Wieder DFB-Schiedsrichter im Visier der Ermittler

Im grössten Wettskandal in der Geschichte des europäischen Fussballs werden immer mehr Details bekannt.

Im Regen: Vor viereinhalb Jahren war die Affäre um manipulierte Spiele von Schiedsrichter Robert Hoyzer.

Im Regen: Vor viereinhalb Jahren war die Affäre um manipulierte Spiele von Schiedsrichter Robert Hoyzer.
Bild: Keystone

So stehen übereinstimmenden Medienberichten zufolge drei Spieler unter Verdacht, die vergangene Saison für den aus der Zweiten Liga abgestiegenen VfL Osnabrück aktiv waren. Auch gegen den Viertligisten SSV Ulm soll es offenbar mehrere Verdachtsmomente geben, ebenso gegen einen DFB-Schiedsrichter. Ein verhafteter Landesliga-Spieler war bereits in einen früheren Skandal verwickelt.

Bei den drei Spielern von Osnabrück handelt es sich offensichtlich um die beiden Ex-Bundesliga-Profis Thomas Cichon und Thomas Reichenberger, ausserdem um Marcel Schuon. Reichenberger ist als einziger von den dreien noch in Osnabrück aktiv. Für die Regionalliga-Partie gegen Dortmund II wurde er nominiert, vor dem Anpfiff gab er im Stadion eine Ehrenerklärung ab, die von den Zuschauern mit Applaus aufgenommen wurde.

Cichon, der mittlerweile in Südafrika spielt, sagte laut «Welt online»: «Ich weiss nicht, dass gegen mich ermittelt wird. Wer mich kennt, der weiss, was los ist, damit habe ich nichts zu tun. Das ist reine Spekulation.»

Ulm ist offenbar tief verstrickt

Bei Schuon, der mittlerweile beim Drittligisten SV Sandhausen unter Vertrag ist, stand am Donnerstag die Polizei vor der Tür. «Das stimmt», bestätigt Sandhausen-Präsident Jürgen Machmeier laut «Sport Bild online». Schuon wurde deswegen nicht für die Partie am Samstag gegen Bremen II nominiert. «Wir wollen nur Spieler einsetzen, die voll bei der Sache sind», sagte Machmeier. Der Verein habe mit Schuon und dessen Lebensgefährtin intensiv gesprochen. «Er hat uns versichert, dass er nichts gemacht hat», sagte Machmeier.

Laut «Spiegel» ist der Regionalligist SSV Ulm offenbar tiefer in den Wettskandal verwickelt als bislang bekannt. Nach Informationen des Magazins stehen vier Regionalligaspiele des baden-württembergischen Traditionsvereins aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht. SSV-Vizepräsident Mario Meuler sagte: «Wir gehen davon aus, dass niemand mit dieser Sache etwas zu tun hat.» Auch ein Schiedsrichter des DFB solle bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmasslichen Wettbetrügern kassiert haben.

Verhaftet wurde ein Spieler des bayerischen Landesligisten Würzburger Kickers, wie der Verein mitteilte. Dieser Spieler sei bereits in einen früheren Wettskandal verwickelt gewesen, erklärte Pressesprecher Peter Neuberger. Bei dem Spieler handelt es sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge um Kristian Sprecakovic, der zu Saisonbeginn nach Würzburg gewechselt war und zuvor für mehrere Teams aus der zweiten und dritten Liga gespielt hatte.

DFB und Ligaverband kündigen rigoroses Vorgehen an

Die Hauptbeschuldigten aus der sogenannten «Führungsebene» stammen laut «Spiegel» aus Berlin, Nürnberg, dem Ruhrgebiet und einer Stadt bei Osnabrück. Sie sollen von Deutschland aus etwa 200 Fussballspiele in Europa für ihr Wettgeschäft manipuliert haben. In Deutschland gibt es mit 32 Spielen von der Zweiten Bundesliga abwärts die meisten Verdachtsfälle. Insgesamt 17 Haftbefehle wurden vollstreckt. Der Schaden wird derzeit auf etwa zehn Millionen Euro beziffert. Das ist nach Einschätzung der Ermittler aber «nur die Spitze des Eisbergs».

DFB und Ligaverband kündigten eine rigorose Verfolgung der Täter an und sagten Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Hilfe bei der Aufklärung zu. Im schweizerischen Nyon sollen am kommenden Mittwoch die Generalsekretäre der nationalen Fussballverbände zusammenkommen, um sich über die aktuellen Entwicklungen auszutauschen. Derweil erklärte die Swiss Football League, dass es über das Frühwarnsystem der Uefa für verdächtige Wetten noch nie Hinweise über verdächtige Wetten auf Schweizer Fussballspiele gegeben habe. (ap)

Erstellt: 21.11.2009, 15:49 Uhr

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