Wundersame Zentimeter

Der Spagat zwischen der «Nacht des Wunders» und der «Nacht der Schande».

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Es ist eben das 3:1 gefallen, und es ist nach einer Stunde ganz still geworden im Camp Nou, in dem es vorher extrem laut war. Das unmöglich Scheinende bleibt unmöglich, und Edinson Cavani, der uruguayische Stürmer von Paris ­St-Germain, läuft jetzt allein gegen das Tor von Barcelona, mit schnellen Schritten, den Ball am rechten Fuss. Marc-André ter Stegen, der deutsche Torhüter von Barcelona, lauert in tiefer Hocke, Cavani schiesst, Ter Stegen macht einen Spagat und sein linkes Bein ganz lang. Vergeblich. Das 3:2. Es wird daraus noch ein 3:3.

Es ist eben das 3:1 gefallen, und es ist nach einer Stunde ganz still geworden im Camp Nou, in dem es vorher extrem laut war. Das unmöglich Scheinende bleibt unmöglich, und Edinson Cavani, der uruguayische Stürmer von Paris St-Germain, läuft jetzt allein gegen das Tor von Barcelona, mit schnellen Schritten, den Ball am rechten Fuss. Marc-André ter Stegen, der deutsche Torhüter von Barcelona, lauert in tiefer Hocke, Cavani schiesst, Ter Stegen macht einen Spagat und sein linkes Bein ganz lang. Er wehrt mit der ­Fussspitze ab.

Es bleibt beim 3:1. Und es wird daraus noch ein 6:1.

3:3. Es ist das Ende einer Ära. Die Entzauberung einer Mannschaft, die uns einst verzaubert hat. Der Niedergang. Messi ein Schatten. Kein Messias mehr. Erschöpfte Spieler. Und viele überaltert. Knorrig und zu distanziert dieser Trainer, der Barcelonas Seele verkauft hat. Gut, dass er bald geht. Zu viele lange Bälle, zu wenig kurze Pässe. Aber dieser Tiki-Taka-Fussball ist uns auch verleidet. Er ist ein Ärgernis geworden. Enervierend. Langweilig. Eine Generation dankt ab.

6:1. Wer dabei war, selber im ­Stadion, in einer Bar vor dem TV, auf einem Sofa, irgendwo, der wird diese Nacht nicht mehr vergessen. Epochal. Wundersam. Historisch. Übersinnlich. Magisch. Er wisse gar nicht, was er sagen soll, und er hätte sich gescheiter daran gehalten, doch der TV-Reporter schrie leider weiter in sein Mikrofon. Zuerst (beim 5:1) sei er verrückt ­geworden, dann (beim 6:1) zusammengebrochen, aber er stammelte ­trotzdem die nächsten Worte des Unverständnisses für das, was geschehen war. Wie alle, glückstrunken.

Barcelona war an diesem Abend gar nicht Barcelona, es war der Wille, nicht die Kunst, ausser bei Neymars Freistoss, der diesen undenkbaren Ausgang möglich machte, viele lange Bälle, weniger kurze Pässe. Der Trainer ist aber der Grösste. Schade, dass er bald geht. Der bärtige Messi wird von einem dicken Ordner erdrückt. Pique sagt, die Spitäler sollen in neun Monaten viele Hebammen einstellen, denn in dieser Nacht werde viel Liebe gemacht. Die beste Generation gewinnt das Spiel ihres Lebens. Steht geschrieben. Jetzt.

3:3. Oder 6:1. Cavanis Schuss, Ter Stegens Spagat. Alles eine Frage von Zentimetern. Von fünf vielleicht. Unser Leben hängt von so wenig ab. «Nacht des Wunders», sagen sie in Barcelona. «Nacht der Schande» in Paris. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2017, 10:55 Uhr

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