aller betroffenen Städte die Gespräche weiterführen. Und was mir ganz wichtig ist: Die Fussball- und Fanklubs sowie die Stadionbetreiber müssen endlich zu mehr Verantwortung gezwungen werden.
Wie soll das geschehen? Wie kann man denn die Vereine mehr in die Verantwortung nehmen?
Die Klubs tragen für ihre Fans eine Mitverantwortung. Somit muss der Schweizerische Fussballverband dafür sorgen, dass diese Verantwortung getragen wird. (Berner Zeitung)
Erstellt: 24.05.2009, 12:57 Uhr


