Physik-Genie errechnet WM-Prognosen

Stephen Hawking sagt die Erfolgschancen der Engländer für die WM voraus.

Einen Monat lang entwickelte Hawking Fussballformeln. Foto: Keystone

Einen Monat lang entwickelte Hawking Fussballformeln. Foto: Keystone

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Bei der letzten Fussballweltmeisterschaft musste Paul der Oktopus das Orakel abgeben. Der nach Deutschland verfrachtete Krake aus Weymouth sagte den Ausgang von WM-Spielen treffend voraus. Diesmal bedient man sich auf der Insel einer wissenschaftlicheren Quelle für die Voraussage kommender Siege und Niederlagen. Statt eines achtarmigen Kraken soll ein menschliches Superhirn Aufschluss über Englands Chancen bei der WM in Brasilien geben.

Stephen Hawking, der welt­bekannte Kosmologe aus Cambridge, hat zu diesem Zweck eine 19-seitige Studie entwickelt, in der die rechten Formeln für ein erfolgreiches Abschneiden Englands in Brasilien zu finden sind. Auf Einladung des Wettbüros Paddy Power hat Hawking Englands 45 WM-Spiele seit dem Triumph von 1966 unter die Lupe genommen. Vor allem hat er alle 204 Elfmeterschüsse analysiert, deren für gewöhnlich katastrophale Resultate den Engländern so viel Kummer bereiten.

Nun ist nicht neu, dass die Inselnation es liebt, Wahrscheinlichkeiten des Lebens in Formeln zu fassen. Zum Beispiel, welcher Tag im Jahr für die meisten Insulaner der deprimierendste ist. Dass aber der eminenteste Mathematiker des Landes, ein Lehrstuhlerbe Isaac Newtons, sich einen Monat lang der Lösung des grössten Menschheitsrätsels nach dem der schwarzen Löcher widmen würde – das war nicht abzusehen.

Erklärt das Unerklärbare

Man hätte nie geglaubt, dass Hawking den Auftrag annehmen würde, gestand ein Sprecher des Wettbüros: «Für uns war die Wahrscheinlichkeit, dass er Ja ­sagen würde, 1 Prozent.»

Hawking selbst hatte offenbar seinen Spass an diesem Stück unkonventioneller Forschung. «Seit den Uranfängen der Zivilisation haben sich die Menschen ja nicht damit zufriedengeben wollen, Ereignisse als zusammenhanglos und unerklärbar zu betrachten», sagt der grosse englische Denker. «Sie wollten immer verstehen, welche Ordnung der Welt letztlich innewohnt. Mit dem Worldcup ist es ganz genau so.»

Also hat Hawking zwei Formeln geliefert. Eine für «Englands WM-Erfolg» und eine für «den perfekten Elfmeter». Umweltfaktoren und psychologische Umstände, Physiologisches und abgründig Taktisches sind in diese Formeln eingeflossen. Im Kern kommt die Studie zu dem Schluss, dass England am besten spielt in gemässigten Zonen und in Stadien, die weniger als 500 Meter über der Meeresoberfläche liegen.

Hitze gleich Niederlage

Schon eine Erhöhung der Temperatur um 5 Grad Celsius beeinträchtigt Englands Siegeschancen um 59 Prozent, hat Hawking errechnet. Davon abgesehen hat das Team mit einer 4-3-3-Aufstellung 58 Prozent seiner Spiele ­gewonnen, und mit 4-4-2 nur 48 Prozent. Die Chancen sind ausserdem besser, wenn man in roten statt in weissen Trikots antritt. Hilfreich ist auch, wenn Schiedsrichter irgendwo aus Europa kommen. England spielt gegen Nationen, denen es einmal den Krieg erklärt hat, grundsätzlich schlechter als gegen andere.

Zu anderen bemerkenswerten Befunden, auf die Hawking gestossen ist, gehört die Tatsache, dass es «irrelevant» ist, ob die Frauen und Freundinnen der Spieler vor Ort sind – «allen Prämissen der Boulevardpresse zum Trotz». Auch spielen weder Alter der Spieler eine Rolle noch ob sie mit dem rechten oder dem linken Fuss den Ball führen. Dagegen werden mehr Tore geschossen von Spielern, die blond oder glatzköpfig sind. «Der Grund ­dafür ist unklar», meint Stephen Hawking. «Dies wird wohl eines der grossen Geheimnisse der Wissenschaft bleiben.»

Hawking, der sein Honorar für diese Arbeit zwei Wohltätigkeitsverbänden gespendet hat, ist übrigens nicht allzu optimistisch, was die Aussichten Englands bei dieser WM angeht. Die besten Chancen räumt er, wiederum ­statistisch argumentierend, der Gastnation Brasilien ein. Vor allem beim Elfmeterschiessen der englischen Spieler hat Hawking faktisch begründete Zweifel: «Wie wir Wissenschafter es ausdrücken würden – England könnte nicht mal einen Kuharsch mit einem Banjo treffen.»

Wenn es zum Penalty kommt, sollten Elfmeterschützen wenigstens drei Schritte Anlauf nehmen, empfiehlt der Professor. Und sie sollten, um Himmels ­willen, «mal wirklich gut draufballern».

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 30.05.2014, 07:06 Uhr)

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