«Als Tandem funktionieren wir»

Mathias Walther ist überzeugt, der richtige Mann als neuer Sportchef der Grasshoppers und eine gute Ergänzung zu CEO Manuel Huber zu sein.

«Er weiss, worauf er sich einlässt»: CEO Manuel Huber (links) über Sportchef Mathias Walther.<br />Foto: Steffen Schmidt (Freshfocus)

«Er weiss, worauf er sich einlässt»: CEO Manuel Huber (links) über Sportchef Mathias Walther.
Foto: Steffen Schmidt (Freshfocus)

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Grossen medialen Andrang erwartete der Pressechef von GC für die Vorstellung von Mathias Walther. Grosser ­medialer Andrang sieht aber anders aus als das, was am Donnerstagmorgen im Clublokal Heugümper zu sehen ist. Nur drei Zeitungen und das Schweizer Fernsehen sind vertreten. Zum Glück ist der Saal nicht allzu gross. Da fällt es etwas weniger auf.

Vorne am Tisch sitzen Manuel Huber und Mathias Walther als Gastgeber. Der CEO stellt den Anfang Woche verpflichteten Sportchef vor. Er sagt: «Mathias kann aus den Spielern das Beste raus­holen.» Der Sportchef sagt: «Als Tandem werden wir funktionieren.»

Walthers Erfahrung

Als Huber das letzte Mal an diesem Tisch sass, ging es um die Vorstellung von Munas Dabbur. Die Rückkehr des Torjägers war ein Coup in der Krise, als der Trainer noch Pierluigi Tami hiess und die Gefahr abzusteigen noch gross war. Ob die Rückkehr des alten Bekannten Walther zum Coup wird, muss sich erst zeigen. Die Grasshoppers können jedenfalls nur hoffen, den richtigen Mann gefunden zu haben, um ein Feld zu bestellen, auf dem viel zu tun ist.

«Wir haben Mathias sehr gut instruiert, er weiss, worauf er sich einlässt», sagt Huber. Die wirtschaftlichen Probleme des Vereins sind bestens dokumentiert; die sportlichen Schwierigkeiten lassen sich in der Tabelle und am Trainerwechsel von Tami zu Carlos Bern­egger erkennen; und die Formel, auf eigene Junge zu bauen, um sie gewinnbringend verkaufen zu können, ist die altbekannte in der Not.

Walther fürchtet sich nicht vor der Aufgabe, es hätte auch überrascht. Schliesslich war er im August 2000 mit 28 Jahren schon einmal zum Sportchef befördert worden und bei den letzten beiden Meistertiteln von GC, 2001 und 2003, im Amt gewesen. Damals war GC finanziell allerdings noch anders aus­gestattet und dank der Herren Gut und Gerber weit­gehend sorgenfrei. Jetzt sagt Walther: «Ich habe mehr Erfahrung als damals. Ich war im Ausland, ich war bei kleineren Clubs, ich kenne die Situation, wenn man nicht mit dem grossen Geld wirtschaften kann.»

Hubers Wunsch

Im Hintergrund wird weitergearbeitet, um neue Geldgeber zu finden. Das ­neueste Ziel ist, bis im Herbst «etwas in den Händen» zu haben. «Sonst müssen wir den Plan überdenken», sagt Huber. Was feststeht: GC ist darauf angewiesen, dass das neue Stadion eines Tages gebaut wird. Und bis es steht, «brauchen wir Leute, die an uns glauben», sagt Huber. Das Stadion gehört wie die Geld­suche zu den Themen, die er bearbeiten muss. Darum ist er froh, von Walther entlastet zu werden. Es dürfte ihm auch gesundheitlich nicht schaden. Nachdem er schon einmal ein Beinahe-Burn-out gehabt hatte, musste er sich jüngst Nierensteine entfernen lassen. «Ich bin wieder unter den Lebendigen», sagt er, leicht flapsig.

Huber und Walther kennen sich seit vielen Jahren und der Zeit, als Huber als U-16-Goalie zu GC kam. Sie liefen sich bei GC 2011 ein zweites Mal über den Weg, als Walther im Nachwuchs arbeitete und ­Huber zurückkehrte, um im Marketing Aufgaben zu übernehmen. Sie hatten in den letzten Monaten wieder engeren Kontakt, weil Walther bei Rapperswil-Jona, wie Schaffhausen ein Partnerclub von GC, Ausbildungschef wurde. Huber war es nun, der das Telefon in die Hand nahm und Walther fragte, ob er sich vorstellen könne, als Sportchef bei GC anzufangen – nachdem er das vorher schon in «ein, zwei, drei» anderen Fällen getan hatte. Gross überzeugen brauchte er Walther offenbar nicht. Denn der sagt: «Einmal GC, immer GC. Ich kann das ­machen, was ich immer am liebsten gemacht habe.»

Walther kennt viele, mit denen er auf dem Campus zusammenarbeiten wird, einen Grossteil der Trainer, Nachwuchsspieler, die er zwischen 2010 und 2012 betreute. Er sagt deshalb, sie hätten bei GC sehr viele Talente. Und wen er auch bestens kennt, ist Carlos Bernegger, den aktuellen Cheftrainer. Ihn hatte er einst als U-18-Trainer zu GC geholt.

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Sportchef und Trainer über den Sommer hinaus zusammenarbeiten. Zumindest ist das der Wunsch des Vereins, «ja, wir würden gerne mit Carlos weiter­machen», betont Huber. «Seine menschlichen und fachlichen Qualitäten sind unbestritten», ergänzt Walther.

Berneggers Frage

Bernegger hat die Mannschaft vom Tabellenende weggeführt und in Sicherheit, trotz des Einbruchs am Mittwoch in Thun. Allerdings muss ihm bewusst sein, dass ihm GC nicht mehr als einen Vertrag für ein Jahr anbieten kann, ­sicher keinen «massiven Mehrjahres­vertrag», wie ­Huber sagt. Ebenso muss ­Bernegger bewusst sein, dass – Stand jetzt – die personellen Voraussetzungen nicht erfreulich sind. Dabbur wird nach Salzburg zurückkehren, um da einen zweiten Anlauf zu nehmen. Mit ihm geht ein Spieler verloren, der die ganze Mannschaft belebt hat, allen voran seinen alten Freund Caio. Ohne Dabbur, das hat die Vorrunde gezeigt, ist der Brasilianer leistungs­mässig die Hälfte wert.

Überdies muss ein Trainer bei GC ­immer damit rechnen, dass Spieler verkauft werden, sobald sie einen Wert erarbeitet haben und Transferertrag versprechen. Das ist das Geschäftsmodell der letzten Jahre, es hat funktioniert dank Dabbur, Tarashaj, Ravet, Bauer, Bürki, Hajrovic, Zuber oder Abrashi, aber auch zu einem massiven Substanzverlust geführt. Nun ist Numa Lavanchy ein Spieler, der allenfalls helfen kann, das Defizit von 5 bis 8 Millionen zu verkleinern. Viel mehr kommen derzeit dafür nicht in Frage.

Darum sieht Walther bei Berneggers Zukunftsplanung eine entscheidende Frage: «Hat er Freude? Ist er motiviert?» Bernegger selbst denkt zuerst ans ­Wochenende und das Spiel in St. Gallen. Zwei Punkte fehlen GC weiterhin zum ­definitiven Ligaerhalt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2017, 23:33 Uhr

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