«Sind Sie der neue Constantin?»
Von Peter Bühler. Aktualisiert am 14.12.2010 24 Kommentare
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Ancillo Canepa, am Samstag nach dem Spiel gegen Luzern machten Sie einen ruhigen und gefassten Eindruck. Weshalb haben Sie sich am Tag danach derart kritisch über die Spielleitung geäussert?
Ich war nach dem Spiel im Gersag überhaupt nicht ruhig. Vielmehr habe ich nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Bieri das Stadion fluchtartig verlassen. Ich hatte Bedenken, dass ich sonst gegenüber Schieds- und Linienrichter unflätig geworden wäre.
Muss man einem Linienrichter nicht auch einmal einen Fehlentscheid zugestehen?
Ich habe bis anhin die Schieds- und die Linienrichter immer in Schutz genommen. Ich weiss, wie schwer ihr Job ist. Wenn ein Entscheid sehr knapp ist, wenn es bei Abseitspositionen um Zentimeter geht, dann bin ich der Letzte, der reklamiert. Aber: Beim Offside vor dem Luzerner Ausgleich zum 1:1 stand Torschütze Puljic nicht ein paar Zentimeter im Abseits, sondern ein paar Meter. Und mit ihm befanden sich drei weitere Luzerner Spieler in einer Offside-Position. Eindeutiger kann doch ein Abseits gar nicht sein.
Ist Ihr Ärger mittlerweile verflogen?
Nein. Was im Gersag geschehen ist, war die schiere Inkompetenz oder Böswilligkeit vom Schieds- und Linienrichter. Stellen Sie sich vor, dieser unglaubliche Fehlentscheid wäre in einer «Finalissima» der Super League oder in einem Cupfinal geschehen. Dann hätte das benachteiligte Team nicht einmal mehr die Möglichkeit, den Fehler der Spielleiter in den nächsten Partien vielleicht aus eigener Kraft wiedergutzumachen.
Es war am Samstag nicht die letzte Meisterschaftsrunde. Und vom schlimmsten Fehlpfiff der letzten 30 Jahre im Schweizer Fussball, wie Sie in einem Interview mit der «Sportinformation» behauptet haben, kann man nicht sprechen.
Weshalb nicht? Diese Abseitsposition war derart eklatant! Ich kann mich beim besten Willen an keinen gröberen Fehlentscheid erinnern.
Der FCZ hat diese Saison auch schon von Schiedsrichter-Entscheiden profitiert.
Das stimmt schon. Aber auch wir waren in dieser Saison schon öfter Opfer von Fehlentscheidungen. Solche Sachen gehören zum Fussball. Was aber am Samstag geschehen ist, sprengt den Rahmen bei weitem.
Aber darf man dem Linienrichter Böswilligkeit vorwerfen?
Ich habe gesagt: Entweder war es Inkompetenz oder Böswilligkeit. Das war eine erste sachliche Beurteilung. Und daran halte ich fest.
Und darf man von Betrug am Trainer, an der Mannschaft und am Verein sprechen, wie Sie das getan haben?
Wir arbeiten seit fünf Monaten intensiv, um Erfolg zu haben. Und dann wird man durch einen derart dilettantischen Fehlentscheid bestraft. Wir haben deswegen ja auch den Wintermeistertitel verpasst. Das ist doch zum Wahnsinnigwerden!
Müssten Sie als Präsident nicht eine Vorbildfunktion haben?
Vorbildfunktion hin oder her: Das war ein unglaublicher Fehler! Ich habe mich im Gersag wie damals in der Champions League in Marseille gefühlt. Auch da wurden wir durch groteske Offside-Entscheidungen benachteiligt.
Sie poltern ja fast wie Christian Constantin (Präsident und Schiedsrichterschreck des FC Sion). Sind Sie der neue Constantin?
(Lacht.) Nein, natürlich nicht. Aber dieser Fall ist nun wirklich gravierend: Diese Abseitsposition hätte jeder Schiedsrichter aus der 5. Liga gesehen.
Ist es nicht blosse Taktik von Ihnen, jetzt einen riesigen Klamauk zu veranstalten, damit der FCZ künftig nicht mehr benachteiligt wird?
Mein Verhalten hat nichts mit Taktik zu tun, sondern mit meinem Temperament und meinem Adrenalinspiegel. Auf Ungerechtigkeit und Inkompetenz reagiere ich äusserst sensibel. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.12.2010, 08:38 Uhr
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24 Kommentare
Möglicherweise waren SR und SR-Assistent der Meinung,dass der Ball von einem Zürcher Verteidiger per Kopf verlängert wurde - dann war es weder Böswilligkeit noch Inkompetenz, sondern ein (fataler) Fehlentscheid. Herr Canepa sollte sich bei seiner Wortwahl der Verantwortung als Präsident des FCZ bewusst sein. Antworten

