«Lustenberger ist der Chef auf dem Platz»
Interview: Sebastian Rieder. Aktualisiert am 22.06.2011 15 Kommentare
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Lucien Favre, wie haben Sie die Auftritte der U-21 bisher verfolgt? Ich hatte die letzten Tage viel zu tun, aber für die Spiele gegen Island und Weissrussland habe ich mir kurz Zeit genommen. Was ich gesehen habe, hat mir sehr gut gefallen.
Spieler wie Shaqiri, Sommer, Mehemdi standen bisher in den Gruppenspielen im Rampenlicht. Wie sehen Sie die Leistung von Fabian Lustenberger, der als Staubsauger im Mittelfeld alle Bälle wegsaugt? Er ist ganz klar das Herzstück der U-21. Er ist für mich der Chef auf dem Platz. Vor der Abwehr sorgt er für viel Ruhe und Ordnung.
Sie haben ihn 2007, als Sie Trainer bei Hertha BSC waren, nach Berlin geholt. Es war mutig von Ihnen, einen 19-jährigen Schweizer in die Bundesliga zu holen. Wir brauchten in Berlin Spieler für die Zukunft – so wie Lustenberger. Sein unglaubliches Potenzial hat mich beeindruckt. Ich wollte ihn schon holen, als ich noch Trainer beim FCZ war.
Was sind seine Qualitäten? Fabian ist, was die taktische Reife und seine Spielintelligenz betrifft, einer der Besten in seinem Alter. Leider war er in den vergangenen Jahren immer wieder verletzt. Aber er ist ein unglaublich kluger Spieler und hat sich letzte Saison schnell ins Team der Hertha integriert und seinen Teil zum Aufstieg in die Bundesliga beigetragen.
Von der Physis und seinem Spielstil her erinnert Lustenberger einen an den früheren Nati-Regisseur Patrick Müller. Daran habe ich gar noch nicht gedacht. Aber ja, kein schlechter Vergleich. Beide sind eher schmal gebaut, überzeugen aber mit ihrer unglaublichen Übersicht. Ein Talent, das beiden in die Wiege gelegt wurde.
Lustenberger ist gerade mal 23 Jahre alt und wird im August zum ersten Mal Vater. Hat das einen Einfluss auf seine Leistung? Ich durfte seine Freundin Monique auch kennenlernen. Ich denke, die beiden passen gut zusammen. Vielleicht macht ihn die Schwangerschaft noch reifer, als er sonst schon ist. Vom Typ her war er schon immer ein sehr ruhiger und überlegter Spieler.
Sehr reif ist auch der bisherige Auftritt der gesamten U-21-Nati. Was steckt da für eine Philosophie dahinter? Das ist ganz einfach. Die jungen Spieler versuchen Fussball zu spielen. Sie probieren, kombinieren und gehen mutig nach vorne.
Wem schauen Sie lieber zu, der A-Nati oder der U-21? Beide gefallen mir sehr gut. Ich begrüsse es sehr, dass Ottmar Hitzfeld die jungen Spieler gegen England ins Team berufen hat. Was mich bei der U-21 beeindruckt, ist, dass vor allem die Offensive mit Mehmedi, Emeghara, Gavranovic und Ben Khalifa international überdurchschnittlich stark besetzt ist.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.06.2011, 15:21 Uhr
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