Von 400 Leuten während sechs Stunden beschimpft
Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 29.07.2010
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Nach 44 Jahren hatte sich Nordkorea wieder für eine WM qualifiziert. 1966 hatten sich die Asiaten mit einem Unentschieden gegen Chile und einem überraschenden 1:0-Sieg gegen Italien in die Viertelfinals gespielt, wo sie aber Portugal nach einer 3:0-Führung 3:5 unterlagen. Letzteres wurde im kommunistischen Staat als Schmach empfunden, die Bürger des Landes erst mit viel Verzögerung über die Ereignisse informiert.
Viel hat sich seither nicht verändert. Zwar gab es erstmals Liveübertragungen der WM-Spiele, doch die Schmach war de facto noch grösser als vor 44 Jahren. Nach einem ansprechenden Auftakt mit der 1:2-Niederlage gegen Brasilien verlor Nordkorea gegen Portugal 0:7 – das höchste Resultat an einer WM seit 2002 – und gegen die Elfenbeinküste 0:3. Null Punkte. Während die Nordkoreaner die schlechteste Vorrunden-Bilanz aller WM-Teams hatten – nur Kamerun schloss ebenfalls punktelos ab –, stiess Erzrivale Südkorea in den Achtelfinal vor.
Wurde Trainer in Arbeitslager geschickt?
Dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-il missfiel der Auftritt der Landesauswahl, so dass er sie in den Volkspalast in der Hauptstadt Pyongyang zitierte. Dort wurden die Mannschaft und ihr Trainer Kim Jong-hun hinter verschlossenen Türen beschimpft. Von Sportminister Pak Myong-chol und 400 weiteren Regierungsmitgliedern, Sportlern und anderen Personen. Zum Schluss soll die Mannschaft aufgefordert worden sein, ihrerseits den Trainer zu beschimpfen, berichtet Radio Free Asia. Die Erniedrigung soll rund sechs Stunden gedauert haben.
Passiert ist das schon am 2. Juli, doch erst jetzt – rund einen Monat später – drangen Berichte und Gerüchte nach aussen. Die Radiostation habe die Informationen von zwei anonymen nordkoreanischen Quellen, die von einem chinesischen Geschäftsmann bestätigt worden seien. Angeblich wurde, so schreibt die südkoreanische Zeitung «Chosun Ilbo», Kim Jong-hun nun gar aus der Partei ausgeschlossen und in ein Arbeitslager geschickt.
Leicht anders tönt die offizielle Version aus Nordkorea. Die Regierung mochte das Krisentreffen nicht kommentieren. Vielmehr sei die Mannschaft mit einem warmen Willkommen begrüsst worden, als sie aus Südafrika zurückgekehrt sei. «Wir haben viel gelernt mit der WM-Teilnahme. Wir konnten neue Erfahrungen sammeln und wir fanden Antworten, wie wir unseren Fussball verbessern können», erklärte Pak Du-ik, der 1966 bei Nordkoreas erster WM-Teilnahme das 1:0 gegen Italien geschossen hatte. Auch damals hatte es Gerüchte gegeben, dass nach Ausscheiden im Viertelfinal einige Spieler als Strafe in einer Kohlegrube hätten arbeiten müssen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.07.2010, 14:54 Uhr

