Sport

Lucien Favre muss Berlin verlassen

In zwei Jahren hat der Schweizer Trainer mit dem vierten Rang mit Hertha den Höhepunkt bereits erreicht. Ein Kommentar von Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Sportredaktor Stephan Roth.

Für Lucien Favre kann es mit Hertha nur noch bergab gehen. Genau genommen hat der Niedergang in den letzten Tagen bereits begonnen. Nach der 0:4-Niederlage bei Absteiger Karlsruher SC krochen in Berlin bereits all jene hervor, die durch die erfolgreiche Arbeit des Schweizers zum Schweigen verdammt gewesen waren. Jene, die gerne mäkeln. Jene, die es stört, dass der akkribische Trainer kein Showman und Sprücheklopfer ist. Jene, die immer noch nicht verstehen, dass die Mannschaft wichtiger als Stars wie Arne Friedrich, Marko Pantelic oder Andrej Woronin ist.

Captain Friedrich, der nach einer Verletzungspause in den beiden letzten Spielen nur auf der Ersatzbank sass, durfte sich ausweinen. «Ich bin enttäuscht von Favre», sagte der deutsche Nationalverteidiger mit einem Jahresgehalt von drei Millionen Euro. Nach dem Verpassen der Champions League wurde Favre von der «Bild», die ihn davor stets als «Super-Hirnli» gefeiert hatte, zum Verlierer der Woche abgestempelt.

In der Medienmetropole Berlin werden die Ansprüche nach der überraschend erfolgreichen Saison weiter steigen. Selbst wenn sich Favres Team erneut für die Europa League, den Nachfolgewettbewerb des Uefa-Cups, qualifizieren sollte, würde in der Hauptstadt kaum mehr einer applaudieren. Dabei wäre es erneut ein kleines Wunder, wenn Hertha sein Niveau halten könnte.

Bereits klar ist, dass die beiden Sturmdiven Pantelic und Woronin gehen. Auch um Patrick Ebert, Abwehrchef Josip Simunic und Favres Lieblingsschüler Raffael ranken sich Transfergerüchte. Das Personal-Budget wird von 33,6 auf 28 Millionen Euro gesenkt. Für Verstärkungen können die Berliner, die unter Favre die Schuldenlast von 56 auf 30 Millionen Euro senken konnten, nur 2,5 Millionen Euro ausgeben. Dafür bekommt man nicht einmal einen Spieler wie FCZ-Topskorer Almen Abdi.

Dabei tun Verstärkungen bei Hertha Not. Von den technischen Grundvoraussetzungen bewegt sich das Kader im unteren Drittel der Liga. Einzig der mannschaftlichen Geschlossenheit und Favres taktischer Schulung war der Höhenflug, der die Berliner gar vom Titel träumen liess, zu verdanken. Von einer Spielkultur, wie sie der FC Zürich in den Meisterjahren 2006 und 2007 unter dem Romand zelebrierte, war Hertha meilenweit entfernt. Wer Favre kennt, weiss, dass ihm ein ganz anderer Fussball vorschwebt.

In Herthas Führungsetage tobte zudem in den letzten Monaten ein Machtkampf. Präsident Werner Gegenbauer versuchte Manager Dieter Hoeness, der in einem Jahr seinen Hut nehmen will, zu demontieren. Dabei wurde auch argumentiert, dass die Zusammenarbeit zwischen Hoeness und Favre nicht funktioniere. Favre musste dabei höllisch aufpassen, dass er nicht zwischen die Fronten geriet und nicht missbraucht wurde.

«Ich habe meinen Vertrag verlängert und konzen­triere mich voll auf meinen Job hier», sagte der 51-Jährige gegenüber «20 Minuten», als er gefragt wurde, wann Hertha zu klein für ihn werde. Gemäss «Berliner Morgenpost» soll er bei einer losen Anfrage von Meister VfL Wolfsburg, der inzwischen Armin Veh als Nachfolger von Felix Magath verpflichtet hat, dankend abgelehnt haben. Wenn das stimmt, war das ein Fehler.

