Deutschlands Rekordmeister FC Bayern München droht gegen den FC Basel das Out in der Champions League. Doch die Chefs gehen mit den Stars auf Schmusekurs.
1/6Die im Jahre 1977 verstorbene Trainer-Legende führte de deutsche Nationalmannschaft 1954 in Bern zum Weltmeistertitel. Bild: Keystone
In der Bundesliga verspielen die Bayern Punkt um Punkt. Schon bei der Generalprobe für das Spiel in Basel hatte sich das Team von Jupp Heynckes beim 0:0 gegen den Tabellenletzten Freiburg blamiert. Und jetzt setzte es die bittere 0:1-Niederlage im St.-Jakob-Park ab. Die Ratlosigkeit bei den Bayern wird immer grösser. Jetzt bemühen die Chefs sogar die Weisheiten des im Jahre 1977 verstorbenen Mannheimers Josef Sepp Herberger. Er ist jene Trainerlegende, die Deutschland 1954 in Bern im Endspiel gegen die hochfavorisierten Ungarn zum Weltmeistertitel geführt hatte. Das «ARD-Morgenmagazin» übertrug heute Teile der Ansprache, die Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge gestern nach dem Spiel beim anschliessenden Bankett vor versammelter Mannschaft hielt. Der ehemalige Servette-Stürmer appellierte an den Stolz und die Vernunft Spieler. Es bringe nichts, wenn man sich jetzt in gegenseitigen Schuldzuweisungen zerfleischen würde. «Wir müssen alle zusammenstehen. Wir müssen die Weisheiten von Sepp Herberger, ‹einer für alle, alle für einen›, wieder aus dem Hut zaubern.» Die Bayern-Chefs, die ansonsten in der Krise oft mit schonungsloser Kritik drohen, gehen mit den Stars auf Schmusekurs.
Den Bayern-Chefs ist offenbar nicht entgangen, dass vor allem die grossen Stars zurzeit aus dem Ruder laufen. Bei Franck Ribéry, Arjen Robben und Thomas Müller liegen die Nerven blank. Und nach dem Spiel solle es laut Informationen der «Bild» zu einem Krach in der Bayern-Kabine gekommen sein. «Sie können sich ja vorstellen, dass die Stimmung in der Kabine nicht gut war», bestätigte Captain Philipp Lahm im «ARD-Morgenmagazin». Im Spiel hatte Franck Ribéry bei seiner Auswechslung seinem Trainer Jupp Heynckes den Handschlag verweigert. Arjen Robben spielte so eigensinnig, dass seine Mitspieler teilweise die Hände verwarfen. Und der deutsche Internationale Thomas Müller ging nach seiner Einwechslung mit gestrecktem Bein auf Basels Keeper Yann Sommer los. Er war wohl auch noch frustriert, weil er erst in der 71. Minute für Ribéry eingewechselt wurde.
«Sind wir denn hier im Mädchenpensionat?»
Ein verweigerter Handschlag an den Trainer ist in der Branche verpönt und gilt als grosse Respektlosigkeit. Er zieht vielfach auch personelle oder finanzielle Konsequenzen nach sich. Doch auch Bayerns sonst streitbarer Präsident Uli Hoeness versucht es für einmal mit der sanften Tour und nimmt Ribéry in Schutz. Am Mikrofon des TV-Senders «Sky» wirkte Hoeness lange gefasst, gab trotz der offensichtlichen Verärgerung über die Niederlage geduldig Antworten. Als Reporter Peter Hardenacke Hoeness dann aber auf die Auswechslung von Franck Ribéry und den verweigerten Handschlag gegenüber Trainer Jupp Heynckes ansprach, platzte dem Präsident der Kragen. «Jedes Mal dieser Handschlag. Es ist doch egal. Wenn ich auf mich, aufs Spiel sauer bin, dann gebe ich halt mal keinen Handschlag. Sind wir denn hier im Mädchenpensionat? Die regen sich halt auch auf», sagte Hoeness. «Wir diskutieren nur über Handschlag und alle Nebensächlichkeiten, und nicht mehr über das Fussballspielen.»
Ex-Bayern-Coach und «Sky»-Experte Ottmar Hitzfeld sah das anders: «Das hat mich auch irritiert, schockiert. Heynckes geht extra raus. Von daher stimmt auch da einiges nicht. Wenn man ausgewechselt wird gegen einen deutschen Nationalspieler, dann klatscht man mit dem Trainer ab und alles ist gut.»