Löw: «Ich bin stark verärgert»

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 08.02.2010

Ausgerechnet im WM-Jahr hängt der Haussegen im Deutschen Fussball-Bund (DFB) schief. Nationaltrainer Jogi Löw ist verstimmt über die Verbandsspitze.

Eiszeit in Deutschland: Oliver Bierhoff und Jogi Löw sind verstimmt über ihren Arbeitgeber DFB.

Eiszeit in Deutschland: Oliver Bierhoff und Jogi Löw sind verstimmt über ihren Arbeitgeber DFB.
Bild: Keystone

Die Worte im Interview der ARD nach der Gruppenauslosung in Warschau für die EM 2012 waren deutsch und deutlich. «Über den ganzen Ablauf der letzten Woche bin ich stark verärgert. Vor allem, weil wir ein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit abgegeben haben. Es stört mich ungemein, dass gewisse Dinge an die Öffentlichkeit gedrungen sind», erklärte Löw dem Reporter. Dabei war der Bundestrainer sichtlich um Fassung bemüht.

Dass die schriftliche Vertragsverlängerung ins Wasser fiel, ist der eine Grund, warum Löw richtiggehend sauer ist über die DFB-Spitze um Präsident Theo Zwanziger. Dass der Freiburger gleichzeitig von seinem Arbeitgeber in Sachen Unterschrift unter Druck gesetzt worden war, war der andere Punkt, der ihm missfiel. «Ich habe kein Verständnis dafür, dass mir der DFB mit dem Vertragsangebot in der vergangenen Woche ein Ultimatum gesetzt hat. Ich bin seit sechs Jahren leitender Angestellter, und wir haben mit unserem Team alles für den Erfolg der Nationalmannschaft und die Reputation des deutschen Fussballs getan. Da kann es nicht sein, dass ich ein Angebot innerhalb von 48 Stunden annehmen soll», erklärte Löw in Polens Metropole.

Bierhoff wehrt sich gegen Vorwürfe

Auch Teammanager Oliver Bierhoff, dem in diesem Knatsch im WM-Jahr von den Medien die Rolle als Buhmann übertragen wird, kritisierte am Sonntag die Verbandsspitze. «So sollte man nicht mit dem Bundestrainer und seinem Team umgehen. Da geht es auch um die Form», meinte Bierhoff gegenüber der ARD.

Gegenüber dem TV-Sender Sky stellte er die angebliche Mär von überrissenen finanziellen Forderungen von ihm und dem Trainer an den DFB in Abrede. «Die Forderung nach einer Signing Fee hat es nie gegeben. Es ist von einer einmaligen Zahlung die Rede gewesen, die aber erst im Nachhinein während der Laufzeit gezahlt werden sollte.» Hingegen gab Bierhoff zu, dass er ein Veto-Recht gefordert habe, «dass ohne meine Zustimmung kein Bundestrainer ausgewählt werden kann, aber nur im Zeitraum von 2010 bis 2012».

Wie lange läuft der aktuelle Vertrag?

Vor dem Abflug nach Warschau hatte man sich in der DFB-Zentrale in Frankfurt a. M. noch bemüht, die Wogen zu glätten. «Ich habe gespürt, dass dem Präsidenten daran liegt, die WM-Vorbereitung in dem engen Vertrauensverhältnis fortzuführen, das uns seit Jahren verbindet, auch wenn es noch nicht zu der beabsichtigten Vertragsverlängerung über die WM 2010 hinausgekommen ist», sagte Löw. Er betonte aber auch, dass es vor der Endrunde auf keinen Fall neue Gespräche über eine Vertragsverlängerung gäbe.

Im neusten Interview mit der «Bild» unterstrich Löw noch einmal seine Verärgerung mit der Führungsspitze des DFB. «Ich lasse mir kein Ultimatum von 48 Stunden setzen.» Könne er sich vorstellen, den Vertrag ohne Bierhoff zu verlängern, wurde der Bundestrainer von der Boulevardzeitung gefragt. «Das ist kein Thema für mich. Oliver gehört zu unserem Team. Und wir haben gesagt, dass wir nur alle gemeinsam verlängern», antwortete Löw. Das gelte übrigens auch für seine Mitarbeiter Hansi Flick, Andi Köpke und Urs Siegenthaler. «Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir mit diesem Team sehr gute Arbeit leisten.»

Man müsse sich nun ganz auf die WM konzentrieren, betonte Löw. Pikant verfasst ist indessen auch sein laufender Arbeitsvertrag: Dieser endet nämlich offiziell am 30. Juni 2010. Die WM-Viertelfinals werden aber erst ab dem 2. Juli ausgetragen. Steht möglicherweise dann der Bundestrainer ohne Kontrakt an der Seitenlinie in Südafrika? Löw diplomatisch: «Ich verstehe meinen Vertrag so, dass er erst nach der WM endet. Und ich hoffe, dass das Turnier für uns erst mit dem Endspiel am 11. Juli vorbei ist.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.02.2010, 11:05 Uhr

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