Marcel Koller macht die Psyche von Inler und Abdi stark
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 31.01.2011
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Udinese ist zurzeit die Mannschaft der Stunde. Nach dem 3:1-Sieg gegen Chamions League-Sieger Inter Mailand hat Udinese auch am Sonntag ganz Fussball-Italien erneut überrascht. Mittelfeldstratege Inler führte sein Team zu einem 2:1-Sieg in Turin gegen Juventus. Auch Abdi war zum Einsatz gekommen. Die Arbeit von Marcel Koller trägt Früchte. Der ehemalige Meistermacher von St. Gallen und GC, der in der Bundesliga zuletzt den 1. FC Köln und Bochum trainiert hatte, ist zurzeit ohne Job. Doch der Zürcher ist trotzdem sehr aktiv und jederzeit auf dem Laufenden. Koller, der auch schon für das Schweizer Fernsehen Analysen machte, ist auch in Deutschland als fachkundiger Experte ein gefragter Mann. In der vergangenen Woche war er Experte bei Sport 1 in München. Zurzeit gehört er zum Staff der Fairplay Agency von Dino Lamberti, dem Berater von Gökhan Inler und Almen Abdi.
Dieser konnte Koller als Motivations-Coach für seine beiden Schweizer Nationalspieler gewinnen. «Marcel hat sich auf Anfrage spontan dazu bereit erklärt», sagt Lamberti. Es sei ein reiner Freundschaftsdienst. Koller erhalte dafür kein Geld. «Diese Arbeit macht mir Spass und ist hochinteressant. Auch ich kann davon profitieren und aus einer anderer Optik wieder etwas lernen», erklärt Koller gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
«Die Probleme von Inler und Abdi sind anders gelagert»
Koller weilte zuletzt sogar persönlich während einer Woche in Udine, um mit Inler und Abdi im mentalen Bereich zu arbeiten. «Bei Gögi und Almen sind die Probleme anders gelagert», sagt Lamberti. Er habe Marcel Koller gebeten, sich den beiden als Mentalcoach anzunehmen. Abdi habe ein Problem mit seiner Körpersprache gehabt. «Als er nicht spielte, hat Almen auf seine Situation eher frustriert reagiert», sagt Koller. Daran habe man konsequent gearbeitet. «Ich habe Almen aus der Sicht eines Trainers erklärt, wie dieser aus seiner Optik mit Spielern umgeht, die nicht erste Wahl sind», so Koller.
Abdi musste seine Körpersprache ändern
«Ein Trainer hat die sogenannten Ersatzspieler genauso im Fokus wie die Titulare. Und wenn sich diese nicht in jedem Training aufdrängen, dann wird es für sie schwierig», sagt der Experte. Er habe Abdi deshalb dringend geraten, er müsse sich in jedem Training von den anderen Spielern deutlich abheben. «Er muss richtiggehend auffallen und dem Trainer signalisieren, dass er will, dass er sich gegen sein Reservistendasein auflehnt und sich dadurch nicht destabilisieren lässt. Er muss die Initiative übernehmen, konsequent den Ball fordern, lautstark dirigieren und im Zweikampf eine aggressive Körpersprache einbringen», so Koller.
Der Zürcher weiss nur zu gut aus eigener Erfahrung, dass unzufriedene Spieler vorwiegend die Schuld beim Trainer suchen. «Das ist eine fatale Fehleinschätzung und ist nichts als kontraproduktiv», sagt Koller. Das habe er auch Abdi gesagt. Ein Spieler müsse sich bewusst sein, wie er von aussen auf den Trainer wirke. Bei Gökhan Inler hingegen sei es mehr darum gegangen, seine Persönlichkeit noch mehr herauszuschälen, sagt Koller. Als ehemaliger langjähriger Captain der Grasshoppers hat Koller Inler auch auf das Captainamt vorbereitet. In Abwesenheit des Verletzten Alex Frei hatte Inler auch an der Weltmeisterschaft unter Ottmar Hitzfeld dieses Amt bereits bekleidet.
Inlers Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft
«Ich habe ihm gesagt, dass ein Captain Sozialkompetenz mitbringen muss und sich mit jedem Teamspieler beschäftigen und auseinandersetzen muss», sagt Koller. Ein Captain müsse auch Konflikte innerhalb der Mannschaft erkennen und auf diese sofort reagieren können. «Dann kann es auch schon mal einen richtigen zwischenmenschlichen Knall geben», sagt Koller. Aber danach sei die Sache erledigt, vergessen und ausgestanden.
Koller hat mit Inler in Zürich in Lambertis Büro auch schon Spielanalysen gemacht. «Dabei haben wir auch seine Länderspiele unter die Lupe genommen», verrät Koller. Bei Inler sei ihm vor allem aufgefallen, dass er zwar defensiv hervorragend stehe, aber sein Offensivpotenzial nicht genug ausschöpfe. «Da muss er sich einfach mehr zutrauen und mutiger sein», fordert Koller. Denn Inler könne sehr torgefährlich sein.
«Koller hat uns noch stärker gemacht»
Abdi und Inler sind stolz, auf einen Mentaltrainer wie Koller zählen zu können. «Er hat uns schon einiges vermittelt und uns noch stärker gemacht», bestätigten die beiden Schweizer Nationalspieler, die bei Udine spielen. Koller überzeuge durch seine Argumente. «Marcel bringt eine immense Erfahrung mit, von der ich bisher schon sehr viel profitiert habe», sagt Inler gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Koller sei als Spieler ein vorbildlicher Profi und während Jahren auch Mitglied der Nationalmannschaft und Captain der Grasshoppers gewesen. «Sein Knowhow ist unbezahlbar», sagt er. Keiner hätte ihn bisher so klar analysieren und beraten können wie Koller.
«Ich kann mir keinen besseren Mentaltrainer als Koller vorstellen»
«Marcel will, dass ich mich vermehrt als Leader in der Mannschaft einbringe und noch mehr Verantwortung übernehme», sagt Inler. «Bei der mentalen Arbeit mit Koller habe ich gespürt, dass ich mein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft habe», gibt der Nationalspieler unumwunden zu. Im mentalen Bereich sei durchaus noch Luft nach oben. «Ich bin stolz, dass ich mit einem so kompetenten Fachmann zusammenarbeiten darf», sagt der ehemalige Star des FC Zürich. Er könne sich keinen besseren Analytiker vorstellen.
Nach den ersten drei Runden lag Udinese in Italien auf dem letzten Tabellenrang. Doch inzwischen ist die Mannschaft wieder erstarkt. Inler erhielt beim 3:1-Sieg über Champions-League-Sieger Inter Mailand, das in der vergangenen Saison das Triple holte, als überragender Spieler die besten Zensuren. «Udinese spielt zurzeit den schönsten Fussball in Italien», loben die Experten. Udinese werde sogar noch um den Titel mitspielen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.01.2011, 11:28 Uhr


