Sport

Wölfli: «Uns erwartet einiges»

Von Peter M. Birrer, Podgorica. Aktualisiert am 08.10.2010 1 Kommentar

Mit dem YB-Goalie anstelle von Diego Benaglio tritt die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft heute in der EM-Qualifikation in Montenegro an.

Heikle Aufgabe: Marco Wölfli wird heute Abend das Tor der Schweizer Nati in Montenegro hüten.

Heikle Aufgabe: Marco Wölfli wird heute Abend das Tor der Schweizer Nati in Montenegro hüten.
Bild: Keystone

Das Geduldspiel fängt am Samstag an. Diego Benaglio verletzt sich am Oberschenkel, rückt am Montag nach Feusisberg ein, beginnt mit der Physiotherapie, um den Muskel zu entspannen; er macht Fortschritte und seinem Chef Hoffnung. «Es ist eine klare Besserung eingetreten», berichtet Ottmar Hitzfeld am Donnerstag zur Mittagsstunde. Teamarzt Cuno Wetzel sagt: «Der Heilungsprozess verläuft nicht schlecht, aber einen grossen Sprung hat Benaglio noch nicht gemacht.»

Die Zeit drängt, aber Hitzfeld möchte trotzdem warten bis zum Spieltag. Als es Abend wird in Podgorica, lässt der Trainer verbreiten, dass er seinen Entscheid nach Absprache mit dem Arzt und dem Spieler doch vorgezogen hat: Benaglio fällt aus, weil seine Verletzung eben hartnäckiger ist als gehofft und ein Einsatz nicht zu verantworten gewesen wäre. Für den Torhüter ist es ein Entschluss der Vernunft, er meldet: «Ich tue niemandem einen Gefallen, wenn ich ohne ein einziges Training ins Spiel gehe.» Er fährt mit der Therapie fort und hofft, gegen Wales am Dienstag in Basel ins Tor zurückzukehren.

«Ich bin da!»

Benaglios Absage ist gleichzeitig der schnelle Aufstieg von Wölfli vom Reservisten in den Mittelpunkt, wobei der 28-Jährige von den Young Boys für den Coach mehr als nur ein klassischer Ersatzmann ist: «Marco hat eine fantastische Einstellung und wird mit seiner Rolle hervorragend fertig.» Seine Rolle ist im Nationalteam normalerweise die: trainieren, auf die Bank sitzen, zuverlässig sein, wenn es ihn braucht – und geduldig bleiben. Wölfli hält sich an den Grundsatz: «Entscheidend ist es, die Ruhe zu bewahren.» Diese Gabe hat ihm sein Vater mitgegeben. Auf dem Platz kann er laut werden und das auch nicht zufällig: «Die Impulsivität habe ich von meiner Mutter.» Sie ist Sizilianerin.

Der Berner Goalie vertraut seiner starken mentalen Verfassung. Vor sechs Jahren fing er an, mit einem Sportpsychologen zu arbeiten und sich die Fähigkeit anzueignen, «je nach Situation in die Schublade zu greifen und das Richtige hervorzuholen». In diesen Tagen hat er sich stets vorbereitet, als würde er spielen: «Im Training will ich zeigen: Ich bin da!» Den nachhaltigsten Beweis, dass in der Not auf in Verlass ist, erbrachte er am 14. Oktober 2009, als er gegen Israel für den erkrankten Benaglio kurzfristig in die Mannschaft rutschte und seinen Beitrag zum 0:0 leistete, das der Schweiz die Qualifikation für die WM in Südafrika eintrug.

Rollentausch nach der U-21

Seit zwei Jahren ist Wölfli Nationalspieler, zu mehr als sechs Länderspielen und 495 Einsatzminuten reichte es ihm bis jetzt nicht. Benaglio, ein Weggefährte aus gemeinsamen U-21-Zeiten, hat ihn überholt. Als die Schweiz 2004 die U-21-EM in Deutschland bestritt, war Wölfli die unumstrittene Nummer 1, Benaglio blieb damals der Stammplatz auf der Bank. Jetzt sind die Rollen anders verteilt, was Wölfli klaglos hinnimmt: «Ich bin nicht der Typ, der ein Theater veranstaltet.» Mit Benaglio pflegt er bei aller Konkurrenz ein kollegiales Verhältnis und erkennt in ihm durchaus auch eigene Charakterzüge: «Wir sind beide sehr bodenständig und ehrliche Arbeiter. Das zahlt sich irgendwann aus.»

Bis 2012 läuft Wölflis Vertrag bei den Young Boys, zu denen er 2003 nach einem anderthalbjährigen Abstecher in Thun zurückkehrte. Im Kopf hat er, noch lange Jahre im Beruf zu bleiben, «ich hoffe auf mindestens zehn weitere Jahre», und natürlich denkt auch er ans Ausland. Im Kopf hat er heute aber nur eins: den Abend im vollen City Stadium von Podgorica. In diesem Schlüsselspiel der EM-Qualifikation erwartet er «einen kampfstarken, leidenschaftlichen Gegner mit heissblütigem Anhang». Und sagt deshalb: «Uns erwartet einiges.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.10.2010, 07:29 Uhr

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1 Kommentar

Walter Wicker

08.10.2010, 10:36 Uhr
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Ganz einfach : hopp Schwiiiz !!!! Und Daumen drücken. Antworten



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