Rodriguez soll Milan zu alter Grösse verhelfen

Kein europäischer Club stand je höher als die AC Milan. Der Glanz dieser Zeiten ist aber seit langem verblasst.

Bald grätscht Ricardo Rodriguez für Milan.

Bald grätscht Ricardo Rodriguez für Milan. Bild: Keystone

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Die Auftritte auf der Piazza del Duomo gehörten zum guten Ton. Zwischen 1990 und 2007 ganz besonders, die Milan-Spieler erwiesen sich als Titelhamsterer und hatten mindestens jährlich etwas zu feiern, was sie immer auf dem mondänen Platz im Stadtzentrum zu tun pflegen. 4-mal gewannen sie die Champions League, dazu 2 Club-Weltmeisterschaften, 4 UEFA-Supercups, 6 Meistertitel, 1 Cup und 4 italienische Supercups. Milan war das Mass aller Dinge - in Italien und in Europa.

Angesichts dieser Dominanz rechnete niemand mit schlechteren Zeiten und so wurde die Warnung von Paolo Maldini nicht ernst genommen. Als der damals weltbeste Verteidiger am 23. Mai 2007 nach dem 2:1 gegen Liverpool im Olympiastadion von Athen den Pokal hochstemmte, flüsterte er Adriano Galliani zu: «Wir haben den Pokal, aber wir dürfen nicht den Fehler machen, zu glauben, dass wir nun die Grössten sind.»


Als Berlusconis Geldhahn versiegte

Genau das passierte aber, es wurde in den Jahren danach verpasst, eine «sanfte Verjüngung» des Teams vorzunehmen. 2011 folgte zwar noch der 18. und bisher letzte Meistertitel, ein Jahr später stürzte aber das Imperium der Herren Berlusconi und Galliani zusammen wie ein Kartenhaus. Massimiliano Allegri, der heutige Juve-Trainer, hatte den Titel verzockt und plötzlich stand das Team ohne jegliche Routiniers da. Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva mussten wegen der Schuldenlast verkauft werden, dazu verliess der «zoccolo duro», der harte Kern, praktisch geschlossen. Clarence Seedorf zog nach Brasilien, Gennaro Gattuso erweiterte seine Lebenserfahrung um das Kapitel Christian Constantin, Alessandro Nesta, Gianluca Zambrotta und Filippo Inzaghi beendeten ihre erfolgreichen Karrieren.

Mitverantwortlich für den Aderlass war natürlich die vorher ungekannte Geldknappheit. Silvio Berlusconi hatte in einem Wirtschaftsprozess gegen den ehemaligen Chef des Mondadori-Verlags verloren und musste 400 - 500 Millionen Euro bezahlen und sein Tochter Marina, operative Chefin bei Fininvest, entschied, es werde fortan keine roten Zahlen mehr geben.


Die neue Hoffnung aus China und von Inter

Mit der neuen Bescheidenheit verlor Milan die Kompetivität auf höchstem Niveau, es resultierten sogar ein 8. und ein 10. Platz. Nach Jahren der Vorbereitung eines Wechsels in chinesische Hände erfolgte vor drei Wochen die Vollzugsmeldung. Neuer Präsident des Clubs ist Li Yong-Hong, ein chinesischer Geschäftsmann, der allerdings nicht viel aus seinem Privatvermögen von geschätzten 700 Millionen Euro einschiessen wird. Das meiste Geld stammt aus einem amerikanischen Hedgefonds. Ins Tagesgeschäft dürfte sich Li Yong-Hong kaum einmischen, als Statthalter fungieren zwei Leute, die vorher beim Stadtrivalen Inter wirkten. Geschäftsführer Marco Fassone und Sportchef Massimiliano Mirabelli. Beide hatte bereits bei den «nerazzurri» ein Auge auf Rodriguez geworfen.

100 bis 150 Millionen, so wird erwartet, dürfte Milan im Sommer aufwerfen, die Stammformation wird wohl auf etwa der Hälfte der Positionen verändert. Den Kern des Teams werden fünf bisherige Spieler bilden. Das Goalie-Juwel Gianluigi Donnarumma, Abwehrchef Alessio Romagnoli, Rechtsverteidiger Ignazio Abate, Mittelfeldspieler Giacomo Bonaventura, der wegen einer Hüftverletzung die Rückrunde verpasste, sowie der spanische Stürmer Suso.

Neben Rodriguez wird der Innenverteidiger Mateo Musacchio kommen, der argentinische Captain von Villarreal. Dazu dürfte Mittelfeldspieler Franck Kessié verpflichtet werden, ein Teamkollege von Remo Freuler bei Atalanta Bergamo sowie ein Mittelstürmer als Ersatz für den ungenügenden Bacca. Das Ziel für die neue Saison ist klar: Ein Platz unter den Top 4 und damit die direkte Qualifikation für die Champions League.


Seit Maldini/Serginho nur noch Nieten

Rodriguez, der in Bestform zu den Top 3 weltweit auf dieser Position zählt, hat gute Karten, sich in die Herzen der Milan-Familie zu spielen. Seit den Zeiten von Italiens Ikone Maldini und Serginho geniesst die Linksverteidiger-Position höchstes Ansehen, in den letzten Jahren wurde sie aber mehrheitlich von Nieten besetzt. Auf Luca Antonini folgte Taiwo, der heute bei Lausanne spielt und mit Kevin Constant (Sion) ein zweiter Spieler, der heute in der Super League kickt, zuletzt stand auch Mattia De Sciglio in der Kritik. Er wurde immer wieder ausgepfiffen, seine Leistungen divergierten krass mit denjenigen im Nationalteam. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.05.2017, 17:49 Uhr

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