Sepp Blatter ist am Fifa-Kongress in Zürich nicht erwünscht

«Die Regeln gelten für alle», sagt Scheich Salman Al Khalifa, der für die Nachfolge des Wallisers kandidiert.

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Sepp Blatter wird nicht dabei sein, wenn die Fifa am 26. Februar in Zürich einen neuen Präsidenten wählt. Scheich Salman Al Khalifa, Vizepräsident und Kandidat für die Nachfolge des Wallisers, sagt im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet, Blatter könne am ausserordentlichen Kongress nicht auftreten: «Ich halte mich an die Fifa-Regeln. Wenn diese besagen, dass gesperrte Offizielle nicht teilnehmen können – dann ist das nun mal so. Die Regeln gelten für alle.»

Laut einer Fifa-Quelle würde Blatter wegen seiner Sperre keine Akkreditierung erhalten. Er könnte deshalb das Hallenstadion, wo die Versammlung stattfindet, gar nicht betreten. Offiziell will der Weltverband zum Fall nichts sagen.

In den letzten Tagen kursierte in verschiedenen Medien die These, dass Blatter offiziell noch gar nicht zurückgetreten sei. Vorab deutsche Juristen argumentierten, eine «wirksame und schriftliche Rücktrittserklärung» sei noch nicht erfolgt. Blatter selbst hoffte laut «Schweiz am Sonntag», sich am Fifa-Kongress «würdig zu verabschieden» und sein Amt offiziell seinem Nachfolger zu übergeben.

Schweizer Rechtsprofessoren widersprechen nun den Analysen aus Deutschland. Zentral ist ein öffentlicher Brief, den Blatter am 5. Juni 2015 allen 209 Landesverbänden geschickt hatte. «Ich habe mein Amt zur Verfügung gestellt, (. . .)», heisst es da. Und: «bei einem ausserordentlichen Kongress soll (. . .) ein neuer Präsident gewählt werden».

«Diese Formulierungen sind übliche und eindeutige Rücktrittserklärungen», sagt der Zürcher Vereins- und Stiftungsrechtler Hans Michael Riemer. «Hätte Herr Blatter das nicht so gemeint, so hätte er der allseitigen gegenteiligen Meinung ganz rasch öffentlich widersprechen müssen.» Dann hätte man allenfalls über ein Missverständnis diskutieren können, so der Professor. Er glaube aber nicht, dass eine solche Diskussion zu ­einer Verneinung des Rücktritts geführt hätte. Unter allen Umständen gehe es nicht an, Monate später die eigene Rücktrittserklärung infrage zu stellen.

Blatter seien mit Sicherheit die zahlreichen Kandidaturen für seine Nachfolge nicht entgangen – und ebenso ­wenig die öffentlichen Diskussionen. Riemer: «Unter diesen Umständen ist es rechtsmissbräuchlich, einfach zu schweigen und dann kurz vor der Wahl des Nachfolgers seinen Rücktritt infrage zu stellen.» Ein weiterer von Tagesanzeiger.ch/Newsnet angefragter Schweizer Vereinsrechtler teilt Riemers Einschätzung.

Eine Chance hat Blatter noch: Am 16. Februar wird die Fifa-Berufungskommission über seine achtjährige Sperre beraten. Sollte diese aufgehoben werden, kann er sich wieder akkreditieren lassen. Der suspendierte Präsident selbst antwortete gestern nicht auf Fragen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 12.02.2016, 22:09 Uhr)

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