Wie die Uefa der Wettmafia auf die Schliche kam

Die Uefa steht im Kampf gegen den Wettbetrug fast allein. Die Tricks werden immer ausgebuffter.

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Alles begann mit Panionios Athen, sagt Peter Limacher, der als Disziplinardirektor der Uefa seit gut vier Jahren den Kampf gegen den Wettbetrug anführt. «Der Fall Panionios», sagt Limacher, «hat uns klargemacht: Wahnsinn, da läuft richtig was ab!» 2004 hatte der griechische Erstligist eine Uefa-Cup-Partie gegen Dinamo Tiflis 5:2 gewonnen. Dieses unübliche, erst in der Schlussphase zustande gekommene Resultat kursierte in Georgien schon Tage vor der Austragung. Und in Belgrad hatte die Schwester eines Panionios-Profis hohe Summen auf dieses Resultat gewettet.

Aber die Ermittler stiessen dort wie in Griechenland an Grenzen; manchmal an solche, wie man sie aus Mafiafilmen kennt. Griechische Sportfunktionäre besässen «enorme Macht» und seien «gut mit der Politik vernetzt», klagt Limacher. Im August 2005 in Belgrad half einem Emissär der Uefa, der dort einen Kronzeugen der Panionios-Affäre aufspüren wollte, gar nur noch die sofortige Flucht zurück in die Schweiz. Drei Männer hatten ihn in seinem Hotelzimmer aufgesucht und bedroht: Er solle «die Finger von dieser Person lassen».

Bemühungen der Verbände meist alibihaft

Limacher hat trotz allem viel auf den Weg gebracht. Er baute ein Ermittlerteam auf, das europaweit operieren soll, bestehend aus erfahrenen Polizisten, die in ihren Ländern vernetzt sind, sowie Mittelsmännern. «Es braucht Undercover-Leute in der Szene», sagt Limacher, der die Bemühungen vieler Verbände für alibihaft hält: «Frühwarnsysteme reichen nicht.»

Die Uefa verfolgt Wettbewegungen, die meist wie beim Dominospiel verlaufen: In Asien gehe es los, sagt Limacher, in Europa ende es stets bei grossen Wettanbietern wie Betfair. Dazu passt, dass nun auch in London ermittelt wird. Jedenfalls sind Anbieter, die sich statt als Buchmacher als Wettbörse präsentieren, finanziell weniger motiviert, ihrer Kundschaft auf die Finger zu schauen: Sie verdienen ja so oder so, nämlich nur an den Umsätzen, während die Zocker gegeneinander spielen.

Absichtlich auf «falsches» Team gesetzt

Bei den Wettbewegungen von Asien gegen Europa springen unterwegs viele Trittbrettfahrer auf. Berufszocker, «Leute, die ihr eigenes Frühwarnsystem haben und an den Wettveränderungen erkennen, was sich zusammenbraut». Wettprofis, die vom Zocken leben, müssen dann mitspielen, wenn sie nicht verlieren wollen. Anfang 2009 hatte die Uefa einen Wetter im Visier, der auf sämtliche 25 Spiele gesetzt hatte, die sie zu der Zeit gerade untersuchte.

Ein Kernproblem der Uefa bleibt die Verbindung nach Asien. «Wie läuft das von Europa dorthin», fragt Limacher, «an wen wenden sich Klubs, die mit verschobenen Spielen ihre Etats aufpolieren wollen?» An wen die Agenten, die oft die Einsätze bündeln, oder die Spielerberater? Daneben ist es so, dass die Tricks immer ausgebuffter werden. Auf den Rängen sitzen sogenannte Spotter, die live für die Wettkumpane per Laptop oder Handy Spielverläufe durchgeben, besonders beliebt ist auch, bis zum Anpfiff des Spiels absichtlich grosse Summen auf das «falsche» Team zu setzen, um so den Wettmarkt irrezuführen.

«Ungarn ist schlimm»

Die Uefa beobachtet eine Zunahme des Wettproblems in Krisenzeiten. Es sei schnelles, leicht verdientes Geld, sagt Limacher, überdies steckten auch viele Klubs in Nöten. Weshalb der Uefa besonders die nationalen Spielbetriebe ab Liga 2 Sorgen bereiten. «Ungarn ist schlimm», sagt der Disziplinarchef. Probleme gebe es überall, Schwerpunkt sei aber Osteuropa. In der zweiten griechischen Liga fielen seit Januar fast zwei Dutzend Spiele auf, elf Klubs tauchen auf, einer gleich fünfmal. «Schauen wir uns manche Klubchefs näher an», sagt Limacher, «wundert uns nichts mehr.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.11.2009, 10:56 Uhr

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