«Mourinhos Niederlage ist ein Sieg für den Fussball»
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 28.04.2011 103 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
Das spanische Duell in der Champions League zwischen Real Madrid und Barcelona war voller Emotionen. Im Mittelpunkt stand wieder einmal Reals streitbarer Trainer José Mourinho. Der Trainer von Real Madrid wurde vom deutschen Referee Wolfgang Stark auf die Tribüne verbannt und coachte dort seine Mannschaft trotzdem seelenruhig weiter. Er schrieb seine taktischen Anweisungen kurzerhand mit einem schwarzen Kugelschreiber auf kleine Notizzettel und reichte sie unter dem Gitter seinem Assistenten durch, der die Mannschaft dann prompt neu einstellte.
Doch alles war umsonst. Defensiv-Papst Mourinho wurde von Barça und vor allem vom unwiderstehlichen Argentinier Lionel Messi entzaubert und nach allen Regeln der Kunst zerzaust und auseinandergenommen. Der spanische Clasico in der Champions League mit zwei roten Karten gegen Pepe und Pinto drohte zwischenzeitlich sogar zu eskalieren. Nach der hitzigen Partie untersagten Delegierte der Uefa den Trainern beider Mannschaften zunächst, Interviews zu geben, weil sich die beiden Trainer Josep Guardiola von Barcelona und Reals José Mourinho auch schon vor dem Halbfinal-Hinspiel attackiert hatten.
«...dann würde meine Karriere heute enden»
Trotzdem liess Reals Startrainer, der in der letzten Saison mit Inter Mailand die Meisterschaft, den Pokal und die Champions League gewonnen hatte, seinen Gefühlen gegenüber der Presse freien Lauf. Im Visier hatte er den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark, der ihn des Feldes verwiesen hatte. «Wenn ich der Uefa jetzt sagen würde, was ich denke und fühle, würde meine Karriere heute enden», erklärte Mourinho. «Eines Tages hoffe ich eine Antwort auf die Frage zu bekommen: warum?»
Allerdings wird sich Mourinho auch die Frage stellen lassen müssen, weshalb er seine Mannschaft so defensiv eingestellt hatte. Das «Morgenmagazin» der ARD und des ZDF machte rund um das Spiel eine Umfrage bei den Anhängern von Real Madrid. Und diese kritisierten insbesondere die Taktik Mourinhos.
Yakin wundert sich über Mourinhos Taktik
Thuns Erfolgstrainer Murat Yakin ist ein schlauer Taktiker. Er hat sich über die Spielweise Reals gewundert. «Sie haben zu Hause auf Konter gespielt und sofort den langen Ball in die Spitze gesucht», sagt der ehemalige Nationalspieler. «Überrascht war ich auch, dass Mourinho bereits in der Halbzeit mit Özil einen der kreativsten Spieler ausgewechselt hat», sagt Yakin. Das könne er nicht nachvollziehen. Die Niederlage Mourinhos sei diesmal auch ein Sieg für den Fussball gewesen.
«Mourinho hat die gleiche Taktik gewählt wie vor einem Jahr, als er mit Inter Barcelona in der Champions League ausschaltete», so Yakin. Nur habe Mourinho bei Real nicht so konterstarke Stürmer wie Milito oder Eto'o. Yakin lobt auch die hohe Spielkultur von Barcelona. «Es wundert mich nicht, dass Guardiola einst ein grosser Spieler war und Mourinho bloss irgendwo in einer unteren Liga kickte», sagt der ehemalige Abwehrchef von GC, Basel, Kaiserslautern, Stuttgart und Fenerbahce Istanbul.
Matthias Sammer, Sportdirektor des deutschen Fussball-Bundes DFB, ist üblicherweise eher ein zurückhaltender Mensch. Doch diesmal nahm der ehemalige Dortmunder Meistermacher als Experte bei Sky kein Blatt vor den Mund. «Das ist ein hässliches Gesicht. Hauptübeltäter ist Sergio Ramos. Rein sportlich kann Real nicht mit Barça mithalten. Sie provozieren nur. Da ist keine klare Marschroute erkennbar», kritisiert Sammer. Mourinho habe es mit zu verantworten, dass Real Madrid ausscheiden werde. «Das war ein Sieg für den Fussball», schloss Sammer seine Analyse.
Messi zerzauste Real
Mourinho hat sich mit seinem Auftreten und seiner falschen Taktik für einmal selbst ins Abseits gestellt. Neben dem Matchwinner Lionel Messi gehörte Schiedsrichter Wolfgang Stark nämlich zu den besten Akteuren auf dem Feld. Der Deutsche liess sich nicht einschüchtern, behielt die Nerven und zog seine Linie konsequent durch. Vor dem Spiel war Stark von Mourinho noch als Messi-Fan und parteiisch beleidigt worden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.04.2011, 11:47 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
103 Kommentare
was für ein spiel habt ihre denn bitte gesehen??
- über 70 % ballbesitz für barca.
- gefühlte 3 torschüsse von real aufs barca tor...
- rote karte für pepe 100% gerechtfertigt. er nimmt hier die verletzung des gegners in kauf. rot. punkt.
real kann von glück reden, dass adebayor nicht auch noch runter musste.
-mit nem mehreren 100 mio euro kader so defensiv zu spielen ist real nicht würdig.
Antworten
Glücklicherweise gehört zum Fussball mehr dazu, als mit zusammengekauften Teams Titel zu sammeln, den Gegner mit hässlichen Fouls zu treten und dessen Spiel mit einer ultradefensiven Ausrichtung zu zerstören, und so hat gestern das richtige Team gewonnen; mögliche Showeinlagen, umstrittene Karten hin oder her.
Zum Anstand von Mou möge man den Rücktritt des Schweden Andres Frisk beachten...
Antworten

Bitte warten