Die nächste Anfrage eines ambitionierten Vereins, die bestimmt kommen wird, sollte sich Favre anhören. In Berlin hat er mehr erreicht als es die Strukturen auf Dauer zulassen. Er hat mit seinem Team die Stadt für den Fussball begeistert, sodass zuletzt 70'000 ins Olympiastadion strömten. Jetzt sollte der ehrgeizige Westschweizer wieder an sich selbst denken. So wie vor zwei Jahren, als er den FC Zürich verliess. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2009, 15:27 Uhr

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22 Kommentare

Pascal Hohl

18.06.2009, 22:52 Uhr
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Seine Abneigung gegen Pantelic gründet nicht auf seiner Schweizer Vergangenheit sondern auf Pantelic's divenhaftem, egoistischem Verhalten auf dem Rasen. Und das war ja schon unter Götz nicht anders, nur hat Favre den Mut ihm die Stirn zu bieten. So überragend war Pantelic auch nicht, nie hat er gegen eine grosse Mannschaft (Bayern, Bremen...)getroffen (im Gegensatz zu Voronin). Antworten


Frank Schurmann

31.05.2009, 09:07 Uhr
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Ich wäre dankbar, wenn L. Favre schnellstmöglich unsere Hertha verlassen würde. Für mich hat er nicht den Hauptteil an Hertha's Erfolg in der abgelaufenen Saison. Was ist das für ein Trainer, der nicht in der Lage ist, seine schon aus Schweizer Zeiten geborene Abneigung gegen einen Spieler (M. Pantelic) endlich beiseite zu legen? So handelt ein gekränktes kleines Kind, aber kein Spitzen-Trainer. Antworten


Andreas Herrich

27.05.2009, 15:55 Uhr
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@ Ben Müller: Vielen Dank für Ihre Worte ! In Berlin sehen wir dies genauso wie Sie. Durchschnittliches Team, dass aufgrund Ihres genialen Trainers einen sensationellen 4.Platz in der Bundesliga geschaftt hat ! Darauf sind wir stolz !!! Arrogant ist niemand gegenüber Favre ! Warum auch ?? Favre ist unser Fussballgott ;) und wir hoffen hier alle, dass er noch lange Trainer der HERTHA bleibt ! Antworten


Bruno Froehlich

27.05.2009, 15:40 Uhr
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Diese Titelaufforderung, so ein Megaquatsch. Wohin soll er wechseln ? Vereine mit intakten Strukturen sind mit 2 Haenden zu zaehlen. Sicher nicht Bayern oder Basel. Englaender ohne hire & fire. Die brauchen aber niemanden im Moment. Favre ist der Mann der Berlin weiter begeistern kann, clecer genug um sich aus dem Etagengerangel rauszuhalten. Es gibt wenige Meistertrainer, Favre ist einer bis 2012 Antworten


Päde Leutenegger

27.05.2009, 15:32 Uhr
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Für Berlin ist Favre sicher ein Glücksfall. Ob Favre in Berlin dauerhaft glücklich sein wird, mag ich stark anzuzweifeln, denn zwischen dem sportlichen Anspruch und den finanziellen Mitteln liegen Welten. Wenn Favre in ein paar Jahren Berlin verlassen wird, wird der Verein wenigstens schuldenfrei sein. Antworten


Ben Müller

27.05.2009, 15:13 Uhr
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@A.Herrich: nur nicht aufregen, wir Schweizer sind nicht alle so (wohl die wenigsten). Favre ist ein absoluter Topmann, keiner von uns Schreiberlingen hier versteht auch nur annähernd soviel vom Fussball wie er! Selbst ein vierter Rang ist mit diesem Team eine hervorragende Leistung, wer sich im Fussball auskennt und fähig ist einen Schritt auf Distanz zu gehen kann das bestätigen. Antworten


Andreas Herrich

27.05.2009, 14:16 Uhr
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@ Hans Meier: ich habe selten einen dämlicheren kommentar gelesen. Sie müssen schon unter extremer paranoia leiden. alles arrogant in berlin ?? wie wird den lucien favre in berlin behandelt ?? ihr schweizer habt wirklich einen vogel........ ohne weitere worte...... Antworten


Bert Naumann

27.05.2009, 13:47 Uhr
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@hans meier. Arrogant? Wer? Favre ist ein guter Mann. Wobei er sich fragen muss, ob er es mit Stars nicht gut kann. Sentimentalitäten duldet das Mill.-Business Fussball nicht! Er ist es, der durch sein arrogantes und starrköpfiges Verhalten, die mögliche CL-Quali und damit Millioneneinnahmen versenkt hat. Für gemeinsame Ziele, muss man sich auch arrangieren können. Antworten


Almen Abdi

27.05.2009, 11:17 Uhr
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Der Bericht ist etwas überheblich, ich glaube ein guter Trainer weiss auch was er tut, auch jetzt! Bei Wolfsburg hätte es für ihn wohl nur noch bergab gehen können. Favre ist ein Trainer der nachhaltig arbeitet, er braucht jetzt nicht plötzlich 80 Millionen und teuer Stars um sich beweisen zu können. Er wird auf jeden Fall auch nächstes Jahr eine gute Saison mit Berlin hinlegen! Antworten


sascha Weinert

26.05.2009, 18:11 Uhr
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Favre ist das Beste was Hertha passieren konnte! Sicherlich sind es noch nicht die schönene Spiele die Hertha abgeliefert hat, jedoch hat sich Hertha weiterentwickelt. Die Jahre davor waren grausam. Keine Spielkultur (nicht mal im Ansatz), kein Teamgeist und keinen Siegeswillen. Das alles hat sich geändert. Allerdings ist da noch Potenzial nach oben und Favre ist genau der richtige Mann dafür! ;-) Antworten


