Wer für Sepp Blatter stimmt – und wer nicht
Von Oliver Thommen. Aktualisiert am 01.06.2011 31 Kommentare
So wie es am Mittwochmorgen aussieht, behält Sepp Blatter die Oberhand, denn drei Viertel der Delegierten müssten für eine Verschiebung der Präsidentschaftswahl stimmen. Die Positionen der einzelnen Landesverbände wurden aufgrund von Medienmitteilungen in den letzten Tagen eruiert. Sie sind ohne Gewähr.
Die Verbände der Fifa
Asiatischer Fussballverband (AFC):
46 Mitglieder, Präsident: Mohamed bin Hammam (suspendiert)
Afrikanischer Fussballverband (CAF):
53 Mitglieder, Präsident: Issa Hayatou
Nord- und Mittelamerikan. und Karib. Fussballverband (Concacaf):
35 Mitglieder, Präsident: Jack Warner (suspendiert)
Südamerikanischer Fussballverband (Conmebol):
10 Mitglieder, Präsident: Nicolás Léoz
Ozeanischer Fussballverband (OFC):
11 Mitglieder, Präsident: Reynald Temarii (suspendiert)
Europäischer Fussballverband (Uefa):
53 Mitglieder, Präsident: Michel Platini
König des Fussballs: Sepp Blatter. (Bild: Keystone )
61. Fifa-Kongress
Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet am Mittwoch, 1. Juni live ab 9.30 Uhr vom Fifa-Kongress.
Traktanden u. a.:
04. Suspension von Bosnien-Herzegowina
08. Ansprache des Präsidenten
11. Strategische und sportliche Angelegenheiten
12. Abstimmung über die Änderungen der Fifa-Statuten
14. Wahl des Präsidenten
17. Schlussansprache des Präsidenten
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Noch vor einer Woche sah es aus, als ob der Walliser die Wahl zum Fifa-Präsidenten auch zum vierten Mal problemlos schaffen könnte. Aber nach dem Ausschluss von Konkurrent Mohamed bin Hammam stand Sepp Blatter selbst am Pranger – trotz seines Statements vom Montagabend. Vor der Pressekonferenz fand die Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees statt. Das Gremium, das ohne weibliche Beteiligung tagt, ist die Machtzentrale innerhalb der Fifa.
Sepp Blatter präsidiert als Fifa-Chef den Männerbund. Da die einzelnen Teilverbände der Fifa (AFC, CAF, Concacaf, Conmebol, OFC, Uefa) die Mitglieder des Exekutivkomitees wählen, kommt den Exekutiv-Mitgliedern eine breite Machtfülle zu. Blatter hat nun mit Jack Warner (Präsident der Concacaf) und Mohamed bin Hammam (Präsident der AFC) zwei Schwergewichte im Exekutivrat möglicherweise zu Fall gebracht.
Gewisse Landesverbände aus Asien sollen deshalb abgereist sein, auch die karibischen Landesverbände dürften alles andere als zufrieden sein mit dem Ausschluss von Warner. Doch der Blatter-Kritiker gibt es noch weitere, sodass dem Walliser eine Palastrevolte drohen kann. Dafür wäre aber nötig, dass eine Dreiviertelmehrheit beim 61. Fifa-Kongress die Wahlen verschiebt, sodass sich neue Kandidaten in Stellung bringen könnten.
Das zerrissene Exekutivkomitee
Die Gefühlslage des Fifa-Exekutivkomitees ist ein Gradmesser dafür, wie die jeweiligen Delegierten der Landesverbände stimmen werden. Und nach den jüngsten Ereignissen ist Unruhe in das Gremium gekommen: Beispielsweise war Issa Hayatou (Präsident der CAF) lange auf der Seite Blatters, auch wenn er gegen den Schweizer eine Wahl 2002 verlor. Doch gegen ihn werden seit längerem wegen unsauberen Machenschaften Anschuldigungen erhoben. Wenn Blatter sein Saubermann-Image weiter pflegt, muss Hayatou um seinen Posten fürchten.
Geoff Thompson (Präsident der FA) hat sich schon vor einer Woche gegen beide Kandidaten ausgesprochen. Eine Verschiebung der Wahl wäre in seinem Interesse. Gegen den Brasilianer Ricardo Teixeira und den Thailänder Worawi Makudi laufen Ermittlungen wegen der WM-Vergabe an Katar, Reynald Temarii (Präsident der OFC) aus Französisch-Polynesien hat sein Stimmrecht bereits verloren. Hany Abo Rida (Ägypten), Mohamed Raoraoua (Algerien), Rafael Salguero (Guatemala), Jacques Anouma (Elfenbeinküste), Junji Ogura (Japan), Chung Mong-joon (Südkorea), Julio Grondona (Argentinien), David Chung (Papua-Neuguinea), und Nicolás Leoz (Paraguay) gehören zu den Wackelkandidaten.
Einzig Ángel María Villar (Spanien), Michel Platini (Uefa-Präsident), Michel D'Hooghe (Belgien), ?enes Erzik (Türkei), Chuck Blazer (Vereinigte Staaten), Marios Lefkaritis (Zypern), Theo Zwanziger (Deutschland) und Vitaly Mutko (Russland) werden Sepp Blatter die Stange halten, sicher ist aber nichts mehr. Die Exekutivmitglieder können ihrer Position nicht mehr sicher sein, wenn die von Blatter versprochenen Reformen in einer nächsten Amtszeit kommen würden. Das System Blatter, das einst von seinem Vorgänger João Havelange begründet wurde, scheint gescheitert. Die von Havelange und Blatter betriebene Kommerzialisierung und Professionalisierung des Fussballs sowie die Einbindung aller Nationen in die Fifa haben dem Fussball viele positive Entwicklungen beschert, das organisatorische System der Fifa muss aber überdacht werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.06.2011, 08:47 Uhr
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31 Kommentare
Einem Mann wie Sepp Blatter die Steigbügel halten, der sein selbstkreiertes Chaos weiter verwalten will, ist beschämend und peinlich für die Schweiz. Und von den Milliarden der FIFA keine Steuer zahlen das ist dann OK! Die Schweiz ist nur noch peinlich. Antworten



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