Neuville schwer belastet
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 19.01.2011
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Bei den Ermittlungen taucht erstmals der Name Neuville auf. Wett-Pate Ante Sapina, Hauptangeklagter im Betrugsprozess vor dem Landgericht Bochum, belastet den 37-jährigen Oliver Neuville schwer. Der Vize-Weltmeister von 2002, so Sapina in seiner Vernehmung am 3. September 2010, soll bereit gewesen sein, Spieler seines damaligen Vereins Borussia Mönchengladbach zu verschieben. Neuville bestreitet die Vorwürfe gegenüber «Bild» aufs Schärfste.
Gegenüber der Ermittlungskommission «Flankengott» gab Sapina an, sein Komplize Marijo habe einen türkischen Frund, der mit Oliver Neuville befreundet sei. Dieser Freund habe ihm mitgeteilt, dass Neuville viel zocke und Spielschulden habe. Der Fussball-Profi sei bereit, an Spiel-Manipulationen mitzuwirken. Neuville könne dabei auf zwei Abwehrspieler zurückgreifen, die für jeweils 10'000 bis 150'000 Euro pro Spiel an der Manipulation mitwirken würden.
«Ich habe keine Spielschulden»
Davon ist die Rede in einem am 24. September 2009 um 17.09 Uhr von der Kripo abgehörten Telefongespräch zwischen Sapina und dem Beschuldigten Marijo C. In der Vernehmung behauptet Ante Sapina, er habe die Manipulationsversuche abgelehnt, weil Gladbach sein Lieblingsverein sei. Ausserdem seien die Schmiergelder viel zu hoch gewesen.
«Bild» konfrontierte den 69-fachen deutschen Nationalspieler mit den ungeheuerlichen Aussagen des Wett-Paten. «Das ist absoluter Unsinn. Wer das sagt, den werde ich verklagen», verteidigt sich der Angeschuldigte Neuville. Er lasse sich seinen Namen nicht beschmutzen. «Ich habe niemals gezockt, höchstens mal um 50 Euro. Wenn jemand behauptet, ich habe Spielschulden, ist das gelogen.»
Klinsmann entlastet Neuville
Gegen Ende der Vernehmung, die auf sechs A-4-Seiten protokolliert ist, spricht Ante Sapina erneut über Oliver Neuville. Diesmal geht es um die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. In Zockerkreisen habe es das Gerücht gegeben, dass Neuville taktische Anweisungen aus der DFB-Kabine verrate. Im speziellen Fall ging es um eine angebliche Anweisungen von Teamchef Jürgen Klinsmann an seinen Kapitän. Michael Ballack solle bei Gewinn der Platzwahl immer der gegnerischen Mannschaft den Anstoss überlassen. Sabina gab an, er habe mehrfach darauf gesetzt, dass der deutsche Gegner Anstoss hat und so bis zu 30'000 Euro gewonnen.
Neuville bestreitet auch dies vehement und wird durch Jürgen Klinsmann entlastet. «Nein, es gab nie eine solche Anweisung. Die Platzwahl übernimmt der Kapitän – ausser, wenn zum Beispiel die Witterungsverhältnisse eine Rolle spielen sollten. Dann gibt der Trainer eventuell noch einen Hinweis. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass so etwas bei einer WM vorkommen kann.»
«Für Oliver lege ich meine Hand ins Feuer»
Die Behauptungen des Wett-Paten sind tatsächlich dubios. Seit einer Regeländerung 1997 kann der siegreiche Kapitän bei der Platzwahl nur bestimmen, auf welches Tor gespielt wird. Den Anstoss erhalten automatisch der Platzwahl-Verlierer. Also ist eine Manipulation ausgeschlossen.
Experte Jörg Stiel kennt Oliver Neuville seit Jahren und hat mit ihm auch in Gladbach zusammengearbeitet. «Mein Bruder Arne hat mit Oliver von 1992 bis 1993 bei Servette zusammengespielt. Ich habe Oli schon damals als einen feinen und absolut integeren Menschen kennengelernt», sagt Stiel. Er halte die Vorwürfe dieses dubiosen Wett-Paten als absoluten Schwachsinn. «Es ist geradezu lächerlich, wenn dieser Herr auch noch behauptet, Neuville habe Spielschulden», so der ehemalige Torhüter der Nationalmannschaft. «Oliver ist absolut sauber, für ihn würde ich die Hand ins Feuer legen.»
Stiel denkt nicht, dass Neuville wegen dieser Geschichte einen Image-Schaden erleidet. «Oliver hat in Deutschland einen riesigen Namen und ist ein angesehener Mensch.» Neuville hat in seiner Karriere für Locarno, Servette, Teneriffa, Hansa Rostock, Bayer Leverkusen, Gladbach und Bielefeld gespielt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.01.2011, 15:11 Uhr


