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Nach dem Quantensprung zurück auf null

Auf den 3. Platz wird für die Grasshoppers die schwierige Saison der Bestätigung folgen. Trainer Ciriaco Sforza muss neue Spieler einbauen. Und Präsident Urs Linsi Geld finden.

Im letzten Saisonspiel noch gebremst: GC-Verteidiger Vallori (links) gegen Luzerns Lukmon.

Im letzten Saisonspiel noch gebremst: GC-Verteidiger Vallori (links) gegen Luzerns Lukmon.
Bild: Keystone

Das letzte Spiel der Saison war einzig für die Statistik. GC verlor daheim gegen Luzern 0:1, erstmals nach einer Serie mit elf Siegen im Letzigrund, GC kann sich damit trösten, in der Rückrunde die beste Mannschaft hinter Basel gewesen zu sein und mit Basel die beste Abwehr gestellt zu haben.

Gefühlsmässig war der Herbst in diesen Wochen weit weg, der Herbst mit dem schlechten Start in die Saison und den miserablen Nachrichten aus der Buchhaltung, die einschneidende Sanierungsmassnahmen nötig machten. Der Winter brachte sportlich die Wende und das Frühjahr die Rendite der Arbeit von Ciriaco Sforza auf dem Trainingsplatz.

Fortschritte dank Mentaltrainer

Cabanas blühte auf, Salatic spielte endlich so, wie man das schon lange von ihm erwartet hatte, Voser wurde zur Entdeckung, Zarate glänzte als Dribbler und Torschütze, Smiljanic war der Patron, Sommer bewies sein Talent, und Ben Khalifa, Toko oder Zuber bestätigten, dass auf dem Campus wieder Junge mit Zukunft heranwachsen. Über allen stand der Trainer, der ein vorzügliches Gespür dafür entwickelt hat, wie er mit seinen Spielern umgehen muss, der Routiniers stützte, als sie feststeckten, und der Junge furchtlos förderte. Sforza, einst kritisch empfangen, darf seine Arbeit deshalb ruhigen Gewissens mit «sehr gut und mit Stolz» bewerten.

Überrascht ist er weder von der Entwicklung der Mannschaft noch seiner eigenen. Dass sie Potenzial hat, predigte er, als noch Niederlagen an der Tagesordnung waren. Dass er selbst Fortschritte gemacht hat, verdankt er seinem Antrieb und Willen, sich mit einem Mentaltrainer auszutauschen. Da stecke eben Arbeit dahinter, sagt er.

Junge Spieler als Lückenbüsser

Auf den «Quantensprung in dieser Saison» (Sforza) folgt für Mannschaft, Trainer und Verein die schwierige Zeit der Bestätigung. Sforza weiss: «Erfolg ist kein Selbstläufer.» Und betont darum, dass die neue Saison «bei null» beginne. Die Arbeit dafür beginnt am 14. Juni, zwei Tage bevor die Schweiz ihr erstes WM-Spiel austrägt. Das Kader wird sich verändern. Nassim Ben Khalifa geht nach Wolfsburg und Rolf Feltscher nach Parma. Bei Gonzalo Zarate rechnet Sforza mit einem Abgang, Salzburg soll im Gespräch sein, und Senad Lulic steht vor dem Wechsel zu YB.

Die Lücken werden mit jungen Spielern gefüllt – «mit Jungen, die Qualität haben», präzisiert Sforza. Etwas anderes will er gar nicht. Das würde weder zur Philosophie des Vereins passen noch zu seinen finanziellen Möglichkeiten. Die Einnahmen von gut 4 Millionen Franken aus den Verkäufen von Ben Khalifa und Seferovic (im Winter nach Florenz) dienten einzig zur Erfüllung der Lizenzauflagen. Und Geld für Investitionen fehlt weiterhin. Präsident Urs Linsi glaubt wohl, der Verein habe auch dank struktureller und personeller Veränderungen in der Führung «wieder an Glaubwürdigkeit gewonnen». Nur hilft Linsi das bislang nicht, um Ersatz für die vier auslaufenden Sponsorenverträge (im Gesamtwert von jährlich 2 Millionen Franken) gefunden zu haben. Er muss zugeben, bei der Sponsorensuche «nicht dort zu sein, wo wir sein möchten». Und sagt auch deshalb: «Wir müssen uns weiterhin finanziell nach der Decke strecken und mit Jungen arbeiten.»

Routiniers als unerlässliches Korsett

Die Jugendförderung sieht er bei Sforza in guten Händen, «er hat bewiesen, dass er dafür der Richtige ist», sagt Linsi. Der Trainer selbst hält intensiv Umschau nach Spielern, die zu GC passen würden. Die Namen dazu sind: Steven Lang (22) von Aarau, Fabian Frei (21) von St. Gallen, Ermir Lenjani und Amir Abrashi, beide 21 und von Winterthur. Swen König kommt als Ersatzgoalie aus Luzern. Vom hauseigenen Nachwuchs werden Izet Hajrovic (knapp 19) und Endogan Adili (knapp 16) künftig bei den Profis gefördert. Vincenzo Rennella, auch erst 21, ist nach einer von Verletzungen geprägten Saison fast wie ein Neuzugang, wenn in vier Wochen die Vorbereitung beginnt.

Die Routiniers bilden weiterhin das unerlässliche Korsett. Das gilt für Cabanas, Salatic und Smiljanic und, so hofft Sforza, für Sommer, der sich selbst gerne eine weitere Saison vom FC Basel ausleihen liesse. Am System des 4-1-4-1 wird der Trainer festhalten, weil es sich bewährt hat.

Eine Woche Familienferien wird sich Sforza gönnen. Auf Sardinien wird er den «caffè» bekommen, der ihm in der Campus-Kantine fehlt. Am letzten Freitag hat er sich kaum davon erholen können, wie schlecht der Kaffee hier sei. Eigentlich beneidenswert, wenn man nur solche Sorgen hat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2010, 08:55 Uhr

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4 Kommentare

Marcel Zürcher

17.05.2010, 13:08 Uhr
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@Oli Hansen,,GC hatte auch schon zu Zeiten als Nobelklub die beste Juniorenabteilung der Schweiz. Der Name Fussballschule wurde durch GC populär genau so wie die Sportlehre, welche GC schon mit Sutter, Sforza etc. durchgeführt hat. Antworten


ruben micael

17.05.2010, 11:07 Uhr
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GC wird keine probleme haben fürs nächste saison eine top mannschaft zusammen zustellen die sogar europäisch mit halten kann. der uefa cup titel ist pflicht. es ist einfach unglaublich was für eine starke nachwuchs sie haben, es würde mich nicht wundern wenn sie die beste fussball schule der welt hätten, U 17 WM titel ist der beweis dafür. Antworten


Michael Bertmann

17.05.2010, 10:53 Uhr
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"...in der Rückrunde die beste Mannschaft hinter Basel gewesen zu sein und mit Basel die beste Abwehr gestellt zu haben." Stimmt nicht ganz, denn GC hatte die alleinige beste Abwehr über die ganze Saison hinweg betrachtet. Antworten


Oli Hansen

17.05.2010, 10:45 Uhr
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Es ist einfach toll, wie ein ehemaliger Nobelclub (das sind heute Basel, YB oder FCZ wenn man das Budget anschaut) einen total Neustart mit Jungen probiert und dazu noch erfolgreich! Egal was nächste Saison kommt, es tut gut zu sehen, dass man in Zeiten von Tempo, Materialismus und Ego auch mit bescheidenen Mitteln, Mut, Herz und Vertrauen bestehen kann. Antworten



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