Satt geworden, ohne Herz und Charakter
Von Peter Bühler. Aktualisiert am 26.04.2010 9 Kommentare
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Nach dem 1:4 gegen den FC Luzern blieb dem neuen FCZ-Trainer Urs Fischer nur die Flucht in den Galgenhumor. Er bemerkte, dass sein Einstand als Spieler in der Nationalliga A noch schlimmer gewesen sei. 1984 gingen die Zürcher mit Interimstrainer Köbi Kuhn und Debütant Fischer in Sitten 1:6 unter. Mit Kritik an der Mannschaft hielt sich Fischer gleichwohl nicht zurück. Es habe beim FCZ an allem gefehlt, an Mut, Leidenschaft, Herz, Kampfgeist. Und das sei eigentlich noch enttäuschender als das Resultat an sich.
Es war in der Tat erschreckend, wie sich der FCZ, der sich ja immer noch Chancen auf die Qualifikation für die Europa League ausrechnete, im Stadion Gersag in Emmenbrücke vorführen liess. Es war bedenklich, wie wenig sich die Mannschaft gegen die Niederlage stemmte, wie sich die Spieler gehen liessen, alle, ohne Ausnahme, vom schwachen Rechtsverteidiger Koch bis zur schwachen Sturmspitze Alphonse. Es war sogar charakterlos, wie sie ihren neuen Trainer im Stich liessen. Der Kämpfer und frühere Captain Fischer, der, von einem Abstecher nach St. Gallen abgesehen, immer für den Zürcher Stadtklub spielte und arbeitete, hätte in seiner ersten Partie an der Seitenlinie Besseres verdient, vorab mehr Respekt seitens der eigenen Spieler.
Spieler haben nichts begriffen
Die gleichen Fussballer sorgten im Herbst nach einem 1:0 bei der AC Milan in der Champions League europaweit für Schlagzeilen, sie verdienten in der Königsklasse dank hoher Prämien viel Geld. Es ist ihnen nicht gut bekommen. Sie sind selbstzufrieden und satt geworden. Nur so lässt sich der Auftritt gegen Luzern erklären - eine Woche nach dem 0:1 im Letzigrund gegen Aarau und fünf Tage nach der Entlassung jenes Trainers, der sie vor elf Monaten zum Titel und danach in die Champions League führte. Die Spieler haben das klare Zeichen, das die Klubleitung um Präsident Ancillo Canepa und Sportchef Fredy Bickel mit der Ablösung von Challandes setzen wollte, nicht verstanden. Sie können die Teilnahme am internationalen Fussball für ein Jahr vergessen.
Der FCZ benötigt dringend frisches Blut. Er braucht Typen in der Mannschaft, Kämpfer, Renner, Rackerer. Momentan hat er nur Schönspieler, die Mischung stimmt nicht mehr. Nur: Der Meister kann sein Kader gar nicht grundlegend bereinigen, weil die Vereinsleitung in der Euphorie um die Qualifikation für die Champions League mehrere Spielerverträge ohne Not verlängerte. Einzig die Kontrakte von Aegerter und Vonlanthen laufen diesen Sommer aus. Es ist höchst wahrscheinlich, dass sich der FCZ von beiden trennt. Es ist anzunehmen, dass Tihinen seine Karriere beendet. Und es steht fest, dass der Klub einen torgefährlichen Stürmer verpflichten will.
Fischer, Fringer, Koller
Bleibt die Trainerfrage. Fischer ist selbst nach dem Debakel gegen Luzern ein ernsthafter Kandidat. Allerdings fällt er aus den Traktanden, wenn die Mannschaft auch in den letzten vier Partien bis zum Saisonende derart desolat auftritt. In diesem Fall wären Rolf Fringer und Marcel Koller die Kronfavoriten. Canepa und Bickel wollen eine Schweizer Lösung. Fringer hat in Luzern noch einen Vertrag, aber immer wieder Differenzen mit seinem Präsidenten Stierli, Koller einen Canepa nicht genehmen Agenten und keinen Support beim harten Kern der Fans. Doch das sind eigentlich Bagatellen, auf welche die ebenfalls in die Kritik geratenen Canepa und Bickel keine Rücksicht nehmen dürfen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.04.2010, 10:00 Uhr
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9 Kommentare
Die FCZ Clubführung erhält jetzt die Quittung für die falsche Personalpolitik in der Vergangenheit , die Abgänge von überdurchschnittlichen Leistungsträgern wurden -wenn überhaupt- nur durch Mittelmass ergänzt! YB, GC, Basel sind nicht nur im spielerischen Bereich besser, sie verfügen auch auf Managementebene über klare Vorteile. Eine strategische Neuausrichtung ist ZWINGEND von Nöten!! Antworten
Das 1:0 gegen Milan war der Trugschluss der Saison und war nur möglich weil Milan alle 10 Jahre dermassen desolat auftritt. Im Gegensatz zum FCZ, dem alle 10 Jahre so ein Resultat gelingt. Ich bin froh, dass sich diese Mannschaft nie und nimmer für die Euroliga qualifiziert denn es reicht, dass man sich in der Schweiz schämen muss. Eigentlich sollte man sie am 1.Mai Umzug vorführen lassen. Antworten

