Sport

Ottmar Hitzfeld: «Schule für Persönlichkeitsbildung wichtig»

Der Nationalcoach befürwortet bei Talenten einen «doppelten» Bildungsweg. An der ETH in Zürich disktutierte eine Experten-Runde über das Thema Ausbildung im Spitzenfussball.

Diskutierte an der ETH: Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld.

Diskutierte an der ETH: Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld.
Bild: Keystone

Als Ergänzung zu den Ausbildungsprogrammen der Vereine und des Verbandes bietet die «Football Academy Zurich» (FAZ) jungen Fussballern die Möglichkeit, parallel zur täglichen sportlichen Schulung eine eidgenössisch anerkannte KV-Ausbildung zu absolvieren.

Hitzfeld unterstützt die Idee der FAZ-Macher: «Wenn man geistig gefordert wird, kann man auch auf dem Platz schneller denken.» Für den zweifachen Champions-League-Sieger trägt die Ausbildung zur Persönlichkeitsbildung bei. «Es ist nicht sinnvoll, wenn Fünfzehn-, Sechzehn- oder Siebzehnjährige nur Fussball spielen.»

Diskussion über Chancen und Illusionen

Derzeit kommt die FAZ gemäss ihrem Geschäftsführer René Furrer praktisch ohne Gelder der öffentlichen Hand aus. Das Ziel der Initianten wäre aber, mehr Support zu erhalten. Furrer wies darauf hin, dass «immer der Sport immer wieder Spieler und Persönlichkeiten verliert». Entweder fehlt den Familien das Geld oder den Hoffnungsträgern die zeitlichen Strukturen, alle Anforderungen zu erfüllen.

In der von «Blick»-Sportchef Walter De Gregorio geleiteten Podiumsdiskussion wurden die schulischen Chancen - oder Illusionen- auf dem Weg ins Fussball-Business beleuchtet. Für Mario Fehr, den Präsidenten von KV Schweiz, entspricht ein Projekt wie die FAZ einer Notwendigkeit: «Junge Menschen brauchen einen Lebensentwurf. Die Karriere dauert ja nicht ewig.»

«Reine Sportlerlehre brachte es nicht»

Eine gute Ausbildung vor oder während dem Start zur Profi- Laufbahn sei im Interesse aller wünschenswert, so Fehr. Die Vereine, die junge Spieler beschäftigen, müssten ein Interesse daran haben. «Und es braucht auch Trainer, die eine schulische Ausbildung fordern und fördern», erklärte Fehr. «Davon profitiert auch die Öffentlichkeit.»

Kurt Murer, ETH-Professor und Mitglied der eidgenössischen Sportkommission, legt ebenfalls grossen Wert auf eine fundierte Ausbildung von künftigen Spitzensportlern. Die «Doppel-Lösung Sport/Lehre» sei zu forcieren. «Die reine Sportlerlehre brachte es nicht. Sie war weder Fisch noch Vogel.»

Hitzfeld bestand bei Ricken auf Abschluss

Die Experten waren sich einig: Eine geistige Beschäftigung der Sportler ist für alle Beteiligten sinnvoll. Zwei Optionen seien speziell im ungewissen Profi-Fussball ungemein wichtig. Hitzfeld erwähnte in diesem Zusammenhang das Beispiel von Lars Ricken. Der ehemalige Dortmunder Stürmer schaffte im Schüleralter den Sprung in den Champions-League-Final. «Ich bestand darauf, dass er seine Ausbildung abschloss.»

Hitzfeld, der ausgebildete Mathematik-Lehrer, tat Ricken mit seinem Ratschlag einen grossen Gefallen. Der Jung-Professional musste seine Karriere nach unzähligen Verletzungen mehrfach unter- und vor wenigen Tagen ganz abbrechen. (si)

Erstellt: 24.02.2009, 21:48 Uhr

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