Philipp Sauter

26.05.2009, 17:46 Uhr
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@Lehmann: Sie scheinen nicht viel von Fussball zu verstehen. Wahrscheinlich hat selten ein Trainer mit einer solchen Gurkentruppe den 4. Platz in der Meisterschaft erreicht, wie Favre nun mit Hertha. Vom Spielerpotential her, hätte Berlin eher gegen den Abstieg kämpfen müssen. Dass es anders kam, hat auf alle Fälle wenig mit Glück zu tun. Antworten


Hans Indermaur

26.05.2009, 17:06 Uhr
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Es wäre einmal sehr interessant die Budgets in Relation zur Tabellensituation zu sehen, wetten dass sie den Lucien Favre in Berlin dann gerne behalten möchten, ist wie bei der italienschen Küche, einfache, gute, ehrliche Zutaten und dann viel Aufwand. Antworten


David Peter

26.05.2009, 16:49 Uhr
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Unsinn! Für Favre kann es in Berlin nicht nur bergab gehen! Hier ticken Uhren anders als zwischen Bellinzona und Vaduz! Der Jubel ist grösser, aber auch Kritik setzt schneller ein! Und das Finale war nun mal nicht glanzvoll! Jetzt muss Hertha nach vorne schauen, langfristig denken und am gelegten Fundament weiterbauen, auch ohne die Diven Woronin und Pantelic! Genau darin liegen Favres Stärken! Antworten


Bernhard Lehmann

26.05.2009, 16:14 Uhr
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Für Favre ist Berlin und die Bundesliga eine Nummer zu gross. Mit so viel Glück und schmeichelhaft knappen Siegen kann er sowieso nicht nochmals rechnen. Ausserdem waren gute Spiele von Hertha unter Favre eh schon Mangelware und das wahre Gesicht, d.h. wenn's darauf ankommt, zeigte seine Mannschaft ja eindrücklich in den letzten Matches. Also "back to the roots" in die Schweiz oder besser ins FL! Antworten


Franz Brunner

26.05.2009, 15:56 Uhr
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@gramelsbach und schmid--GENAU, DAS IST DIE KARRIERELEITER Hertha, than FCB und zum Schluss zum FC Kidderminister, die wollen in die 4 Division aufsteigen Antworten


Andread Velz

26.05.2009, 15:53 Uhr
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Ich glaube, dass Favre mit der Hertha noch mehr erreichen kann! Jetzt wo er langsam die Altlasten (z.B. Pantelic und Simunic) los wird und er neue Spieler kaufen kann, wird er noch mehr Erfolg haben. Er hat ja beim FC Zürich bewiesen, dass er ein Händchen für gute und günstige Spieler hat. Antworten


Andreas Herrich

26.05.2009, 15:43 Uhr
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Liebe Schweizer, unseren Fussballgott Lucien Favre geben wir nicht mehr her ;) Liebe Grüsse aus Berlin Antworten


Juan Fernandez

26.05.2009, 15:43 Uhr
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So tief wird er hoffentlich nie sinken, dass er zum FC Basel wechseln wird!! Antworten


Schmid Beatrice

26.05.2009, 15:14 Uhr
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Favre zum FCB - Gross zur Hertha! Antworten


Hans Meier

26.05.2009, 15:05 Uhr
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Ich sehe es schon vor mir: "Arrogante Bild, arroganter Friedrich, arrogantes Berlin, arrogante Bundesliga, ...., den SCHWEIZER Favre so zu behandeln! Typisch deutsch" Antworten


V. gramelsbacher

26.05.2009, 15:02 Uhr
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Hallo Herr Favre: Der FCB sucht einen neuen Trainer! Hätten Sie Lust? Antworten


Marco Lardi

26.05.2009, 15:00 Uhr
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Nach so einer Lobeshymne fehlt nur noch der dezente Hinweis, dass in Basel ein neuer Trainer gesucht wird. Antworten



Programm & Resultate

NLB Playoff
Chaux-de-Fonds - Ajoie5:3
Langenthal - Basel6:0
Visp - Olten6:3
Lausanne - GCK Lions5:2
Stand: 12.02.2012 20:26

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