Wales – der Drache ohne Feuer
Von Peter M. Birrer, Thomas Schifferle. Aktualisiert am 06.10.2011 1 Kommentar
EM Qualifikation Grp. G
10. Runde
| 11.10. | Bulgarien - Wales | 0 : 1 |
| 11.10. | Schweiz - Montenegro | 2 : 0 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | England | 8 | 5 | 3 | 0 | 17:5 | 18 |
| 2. | Montenegro | 8 | 3 | 3 | 2 | 7:7 | 12 |
| 3. | Schweiz | 8 | 3 | 2 | 3 | 12:10 | 11 |
| 4. | Wales | 8 | 3 | 0 | 5 | 6:10 | 9 |
| 5. | Bulgarien | 8 | 1 | 2 | 5 | 3:13 | 5 |
Auf jeden Fall Montenegro schlagen
Im günstigsten Fall kann den Schweizern bereits ein Sieg reichen, um Montenegro noch von Platz 2 zu verdrängen – aber im schlechtesten Fall könnten auch zwei Siege nicht genügen. Damit sie am 11. und 15. November die Barragespiele bestreiten können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein.
1. Sie dürfen im nächsten Match in Wales nicht weniger Punkte gewinnen als Montenegro gleichzeitig gegen England.
2. Sie müssen zum Abschluss Montenegro in jedem Fall besiegen.
Falls die Schweiz morgen Freitag mehr Punkte holt als Montenegro, reicht in der Direktbegegnung vom Dienstag jeder Sieg – sonst könnte es noch zum grossen Rechnen kommen.
Bei Punktgleichheit zählen zuerst die Direktbegegnungen. Deshalb muss die Schweiz gegen Montenegro gewinnen, um das 0:1 vom Hinspiel zu egalisieren.
Schlägt die Schweiz Montenegro 1:0 , zählt erst die Tordifferenz aus allen Spielen, bei Gleichheit die Zahl erzielter Tore und sonst die Zahl erzielter Auswärtstore. Im Moment steht die Schweiz (10:8) besser da als Montenegro (5:3).
Gewinnt die Schweiz 2:1, 3:2 usw. , entscheiden die Auswärtstore aus den Direktbegegnungen. Diese EuropacupRegel spricht für Montenegro.
Gewinnt die Schweiz 2:0 (oder mit mindestens zwei Toren Unterschied), hat sie die bessere Tordifferenz aus den Direktduellen und ist in der Barrage.
Bei Punktgleichheit entscheiden:
1. Die Punkte aus den Direktbegegnungen.
2. Die Tordifferenz aus den Direktbegegnungen.
3. Geschossene Tore aus den Direktbegegnungen.
4. Die Auswärtstore aus den Direktbegegnungen.
5. Die Tordifferenz aus allen Spielen.
6. Die geschossenen Tore aus allen Spielen.
7. Die Auswärtstore aus allen Spielen.
Dossiers
Artikel zum Thema
- Dzemaili fällt für EM-Qualifikation aus
- Plant Hitzfeld mit Klose in der Abwehr?
- Hitzfeld holt U-17-Weltmeister Rodriguez
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Das Ereignis der Woche findet für die Waliser statt, wenn der Freitagabend vorüber ist. Sie fiebern dem frühen Samstag entgegen, wenn am anderen Ende der Welt ihre Rugby-Helden an der WM in Neuseeland ihren Viertelfinal bestreiten, ausgerechnet gegen Irland.
Ein paar Stunden zuvor wird Fussball gespielt. Die Nationalmannschaft empfängt in Swansea die Schweiz, und es ist wie immer in einer Qualifikation: Die Waliser werden sie erfolglos beenden. Ehrenmeldungen sind alles, was ihnen jeweils als Andenken bleibt. Ihr Wappen füllt ein dominanter roter Drache aus. Im Fussball ist es einer ohne Feuer.Der Fussball hat in Wales seinen Stellenwert, aber von vernachlässigbarem Interesse ist die heimische Liga, die nicht wegen eines Länderspiels unterbrochen wird.
Der Stil der Leidenschaft
Am Wochenende kicken sie weiter in ihrer Meisterschaft, die von den New Saints angeführt wird vor Neath Athletic. Der Llanelli FC ist dabei wie Aberystwyth oder Harverfordwest County, gepflegt wird der Stil der Leidenschaft. Aber das ist auch schon alles. Der Fussball in Wales steht tief im Schatten von England, auch von Schottland und Irland. Zwei Vereine haben sich aus dem Betrieb ausgeklinkt: Cardiff ist im englischen Championship vertreten; mit Swansea spielt erstmals überhaupt ein walisischer Klub in der Premier League.
