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Zu viele Bettler unter den Königen

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 09.12.2010 12 Kommentare

Die Gruppenphase der Champions League hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Selten war die angebliche «Königsklasse» so unausgeglichen und langweilig wie in diesem Jahr.

Das Nachsehen der Underdogs: Partizans Sasa Ilic muss Arsenals Nasri passieren lassen.

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Bild: Reuters

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Die gut gemeinte Reform der Europacup-Wettbewerbe von Uefa-Präsident Michel Platini ist in seiner zweiten Saison. Sie hat vor allem ihre Schattenseiten. Vertreter aus Europas zweitklassigen oder wenig bedeutenderen Ligen übernahmen die Rollen als Schiessbudenfiguren oder Punktelieferanten. Partizan Belgrad (Torverhältnis: 2:13) und Zilina (3:19) holten keinen Punkt, der türkische Meister Bursaspor (2:16) freute sich wenigstens mit dem abschliessenden 1:1 gegen die Hauruck-Fussballer der Glasgow Rangers über einen Zähler. Mit gutem Gewissen lässt sich behaupten, dass diese drei Teilnehmer der sportlichen Aufgabe in Europas bedeutendstem Klubwettbewerb kaum gewachsen waren.

Die Statistik der Sportinformation spricht Bände. «Wie im vergangenen Jahr nahmen 18 nationale Titelträger die Gruppenphase der ‹Königsklasse› in Angriff. In die K.-o-Runde schafften es jedoch nur sieben Meister (im Vorjahr acht), unter ihnen Schachtjor Donezk aus der Ukraine und der FC Kopenhagen aus Dänemark», schreibt die nationale Agentur. Wie wir seit gestern Abend wissen, muss auch der FC Basel seine Achtelfinalträume begraben. Die Bayern waren eine Nummer zu gross, dank Rang 3 in der Gruppe E verbleibt der Schweizer Meister immerhin in der Europa League – einem Wettbewerb, der die Fans in dieser Form ebenfalls nicht erwärmen kann.

Gott sei Dank: Wir haben Gress

Die einzig wirkliche Überraschung in der Champions League war bisher, dass Werder Bremen in der starken Gruppe A schon früh ausschied und dass Arsenal erst im letzten Gruppenspiel das Ticket für die nächste Runde löste. Ansonsten herrschte beim neutralen Zuschauer gähnende Langeweile und Unzufriedenheit über das mässige spielerische Niveau. Der Wettbewerb, 1991 mit grossem Erfolg ins Leben gerufen, verdient die Bezeichnung «Strassenfeger» schon länger nicht mehr und hat mittlerweile die Wirkung einer Schlafpille erreicht. 12 von 16 Achtelfinalisten standen bereits Ende November fest, für ein bisschen Spannung sorgte in der letzten Runde immerhin der Zweikampf zwischen der Roma und dem FCB.

Immerhin kann sich der Schweizer TV-Konsument an den Auftritten von Kultfigur Gilbert Gress und seinen Nebendarstellern Raphaël Wicky und Rainer Maria Salzgeber erwärmen: Die Analysen und Lebensweisheiten des nimmermüden Fussball-Experten aus dem Elsass trösten über jeden Fehlpass und jedes Gähnen während der belanglosen 90 Minuten hinweg. Grosse Stars wie Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm guckten nach getaner Arbeit gegen Basel gerne mal beim Unterhaltungs-Trio aus Zürich-Leutschenbach vorbei, weil die Profis wussten: Hier darf vor laufenden Kameras mal kumpelhaft gelacht werden. Und wenn man gut spielt, winkt sogar ein Kompliment des lebensfrohen Mannes namens Gress als Belohnung.

Der Ruf nach Reformen

Tatsache ist, dass grosse Sensationen seit der Geburt der Champions League praktisch ausblieben. Für einen Farbtupfer sorgten gewiss Artmedia Bratislava (2004), der FC Thun im Jahr 2005 oder der rumänische Klub Unirea Urziceni (2009). Diese Mannschaften sorgten für Überraschungen und willkommene Abwechslung, den Einzug unter die Top Acht Europas verpassten sie aber.

Der Ruf nach mehr Qualität und weniger Quantität in der sogenannten «Königsklasse» wird lauter. «Die Champions League muss aufpassen, dass sie ihrem Namen noch gerecht wird», sagt Matthias Sammer, Sportdirektor beim Deutschen Fussball-Bund, gegenüber «Welt online». Natürlich sei der Wettbewerb mit Gruppenphasen und dadurch mehr Spielen so konzipiert worden, um den Wettbewerb breiter aufzustellen und die Entwicklung in kleineren Fussball-Nationen voranzutreiben. Dadurch habe die Champions League an Berechenbarkeit gewonnen. Das aktuelle System sei diskutabel, folgert Sammer. Auch Bayerns Trainer Louis van Gaal findet, dass es an der Zeit sei, eine Reform durchzuführen. «Wir müssten etwas ändern, aber mir hört ja niemand zu. Das ist wie bei den technischen Hilfsmitteln.» Die Uefa müsse für einen fairen Wettbewerb sorgen, was aber leider nicht der Fall sei. «Fair war es, als tatsächlich nur die Champions spielten.»

Der Lockruf des Geldes

Experten haben sich auch schon eine Verzahnung zwischen den beiden aktuellen Europacup-Ligen überlegt, quasi einen Auf- und Abstiegsmodus. Diese Idee klingt gar nicht mal so schlecht, die Frage ist, ob auch die Klubs (und die Landesverbände) bei einer Modusänderung mitziehen würden. Denn die Champions League ist – vor allem für europäische Vereine mittleren und kleineren Kalibers – ein Honigtopf. Alle Teilnehmer der Gruppenphase erhalten in dieser Saison mindestens 7,1 Millionen Euro (9,3 Millionen Franken). Die Kampagne des FCB beispielsweise hat über 20 Millionen in die rot-blaue Klubkasse gespült. Das reicht, um den Spielern an der Weihnachtsfeier eine grosse Schachtel Basler Läckerli als Bonus zu überreichen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.12.2010, 15:46 Uhr

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12 Kommentare

Peter Meyer

09.12.2010, 18:13 Uhr
Melden

Früher mit nur KO-Spielen und 3 Wettbewerben ware es interessanter. Und heute würde ich zuerst mal auf jeden Fall abschaffen, dass der 3. der CL-Gruppenphase noch in die Europa-League kommt - ausgeschieden soll ausgeschieden sein. Antworten


guido lima

09.12.2010, 18:31 Uhr
Melden

es ist nur noch langweilig, die quali-spiele schaue ich schon gar nicht mehr, denn es ist schon von vornherein klar wer weiter kommt, (ausser schalke vielleicht). aber der fussball im allegmeinen wird nur noch von geld,macht, korruption und wichtigtuern bestimmt, schade eigentlich um den schoenen sport. Antworten



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