Michel Platini for President
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 02.06.2011 6 Kommentare
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Nach der Schlammschlacht um die Wahl des Fifa-Präsidenten hat der Weltfussballverband seine letzte Glaubwürdigkeit verspielt. Die Korruptionsvorwürfe, mit denen sich hochrangige Fifa-Funktionäre gegenseitig eindeckten, machen klar, dass der Augiasstall Fifa endlich ausgemistet werden müsste. Die Schmiergeld-Geschichten, die nun publik werden, bestätigen eigentlich nur, was man schon immer vermutet hatte. Praktisch die Hälfte des 24-köpfigen Exekutivkomitees der Fifa steht im Verdacht, in irgendeiner Art in Korruptionsaffären verwickelt zu sein. Will die Fifa wieder glaubwürdig werden, braucht sie neue Köpfe – auch im Amt des Präsidenten.
Ein geeigneter Kandidat für die – möglichst vorzeitige – Blatter-Nachfolge ist der Franzose Michel Platini. Der frühere Weltklassefussballer der französischen Nationalmannschaft und von Juventus Turin ist Präsident des Europäischen Fussballverbands (Uefa). Der 55-Jährige gehört seit neun Jahren dem Fifa-Exekutivkomitee an und ist einer der sechs Vizepräsidenten des Weltfussballverbands.
Ein Fussballfunktionär ohne Skandale
Platinis Reputation ist intakt, zumindest ist in der breiten Öffentlichkeit nichts Negatives bekannt. Sein Name fällt nicht, wenn von Korruptionsaffären in der Fifa die Rede ist – im Gegensatz zu anderen Fifa-Vizepräsidenten wie Issa Hayatou (Kamerun), Präsident des afrikanischen Kontinentalverbands, oder auch Jack Warner (Trinidad und Tobago), Präsident des nord- und zentralamerikanischen Verbands, der am letzten Sonntag von der Ethikkommission der Fifa suspendiert wurde.
An der Uefa, deren Präsident Platini seit 2007 ist, können keine Skandale festgemacht werden – obwohl die Vergabe der EM 2012 an Polen und die Ukraine nicht unumstritten war. Im letzten Jahr behauptete ein Funktionär des zypriotischen Fussballverbands, dass bei der Vergabe des EM-Turniers 2012 vier gekaufte Stimmen den Ausschlag zugunsten der Osteuropäer gegeben hätten. In Zypern kam es dann zu einem Strafverfahren, das aber im Januar mangels Beweisen eingestellt wurde.
Gewieft auf dem Parkett der Macht
Der frühere Mittelfeldstratege, der 1984 Frankreich zum EM-Titel geführt hatte, hat den Vorteil, dass er weiss, wie die Fifa funktioniert, aber noch nicht so lange dabei ist, um in fragwürdige Machenschaften verstrickt zu sein wie die dubiosesten Fifa-Funktionäre, die seit den 1990er-Jahren und teils sogar seit den 1980er-Jahren in der Exekutive des Weltfussballverbands sitzen.
Was für Platini spricht, sind auch seine Umgangsformen. «Platini beherrscht die Kunst der Konversation – auf allen Ebenen», schreibt «Spiegel online». «Platini findet bei Fans, Spielern und Schiedsrichtern ebenso den Ton wie bei Funktionären und hohen Politikern.» Ähnlich wie Blatter baue Platini seine Macht auf persönliche Netzwerke und Freundschaften. Den Umgang mit einflussreichen Personen lernte Platini schon als Spieler. Als er in den 1980er-Jahren bei Juventus Turin spielte, war Platini ein gern gesehener Gast in der Residenz von Gianni Agnelli, Patron des Automobilkonzerns Fiat und des italienischen Rekordmeisters.
Unumstritten in der mächtigen Uefa
Mit der Uefa hat der 55-jährige Franzose auch einen mächtigen Kontinentalverband hinter sich. Und in diesem Verband ist er auch unumstritten – und das ist eine zentrale Voraussetzung für eine künftige Kandidatur für das höchste Amt im Weltfussball.
Als Uefa-Präsident hat Platini bisher nichts Revolutionäres geleistet, aber ein paar Reformen lanciert. Das wichtigste Projekt seiner zweiten Amtszeit ist die Regelung zum «Financial Fair Play». Damit sollen die Fussballklubs vor dem unkontrollierten Geldausgeben bewahrt werden. Der Grössenwahn einiger Klubs wie Real Madrid oder Chelsea soll ein Ende haben. Ein weiteres Ziel der ab 2013 geltenden Regeln ist, die Chancengleichheit zwischen den europäischen Top-Ligen wiederherzustellen.
Platini wartet ab mit Kandidatur
Ein weiteres Projekt von Platini ist die EM 2016, die in seiner Heimat Frankreich stattfinden wird. Möglicherweise wird er dann Präsident der Fifa sein. Die vierte Amtsperiode von Blatter dauert bis 2015. Gemäss Beobachtern gibt es das Szenario, dass der 75-jährige Walliser vorzeitig abtreten könnte. Dann käme Platini ins Spiel.
Der Franzose wurde bereits in den letzten Tagen – nach dem Rückzug von Blatter-Herausforderer Mohamed bin Hammam – als Kandidat gehandelt. Platini gab umgehend sein Desinteresse an einer Kandidatur zum jetzigen Zeitpunkt bekannt. Der Uefa-Präsident weiss, dass seine Zeit noch kommen wird. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.06.2011, 06:13 Uhr
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6 Kommentare
Ich befürchte nur, wenn man in dem jetzigen System verankert ist, dann ist man bereits "versaut." Weshalb hat sich wohl Franz Beckenbauer verabschiedet? Nicht nur wegen der Familie, aber auch. Das ganze System muss verändert und eine transparente Fifa geschaffen werden. Ein Präsident auf "Lebenszeit" muss unweigerlich ein "Gottkönig" werden, auch Sport ist Politik / Geschäft und Dreck. Antworten
Wie auch aus dem Ausland zu verlauten war, hat das ganze Debakel auch für die Schweiz einen schalen Geschmack, und lässt Offenheit und Transparenz nicht zu. Immer alles unter den Teppich wischen. Vor lauter Rücksichtnahme auf sein Image verliert mancher sein Gesicht. Doch in der Schweiz wird weiterhin schön geschwiegen. Antworten



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