Lyon hat es gegen Apoel Nikosia verpasst, die Viertelfinal-Qualifikation schon im Hinspiel sicherzustellen. Die Franzosen siegten trotz klarem territorialen Übergewicht nur 1:0.
Mit drei Auswärts-Remis bei Schachtar Donezk, Porto und Zenit St. Petersburg hatte Nikosia die Basis zum überraschenden Sieg in der Gruppe G gelegt. Und auch im Stade de Gerland war die Taktik von Ivan Jovanovic klar ersichtlich. Der serbische Coach legte das Hauptaugenmerk auf eine massierte Abwehr, an der sich die Gastgeber die Zähne ausbeissen sollten. Das Vorhaben ging in der ersten Hälfte perfekt auf: Das Schussverhältnis betrug zwar 13:0 zugunsten von Lyon, vieles waren aber Verlegenheitsschüsse aus der Distanz. Der griechische Keeper Dionisios Chiotis wurde nur selten ernsthaft bedrängt, am nähesten kam noch Alexandre Lacazette einem Torerfolg (31./40.) für Franzosen, die ihren neunten Achtelfinal in Serie bestreiten.
Der 20-jährige aus der eigenen Akademie hatte dann in der 58. Minute, unmittelbar vor seiner Auswechslung, noch den grossen Auftritt. Lacazette übernahm halblinks eine Vorlage von Cris, zog gegen innen und erzielte dann sein erstes Champions-League-Tor, wobei der Ball noch unglücklich abgelenkt wurde. Lyon spielte auch anschliessend ohne Topskorer Bafetimi Gomis, der im letzten Gruppenspiel mit vier Treffern beim gelinde gesagt erstaunlichen 7:1-Erfolg bei Dinamo Zagreb riesigen Anteil am mirakulösen Weiterkommen gehabt hatte. An der Spielphysiognomie änderte sich aber nichts: Bei Apoel stand vorne der Brasilianer Ailton und nach dessen Auswechslung der Argentinier Esteban Solari auf weiter Flur, die Priorität lag weiter bei der Schadensbegrenzung. Fast wäre aber die destruktive Taktik noch mit einem weiteren Punktgewinn belohnt werden: In der 88. Minute scheiterte der kurz zuvor eingewechselte Gustavo Manduca nur knapp am französischen Internationalen Hugo Lloris. Es war der einzige Torschuss für die Zyprioten.
Wenn sich Lyons Trainer Remi Garde die Zahlen noch einmal vor Augen führt, kann er nicht zufrieden sein. Für die gewaltige Überlegenheit - 18:1 Schüsse und 64 Prozent Ballbesitz - war der Mini-Sieg viel zu magerer Lohn. Der erste zypriotische Achtelfinalist der Champions Leaguedarf so den Viertelfinal-Traum weiter träumen, obwohl sie gestern nur um Minuten am Einstellen eines Negativrekords vorbeischrammten. Seit Einführung der K.o.-Runde hat erst einmal ein Team keinen Torschuss zustande gebracht (2011 Arsenal gegen Barcelona). (si)