«Aus dieser Krise geht Klopp so stark wie noch nie hervor»

Der ehemalige Schweizer Fifa-Ref und ZDF-Experte Urs Meier erklärt Jürgen Klopp, der als Coach von Borussia Dortmund die schwerste Zeit seiner bisherigen Karriere durchlebt.

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Borussia Dortmund war in den letzten Jahren zusammen mit Bayern München das Aushängeschild des deutschen Fussballs schlechthin. Unter Trainer Jürgen Klopp lief Dortmund dem deutschen Rekordmeister den Rang ab, holte zweimal in Serie den Titel, davon einmal das Double, und zog in den Final der Champions League ein, den der BVB gegen die Bayern dann allerdings verlor.

Die Münchner reagierten auf den neuen Rivalen aus dem Ruhrpott, investierten horrende Summen in frische Spieler und gewannen unter Jupp Heynckes 2013 sämtliche grosse Titel. Auch unter Pep Guardiola unterstreicht der deutsche Rekordmeister zumindest national seine Dominanz, holte zuletzt das Double und liegt auch in dieser Saison nach acht Runden an der Tabellenspitze.

Wie geht der Erfolgsverwöhnte mit der Krise um?

Dortmund, von den Experten zu Saisonbeginn als schärfster Konkurrent der Münchner eingestuft, steckt hingegen tief in der Krise und weist mit sieben Punkten nur drei Zähler mehr auf als der Tabellenletzte Werder Bremen. Der BVB findet sich im Abstiegskampf wieder – und mittendrin Jürgen Klopp, der Erfolgsverwöhnte. Aber wie geht er mit dieser neuen Situation überhaupt um? Der einst weltbeste Schiedsrichter der Fifa, Urs Meier, ist ein Kenner und Freund von Jürgen Klopp, seit sie gemeinsam beim ZDF internationale Spiele analysierten.

«Er ist ein Kämpfer, ein absoluter Winnertyp, der niemals aufgibt und sich schon gar nicht destabilisieren lässt. Aus dieser Krise geht Jürgen Klopp so stark wie noch nie hervor, weil sie ihn in seinem Leben als Mensch und in seiner Karriere als Trainer noch einmal einen Schritt weiterbringt», sagt Meier.

«Probleme, die man nicht unterschätzen darf»

Klopp sei eine grosse Persönlichkeit, ein Motivator und auch ein grossartiger Psychologe, der seine Mannschaft spüre und deshalb auch genau einschätzen könne, wie er mit ihr in dieser delikaten Situation umgehen müsse. Klopp sei ein lebensfroher Mensch mit einer positiven Ausstrahlung. «Und diese positive Energie überträgt sich auf sein Team.» Dortmund habe viele neue Spieler und auch einige Verletzte zu beklagen, die erst jetzt langsam zurückkämen. Der Abgang von Torjäger Robert Lewandowski müsse auch noch verkraftet werden.

«Einige Dortmunder Spieler waren auch bei der Weltmeisterschaft in Brasilien dabei und stiegen deshalb erst verspätet in die Vorbereitung zur neuen Saison ein. «Das sind alles Probleme, die man nicht unterschätzen darf.» Aber Klopp sei gerade in einer solch schwierigen Zeit genau der richtige Trainer für Dortmund. «Ich sehe einen Jürgen, in dem das Feuer brennt.» Dortmund habe auch das grosse Glück, mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Manager Michael Zorc und Trainer Jürgen Klopp auf ein bärenstarkes Trio zählen zu können, das sich ideal ergänze.

Meier erwartet Dortmund bald wieder ganz oben

«Sie verkörpern Dortmund. Wenn die drei miteinander reden, dann mit offenem Visier. Dann werden die Probleme ganz gezielt und schonungslos angesprochen, wobei Watzke, Zorc wie auch Klopp sehr selbstkritische Menschen sind, was der Sache dient», weiss Meier. Deshalb werde der ganze Club gemeinsam den Turnaround schaffen. «Dortmund spielte auch zuletzt einen guten Fussball, geriet aber vorwiegend durch Eigenfehler immer wieder und eigentlich völlig unnötig in Bedrängnis.»

Meier erwartet Dortmund schon sehr bald wieder in der oberen Tabellenhälfte. «Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Sie könnten durchaus einen Lauf hinlegen, wie ihn Schalke in der letzten Saison hatte und sich schliesslich für die Champions League qualifizierte.» Meier rechnet schon heute Abend gegen Galatasaray Isanbul mit einem weiteren Dortmunder Exploit in der Champions League nach den ersten beiden Siegen gegen Anderlecht und Arsenal. «Ich traue Jürgen Klopp durchaus zu, dass er mit dem BVB auch in der Königsklasse in dieser Saison noch sehr weit kommt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.10.2014, 12:23 Uhr

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