Wird der Afrika Cup nach Terrorattacke auf Togo abgesagt?
Von Stephan Roth. Aktualisiert am 09.01.2010
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Die Veranstalter und der afrikanische Kontinentalverband CAF betonten am Samstag, dass der Afrika-Cup ungeachtet des Terrorangriffs auf den Mannschaftsbus von Togo, der mindestens drei Menschen das Leben kostete, wie geplant am Sonntag mit dem Spiel zwischen Gastgeber Angola und Mali startet.
Doch die Mannschaft von Togo hat bereits ihre Abreise angekündigt. Noch am Samstagabend soll die Rückreise nach Lomé, diesmal im Flugzeug, angetreten werden. «Kein Spieler ist bereit, bei diesem Cup anzutreten. Wir sind gekommen, um ein Fussball-Fest zu feiern, aber jetzt ist es, als würde man in den Krieg ziehen», sagte Togos Torwart Kossi Agassa gegenüber «Radio France Info».
Togos Nationaltrainer Hubert Velud erhob schwere Vorwürfe gegen das Organisationskomitee: «Die angolanischen Veranstalter sollten sich überlegen, den Wettbewerb abzusagen. Es ist ein Akt der Barbarei, während wir eigentlich den afrikanischen Fussball feiern wollen. Das war Krieg. Die Organisatoren scheinen dies nicht ernst zu nehmen», sagte der Franzose, den eine Gewehrkugel am Arm erwischte.
Drogba: «Das Fest ist beendet»
Auch in anderen Mannschaften regt sich Widerstand gegen das Turnier. «Ich bin sicher, dass andere Mannschaften auch nicht spielen werden, wenn der CAF den Beginn des Turniers nicht verschiebt», sagte Togos Thomas Dossevi. «Wir sind Fussballer, wir spielen gerne Fussball, aber es gibt Dinge, die wichtiger sind.» Und sein Teamkollege Jonathan Ayite behauptete: «Ghana und die Elfenküste sind solidarisch mit uns.»
Didier Droga, der Chelsea-Star der Elfenbeinküste, erklärte, soll togolesischen Spielern gesagt haben: «Nachdem, was euch passierte, ist das Fest beendet.» Auch Ghana und Kamerun wollen gemäss «footafrica365.fr» möglichst schnell aus Angola abreisen. Angeführt von Samuel Eto'o (Kamerun, Inter Mailand) und Michael Essien (Ghana, Chelsea) sollen sich die beiden Teams für eine Absage des Turniers eingesetzt haben.
Chelsea fehlen vier Leistungsträger
Sollten sich die afrikanischen Stars, die ihr Geld bei europäischen Topklubs verdienen, zur Abreise entscheiden, würden sie bei ihren Arbeitgebern mit offenen Armen empfangen. Vor allem in der Premier League, wo es keine Winterpause gibt, ist das Turnier schon seit Jahren mehr als nur umstritten. Phil Brown, Trainer von Hull City, sagte der «Sun»: «Ich habe zwei Spieler dort, und ich will, dass sie nach Hause kommen.» Wie Brown denken viele seiner Trainerkollegen.
Vor allem Premier-League-Leader Chelsea, das derzeit wegen des Afrika Cups auf Michael Essien, Didier Drogba, Salomon Kalou und Mikel John Obi verzichten muss, hat ein grosses Interesse an der Rückkehr seiner Spieler.
Guardiola: «Menschenleben sind das wichtigste»
Auch in Spanien, Italien und Deutschland machen sich die Vereine Sorgen um ihre Stars. Barcelona-Trainer Pep Guardiola, der Yaya Touré (Elfenbeinküste) und Seydou Keita (Mali) in Angola hat, sagte gegenüber «El Mundo»: «Wir versuchen sie zu kontaktieren. Sie müssen um das Ausmass der Gefahr wissen. Menschenleben und die Sicherheit von allen sind das wichtigste.»
Udinese ist bereits aktiv geworden und hat beim ghanaischen Verband und der Fifa die Rückkehr von Kwadwo Asamoah beantragt.
Dortmunds Manager Michael Zorc betonte gegnüber der «Berliner Morgenpost», dass es für die Vereine nicht so einfach sei, Spieler nach Hause zu holen. «Die Fifa müsste erst die Abstellungspflicht aufheben, damit wir handeln können. Solange das nicht geschieht, können wir unsere Spieler nicht heimholen, weil sie dann gesperrt wären», so Zorc. Und Leverkusen-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser kritisierte die Vergabe des Afrika Cups nach Angola: «Es ist schon unverständlich, dass das Turnier nach Angola vergeben wurde, obwohl in dem Land seit Jahren Unruhen und bürgerkriegsähnliche Zustände geherrscht haben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.01.2010, 20:43 Uhr


