«Nicht die Jungen haben versagt, sondern die Etablierten»
Von Peter Bühler. Aktualisiert am 20.04.2010 20 Kommentare
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Ancillo Canepa, weshalb haben Sie Bernard Challandes entlassen?
Unser Ziel ist es, den vierten Tabellenplatz zu erreichen. Eigentlich wollten wir das mit Challandes schaffen. Das 0:1 am Samstag gegen Aarau hat mich zur Erkenntnis gebracht, dass wir mit ihm nicht mehr Vierter werden können.
Schuld ist also immer der Trainer?
Nein, nicht immer. Die Spieler des FCZ sind die Hauptschuldigen. Aber der Trainer ist immer das schwächste Glied in der Kette – leider. Wir können ja nicht die ganze Mannschaft auswechseln.
Was werfen Sie Challandes vor?
Nichts, ausser dass er in diesem Frühling die geforderten Resultate nicht erreicht hat. Seine Entlassung entspricht den Gesetzmässigkeiten des Fussballs, so ungerecht diese auch sein mögen. Beim 0:1 gegen Aarau bekam man allerdings das Gefühl, dass seine Botschaften die Spieler nicht mehr richtig erreichten.
Challandes ist der erste Trainer, den Sie als Präsident entlassen haben. Wie bitter ist das?
Es schmerzt, weil Challandes betroffen ist. Ich halte ihn für einen feinen Menschen. Der Klub hat ihm viel zu verdanken. Für den FCZ ist das Sechseläuten alles andere als ein Freudentag.
Wie haben Sie sich getrennt?
Professionell. Und wir haben uns gegenseitig gesagt: «Hey, wir bleiben Freunde.» Schon lange haben Challandes, Bickel und ich vereinbart, dass wir durch den Jura wandern werden. Das wird nach Saisonende auch gemacht.
Was erhoffen Sie sich ganz konkret vom Trainerwechsel?
Ich erhoffe mir, dass ein Ruck durch die Mannschaft geht und wir in den letzten 5 Spielen 15 Punkte gewinnen. Ich denke, Urs Fischer ist die ideale Interimslösung. Er kennt den Klub, er leistet in der U-21 sehr gute Arbeit. Und er ist Inhaber der Uefa-Pro-Lizenz, des höchsten Trainerdiploms.
Könnte Fischer zur definitiven Lösung für den FCZ werden?
Ich schliesse nichts aus. Fischer bleibt sicher bis Ende dieser Saison Trainer.
Aber Sie suchen aktiv einen Trainer für die neue Saison?
Wir werden sicher bald erste Gespräche mit Kandidaten führen.
Wie hat die Mannschaft auf die Entlassung von Challandes reagiert?
Ziemlich betroffen. Die Spieler wissen genau, dass sie sehr viel zu seinem Scheitern beigetragen haben. Sie haben ihn gegen Aarau im Stich gelassen. Ich denke, einige wissen gar nicht, was sie an diesem Trainer hatten. Er hat sich immer vor die Mannschaft gestellt.
Wieso verlängerten Sie nach dem Meistertitel den Vertrag mit Challandes vorzeitig bis 2012?
Ich wollte Kontinuität im Verein, ich wollte ein Zeichen setzen. Und wir haben mit Challandes dann ja auch die Champions League erreicht.
Nun müssen Sie ihm mehr als zwei Jahresgehälter auszahlen?
Nein, wir haben bereits bei der Vertragsverlängerung die Höhe der Abfindung vereinbart, falls wir uns vorzeitig trennen werden.
Welchen Anteil hat die Vereinsführung, konkret Sie und Fredy Bickel, an der Misere?
Sollen Bickel und ich auch noch die Tore schiessen? Für den operativen Bereich sind die Trainer verantwortlich. Bickel und ich können nur möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen.
Welche Veränderungen werden auf nächste Saison im Spielerkader angestrebt?
Sämtliche Vertragsofferten, die wir gegenüber Spielern mit auslaufenden Verträgen gemacht haben, ziehen wir zurück. Und wir sistieren sämtliche Verhandlungen bis auf weiteres. Zudem suchen wir einen Strafraumstürmer mit Abschlussqualitäten.
Der FCZ hat in der Winterpause mit Ludovic Magnin einen sehr teuren Verteidiger verpflichtet, Challandes hätte aber lieber schon damals einen Stürmer geholt . . .
. . . wir haben gute, junge Stürmer, einen Mehmedi, einen Schönbächler. Wir können nicht immer predigen, dass wir auf die Jugend setzen wollen – und im konkreten Fall tun wir es dann doch nicht. Nicht die jungen Spieler haben zuletzt versagt, sondern die etablierten.
Und mit verändertem Kader, einem Torjäger und vielleicht einem neuen Trainer will der FCZ wieder in die Champions League?
Das ist unser Ziel. Wir wollen nächste Saison wieder um den Meistertitel spielen und uns, wenn immer möglich, für die Champions League qualifizieren. Ein Klub wie der FCZ gehört doch einfach jedes Jahr in den Europacup – sei es in die Champions oder in die Europa League.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.04.2010, 09:05 Uhr
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20 Kommentare
"Der FCZ hat in der Winterpause mit Ludovic Magnin einen sehr teuren Verteidiger verpflichtet, Challandes hätte aber lieber schon damals einen Stürmer geholt . . ." - ich denke, dies war ein entscheidender Fehler, den Herr Canepa eigentlich zugeben müsste. Die Stürmer schiessen die Tore, aber jemand muss sie auch verpflichten. Antworten
Der Mann leidet offenbar unter Grössenwahn. Wieso soll der FCZ jedes Jahr in den Europacup gehören? Mit dieser Truppe kann er froh sein, wenn ein gesicherter Mittelfeldrang drin liegt. Zum eigentlichen Thema: Anstatt den Trainer zu entlassen hätte Canepa besser selbstkritisch analysiert, wo sein und Bickels Anteil am Versagen zu finden ist (Abdi, Transfertheater, ...) Antworten