Rush, Giggs und Speed
Wer fussballerisch genug Talent mitbringt, zieht es bevorzugt in die englischen Profiligen. Hervorgebracht hat Wales immer wieder herausragende Individualisten. Ian Rush war der famose Stürmer zu Glanzzeiten des FC Liverpool. Neville Southall verdiente sich Kultstatus mit 750 Meisterschaftsspielen für Everton und der Rekordzahl von 92 Länderspielen, nach ihm ist sogar ein Theaterstück benannt («Neville Southall Kulturbeutel»). Mark Hughes stürmte für Manchester United und Chelsea, Dean Saunders unter anderem für Liverpool.
Und es gab einen, der alle überragt: Ryan Giggs. Ende November wird er 38, seit 1987 steht er für Manchester United, gehört zu den Weltbesten, hat aber in seiner schillernden Karriere nie eine WM oder EM bestritten. Wales ist bis heute nur ein einziges Mal an einem grossen Turnier dabei gewesen: bei der WM 1958 in Schweden, als es im Viertelfinal dem nachmaligen Weltmeister Brasilien 0:1 unterlag.
Seit dem 14. Dezember 2010 ist Gary Speed der Nationalcoach, der versucht, mit den roten Drachen Sporthistorisches zu schaffen. Auch er war ein grosser Spieler, war ein Vorzeigeprofi, frei von Skandalen, er war ein fleissiger Arbeiter, dem die Energie nie auszugehen schien. Bis zum Ende der Karriere brachte er es auf 831 Pflichtspiele in England. Als Trainer hat er einen rasanten Aufstieg hingelegt. 18 Mal coachte er Sheffield United, dann rief schon Wales.
Die Ära Speed
Speed brachte die nötige Euphorie für dieses Amt mit: «Als Nationaltrainer bin ich verpflichtet, unser Spiel auf allen Stufen zu verbessern. Ich bin stolzer Waliser und glaube daran, dass fantastische Junge nachkommen.» Gareth Bale ist ein Beispiel dafür, der 22-Jährige von Tottenham, unheimlich schnell, dynamisch und trickreich. Oder der Coach denkt an Aaron Ramsey von Arsenal, erst 20, aber bereits zum Captain befördert.
Die Ära Speed begann unglücklich mit Niederlagen gegen Irland (0:3), England (0:2) und Schottland (1:3). Inzwischen hat der Coach sieben Partien hinter sich, und ein Ereignis ragt geradezu heraus: das 2:1 gegen Montenegro in der EM-Qualifikation, der erste Sieg in der Ausscheidung, mit dem nebenbei auch Schützenhilfe für die Schweizer im Kampf um den Barrageplatz geleistet wurde. Für Zlatko Kranjcar war es damals die Derniere als Chef der Montenegriner. Er scheiterte gegen ein Wales, das für ihn vor allem von der Offensive lebt: «Ramsey organisiert das Mittelfeld, Bale und Bellamy können mit ihrem Durchsetzungsvermögen den Unterschied ausmachen.»
Die anfällige Defensive
Der wunde Punkt liegt in der Defensive. «Sehr anfällig», sagt Kranjcar; «nicht gerade top», nennt das Elsad Zverotic, der montenegrinische Profi von YB, «wir ärgern uns immer noch über diese unnötige Niederlage». Kranjcar geht davon aus, dass die Schweizer diesen Vorteil ausnützen: «Mit einer Leistung wie in der zweiten Halbzeit gegen Bulgarien werden sie ganz sicher siegen.» Zverotic denkt: «Die Schweizer haben mehr Qualität, sie werden sich die Chance nicht entgehen lassen.»
Der vorletzten Aufgabe näherten sich die Schweizer gestern nach einem Training am Morgen in Rapperswil an. Sie flogen am späten Nachmittag nach Cardiff, fuhren weiter durch den Regen nach Swansea und demonstrierten ihre Zuversicht, nach schweren Startschwierigkeiten die letzten Korrekturen in der Kampagne anzubringen, also: sich auf Platz 2 vorzuschieben und sich für die Barrage im November zu qualifizieren.Die Waliser braucht das nicht weiter zu kümmern. Sie können sich seit langem auf die nächste Qualifikation einstellen: Richtung Brasilien 2014 stellen sich ihnen Kroatien, Serbien, Belgien, Schottland und Mazedonien in den Weg.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.10.2011, 11:02 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:


Bitte warten
