«Verband hat Vertrag mit Hitzfeld nur auf Druck der Credit Suisse verlängert»
Von Thomas Niggl, Oliver Thommen. Aktualisiert am 16.11.2011 89 Kommentare
«Wenn sich schon Hüppi über die Nati ärgert, sagt das eigentlich alles»: Roger Wehrli.
(Bild: Keystone )
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Nach dem glücklichen 0:0 in Amsterdam am Freitag gegen Vizeweltmeister Holland mussten die Schweizer beim 1:0 in Luxemburg am Dienstag noch um den Sieg zittern. Und das notabende gegen einen Gegner, der in der Fifa-Weltrangliste sage und schreibe 100 Plätze hinter der Schweiz liegt. Matthias Hüppi, sonst eher zurückhaltender Experte beim Schweizer Fernsehen, dokumentierte für einmal seine grosse Unzufriedenheit. Als er merkte, dass er Alain Sutter bei der Analyse über den Match in Luxemburg nicht aus der Reserve locken konnte, zog er sein eigenes Fazit. «Unter dem Strich – so geht es ja nicht», sagte Hüppi.
«Mit dieser Feststellung hat Matthias Hüppi natürlich absolut recht gehabt», sagt Roger Wehrli, der für die Schweiz 68 Länderspiele absolviert hat. Hüppi sei ansonsten in seinen Analysen eher vorsichtig und eher positiv wie ein Fan gestimmt. «Wenn sich schon Hüppi über die Nati ärgert, sagt das eigentlich alles», sagt Wehrli. «Die Entwicklung der Schweiz unter Hitzfeld macht auch mir grosse Angst und Sorgen», fährt Wehrli fort. Mit Hitzfeld könne man die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien gleich vergessen. «Man hat mit Hitzfeld ohne Not den Vertrag noch vor Ablauf der EM-Qualifikation verlängert. Und das war ein grosser Fehler», sagt der ehemalige Trainer von Aarau und Luzern. Hitzfeld sei als Nationaltrainer bisher eigentlich fast alles schuldig geblieben.
«Die Mannschaft hat keinen Plan»
«Aber das wundert mich nicht. Hitzfeld mag ein hervorragender Vereinstrainer gewesen sein», sagt Wehrli. Doch er habe in seinen Klubs stets fertige Spieler zur Verfügung gehabt. «Er konnte auf jeder Position gleich doppelt oder dreifach auf Alternativen und erfahrene Spieler zurückgreifen», sagt Wehrli. Das sei in Dortmund und bei den Bayern der Fall gewesen. «Er kann offensichtlich nicht mit den jungen Spielern arbeiten und sie weiterentwickeln.» Wehrli ist auch heute noch ein Kenner der Szene. «Ich weiss aus gut informierter Quelle, dass der Verband den Vertrag mit Hitzfeld gar nicht verlängern wollte. Dieser hat offenbar nur auf Druck von Hauptsponsor Credit Suisse gehandelt», behauptet Wehrli. Hitzfeld sei offenbar der beste und attraktivste Werbeträger für die Credit Suisse. Die Credit Suisse weist auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet solche Vorwürfe kategorisch zurück. «Als Sponsor nehmen wir keinen Einfluss auf Personalentscheide des Verbandes», sagte eine Mediensprecherin.
Auch der ehemalige Captain der Nationalmannschaft Jörg Stiel macht sich Sorgen um die Schweiz. «Sie hat zwei Gesichter», sagt der Moderator des Fussballtalks «Kick-it» beim Schweizer Sportfernsehen (SSF). Wenn das Team von Ottmar Hitzfeld gegen einen Grossen wie Holland vorwiegend reagieren müsse, sehe das zwar nicht schlecht aus. «Doch wenn die Mannschaft agieren und das Spiel machen muss wie gegen Luxemburg, dann passiert einfach nichts», bedauert Stiel. Die Mannschaft habe keinen Plan. Und das sei enttäuschend. «Wir müssen uns gewaltig steigern, wenn wir uns für die WM in Brasilien qualifizieren wollen.»
«Bei Hitzfeld hat man das Leistungsprinzip ausgeschaltet»
Georges Bregy hat für die Schweiz 54 Länderspieler absolviert und dabei 12 Tore erzielt. «In dieser Schweizer Mannschaft stimmt die Harmonie überhaupt nicht», sagt der Walliser. Das Team sei nicht eingespielt und habe keine Handschrift. Es mangle an Automatismen. «Zudem ärgert mich auch, dass Hitzfeld das Spiel in Luxemburg auch noch schöngeredet hat», sagt Bregy. Hitzfeld habe eine gute erste halbe Stunde gesehen und nur die Chancenauswertung bemängelt. Auch Bregy ist wie viele der Meinung, dass man den Vertrag mit Hitzfeld nicht vor Ablauf der EM-Qualifikation partout hätte verlängern müssen. «Man hat in diesem Fall das Leistungsprinzip ausgeschaltet», bedauert er.
«Die Spieler wissen nicht, was sie anrichten»
Der ehemalige Spitzenfussballer Urs Schönenberger sagt, dass die Entwicklung der Schweizer Mannschaft gleich null sei. «Das Spiel wurde live in die Schweiz übertragen. Die Spieler wissen offenbar gar nicht, was sie anrichten, wenn sie ein so schlechtes Spiel abliefern», sagt Schönenberger. Die Schweiz habe eine grosse Chance verpasst, gegen einen kleineren Gegner wie Luxemburg ein überzeugendes Spiel abzuliefern. «Ich hätte schon erwartet, dass man in Luxemburg das Spiel in die Hand nimmt und Dominanz ausübt», sagt Schönenberger. Er unterstützt auch Matthias Hüppi. «Hüppi ist doch irgendwie auch ein Fan der Schweiz. Das spürt man», sagt Schönenberger. Und wenn sich schon Hüppi über die Leistung aufrege, müsste das allen zu denken geben. «Wenn sich die Schweiz für die WM in Brasilien qualifizieren will, muss sie sich gewaltig steigern», sagt Schönenberger. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.11.2011, 12:01 Uhr
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89 Kommentare
Eigentlich sollten es nun alle bemerkt haben. Mit Hitzfeld kommt dieses Team nicht weiter. Da besteht keine Leidenschaft, kein erkennbares Konzept, totale Hilflosigkeit. Wenn man die Spieler jeweils in den Klubs oder andern Auswahlmannschaften (U21) sieht, wirken sie dort viel besser und entschlossener. In der Nati jedoch ein Hemmnis am anderen. Es gilt nun zur rechten Zeit die Notbremse zu ziehen Antworten


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