Wann darf Hakan Yakin spielen?
Von Peter M. Birrer, Luzern. Aktualisiert am 26.06.2009 13 Kommentare
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Die letzte Stunde des Allmend-Stadions hat eigentlich geschlagen, aber bevor die Bagger auffahren und an gleicher Stelle ein moderner Komplex hochgezogen wird, dient der stickige Container neben der verlotterten Haupttribüne noch einem letzten Spektakel. Der FC Luzern hat auf 15 Uhr eingeladen, um einen Transfer vorzustellen. Der Auflauf ist gross, grösser als bei jedem der vielen Trainerwechsel, die der Klub erlebt hat: Hakan Yakin hat sich angekündigt, und ihm wird ein bemerkenswerter Bahnhof bereitet. Er sitzt in einem schicken Anzug vor einer Traube von Mikrofonen, neben sich hat er Rolf Fringer, den Trainer. Yakin hat einen Zweijahresvertrag mit Option unterzeichnet. Er betont seine Freude und erhält dann das Trikot mit seiner geliebten Nummer 10 - «die haben grosse Persönlichkeiten getragen». Fringer sagt: «Ich bin glücklich. Aber mit diesem Transfer sind wir nicht gleich besser als Real Madrid.»
Al Gharafa wusste von nichts
Yakin ist zurück von einem Abenteuer, das ihn 2008 in die Wüste von Qatar zu Al Gharafa geführt hat. Er verliess damals die Young Boys, um zwei Jahre auf einer unbeachteten Bühne fernab der Heimat zu kicken und dafür fürstlich zu verdienen. Zwei Millionen Franken sollen die Scheichs dem Schweizer mit dem feinen linken Fuss versprochen haben.
Die ersten sechs Monate war alles in Ordnung, aber im Winter begannen wieder die Transferspielchen. Yakin wurde von irgendwelchen Beratern irgendwelchen Vereinen angeboten. Die Klubbesitzer von Al Gharafa reagierten beleidigt und gaben das Yakin zu spüren. Der Schweizer bestritt Ende Januar seine letzte Partie, danach wurde er aufs Abstellgleis geschoben.
Vertraglich wäre Yakin im Grunde verpflichtet, nach Doha zurückzukehren. Allerdings hat er das Arbeitsverhältnis nun gekündigt. Sein Argument: In den letzten drei Monaten habe er keinen Lohn erhalten. Er unterschrieb in Luzern ohne das Wissen seines alten Klubs. Thomas Schönberger, CEO des FC Luzern, liefert als Erklärung das: «Gestützt auf Artikel 14 des Fifa-Reglements ist ein Spieler berechtigt, den Vertrag zu kündigen, wenn er drei Monate kein Salär erhält.» Den Luzernern liegen die entsprechenden Dokumente von Yakins Anwalt vor. In Schönbergers Worten: «In diesem Schreiben steht auch, dass Yakin Al Gharafa seine Dienste anbot. Wir sind abgesichert und haben auch geprüft, dass der Spieler sich in einem vertragslosen Zustand befand. Das bedeutet, dass wir keine Ablösesumme bezahlen müssen.» Ausserdem sei eine Fremdfinanzierung nicht nötig. Für Yakins Salär soll im Budget von 10,5 Millionen Platz sein.
Ein längerer Akt der Bürokratie
Nun steht aber ein längerer Akt der Bürokratie bevor: Luzern muss das Lizenzgesuch der Swiss Football League (SFL) stellen. Die SFL leitet es an den Schweizerischen Fussballverband (SFV) weiter, ehe via den qatarischen Verband schliesslich Al Gharafa um die Zustimmung gebeten wird. Fehlt am Ende der Kette eine Zustimmung, wird Yakin ein Fall für die Fifa. Schönberger sagt dazu: «Möglicherweise wird es eine zeitliche Verzögerung geben.»
Yakin kümmert das vorerst nicht. Bei seiner Präsentation geizt er nicht mit netten Worten. Luzern sei eine Herzensangelegenheit, das Publikum sei ein Ansporn, und er wolle nach einem nicht einfachen halben Jahr einen Neustart lancieren. Dass seine neue Heimat in den nächsten 18 Monaten das Provinzstadion Gersag im Vorort Emmenbrücke sein soll, stört Yakin nicht: «Lieber ein kleines und volles Stadion als 600, 700 Zuschauer, wie ich das letzte Saison in Qatar erlebt habe.»
Nationalteam und WM als Ziel
Al Gharafa ist in der Serie der missratenen Auslandengagements nur ein weiteres Kapitel. 2002 brach Yakin das Abenteuer bei Paris St-Germain ohne Einsatz ab, in Stuttgart und Galatasaray war er gut bezahlter Kürzestarbeiter. In die Schweiz zurück drängte er auf Rat von Bruder Murat («er sagte, ich sei in Qatar unterfordert») - und weil er sich für die WM 2010 in Südafrika Chancen ausrechnet. Als er YB Richtung Qatar verliess, glaubte er, das Thema Nationalteam sei zu Ende. Nun freut sich Coach Ottmar Hitzfeld bereits: «Ich kann seine Entwicklung wieder persönlich und genau verfolgen.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.06.2009, 08:13 Uhr
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13 Kommentare
schön, dass er wieder zuhause ist. da muss man nämlich nicht soviel rennen, geniesst 'kultstatus' (wenn auch nur unter einigen tausend 'fans') und ist ein promi erster güte. der fussball kann also wieder an 2. stelle kommen. wenn Yakin tüchtig wäre, hätte er es mit seinem talent eigentlich weit bringen können. jetzt ist er endgültig zur lachnummer verkommen. keine natispiele mehr für ihn! Antworten
Natürlich wollen wir Hakan spielen sehen! Ich zumindest. Bei seinem letzten Engagement in der Schweiz hat er bewiesen, dass er trainieren und seine Faulheit auf die Seite legen kann, wenn er Ziele im Kopf hat, wie damals die EM. Dass Köbi an der EM nicht auf ihn baute, war m.E. grundfalsch. Ob er sich nun für die WM empfehlen kann, wird sich zeigen. Ist er in Form, ist er ein genialer Fussballer. Antworten


