Mittelsmann von Sauber-Investor vorbestraft
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 25.09.2009 6 Kommentare
Russell King gilt als Schlüsselfigur beim Kauf des englischen Traditionsklubs Notts County, der im Sommer von Munto Finance übernommen wurde. Diese Firma wiederum gehört zum grossen Imperium von Qadbak Investments. Und diese Qadbak Investments investiert neu auch in das Formel-1-Team von Peter Sauber.
«The Sun» hat enthüllt, dass King wegen Versicherungsbetrugs aus dem Jahre 1991 für zwei Jahre ins Gefängnis musste. Und dem vorbestraften Mann droht bereits neues Ungemach: Gemäss britischen Medienberichten wurden Vermögensteile Kings im Wert von 1,9 Millionen Pfund (umgerechnet zirka 3,14 Millionen Franken) von Gerichten auf der Kanalinsel Jersey eingefroren. Der Grund für diese Massnahme ist eine Schuld, die er noch nicht beglichen hat.
Überraschende Investition bei marodem Klub
Der Kauf des traditionellen Klubs aus Nottingham, der in der tiefsten Profi-Liga Englands um seine sportliche und finanzielle Existenz gekämpft hatte, überraschte die Fussballszene auf der Insel. Noch erstaunlicher nahm die Öffentlichkeit zur Kenntnis, dass die Investoren das Engagement von Sven-Göran Eriksson als Fussball-Direktor von Notts County bekannt gaben. Der ehemalige Nationalcoach Englands bestätigte inzwischen, dass er die neuen Besitzer des Klubs noch nie gesehen habe. Wie überhaupt sich die Investoren ganz im Hintergrund halten und sich nicht zu erkennen geben.
Bekannt ist dagegen, dass Peter Trembling Geschäftsführer von Notts County ist. Und durchgesickert ist auch, dass King und dessen Geschäftspartner Nathan Willett die Drahtzieher bei der Verpflichtung von Eriksson waren. Umso eigenartiger, dass der bekannte Coach weder seine Geldgeber noch seine Lobbyisten zu Gesicht bekommen hat, sondern nur Männer, welche die Interessen der beiden Financiers vertreten.
Später erhielt Verteidiger Sol Campbell einen Fünfjahresvertrag, dotiert mit einem Wochensalär von rund 65'000 Franken. Der ehemalige Internationale hat aber nach nur einem Ligamatch dem Klub wieder den Rücken gekehrt. Warum er seinen Arbeitsort Meadow Lane so schnell wieder verlassen hat, bleibt sein Geheimnis. Es heizt aber die Diskussionen um die Vorgänge beim Tabellenachten aus der League Two weiter an.
Die Spur führt nach Zürich
Eriksson wurde auch aus einem anderen Grund in die Grafschaft Nottinghamshire gelockt. Dem Fachmann, der für seinen Managerjob ein für diese Liga überdurchschnittliches, aber kein exhorbitantes Salär kassiert, wurden Aktienbeteiligungen einer Firma versprochen. Diese heisst Swiss Commodity Holding AG und hat ihren rechtlichen Sitz in Zürich. Nathan Willett und sein Vater Peter, der zudem das Amt als Direktor von Notts County bekleidet, sind als Verwaltungsräte registriert. Wie Profi Campbell hätte Eriksson als Gegenleistung weltweit als Botschafter des Unternehmens auftreten sollen. Dem Schweden wurde in Aussicht gestellt, dass bei einer positiven Entwicklung an der Börse seine Aktien quasi über Nacht einen Wert in Millionenhöhe erreichen würden.
Die Zürcher Holding Firma SCH Group beziffert auf ihrer Homepage den Portfolio-Wert mit 160 Milliarden Franken. «Waren- und Rohstoffmarkt, Investition, Infrastruktur und Beratung» sind Begriffe, die beim Anklicken auf der Internetseite unübersehbar sind. Eriksson wird sich gedacht haben, dass seine Wertpapiere eine sichere Sache und gut angelegt sind.
Von Campbell im Stich gelassen
Eriksson beharrt gegenüber englischen Journalisten darauf, dass er primär die sportliche Herausforderung sucht, einen tief gefallenen Klub wieder in eine höhere Liga zu führen. «Ich weiss nicht, woher das Geld kommt. Das ist der Job des Geschäftsführers, das herauszufinden. Es interessiert mich nicht. Wichtig ist, dass das Geld fliesst», fügte der prominente Sportdirektor an.
Dass ihn jetzt Campbell beim grossen Unterfangen im Regen stehen lässt, bedauert Eriksson. «Ich bin sehr enttäuscht. Ich fühle mich ein wenig im Stich gelassen. Aber das Projekt geht ohne Sol Campbell weiter. Nichts hat sich verändert.»
Fakt ist: Nicht nur Fussball-England blickt gespannt auf die Dinge, die da an der Meadow Lane zu Nottingham harren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.09.2009, 15:05 Uhr
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6 Kommentare
Sehr merkwürdige Angelegenheit und unverständlich, dass man auch bei Sauber nicht wissen darf, wer dahinter steckt. Bei einer nicht transparenten Firma möchte ich nicht arbeiten. Aber wenn die Leute wirklich einen solchen Steckbrief haben, ist es wohl besser,man weiss nicht zu viel. Ist aber auch schon vorgekommen, dass schlussendlich das Geld dann nicht geflossen ist. Man frage die Herren von GC. Antworten
Hm, mit 100'000 CHF Aktienkapital eine Holding betreiben, die 160 Milliarden Assets kontrolliert? Eher ungewöhnlich. - Da es sich um "Mining/Minerals" handelt, wo die Firma tätig sein soll, kann ich mir vorstellen, dass sie Claims besitzen, wo angebliche Mineralreserven im Boden stecken, die einen schönen Weltmarktpreis hätten, so sie denn gefördert werden könnten, was Investments benötigte. Antworten
Die Geldwäsche, für deren angebliche Bekämpfung Unsummen ausgegeben werden, ist kein Thema, wenn es um Sport geht. Da können die Quellen, aus denen das Geld sprudelt, noch so dubios oder intransparent sein. Alle sonst so kritischen Journalisten akzeptieren, dass der Finanzier Wert auf Anonymität legt. Und das Volk jubelt... Antworten
Das ist nicht verwunderlich. Wenn sogen. 'Strohmänner' auftauchen, die sich nicht gerne zu erkennen geben, muss doch immer mit einem Verdacht auf unsaubere Geschäfte geschlossen werden. Ist es denn in der Schweiz anders? Da herrscht einfach eine verdeckte, und somit geduldete Korruption. Wehe dem, der die Kartelle, Lobbys und verschworenen Gemeinschaften in Frage stellt! Antworten

Hannes Estermann
Warum soll das eine Ueberraschung sein? Als einigermassen normal denkender Mensch kann man sich gar nie vorstellen,dass diese enormen Summen alle sauber sind.Schwarzgelddepot mit tollem Umfeld -oder nicht ? Anderseits im kleinen haben wir in den 60/70 er Jahren unsere Fussball-Nationaligaclubs etwas genauer angeschaut.Die Mehrheit hatten ja Baufirmen inhaber als Chefs-glaubt jemand ohne Grund ? Antworten