Ein grauer Pfiff

Basel-Sieg mit Nachgeschmack: War der Penalty im Cup-Halbfinal gegen den FC Winterthur korrekt?

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Manchmal hätten enge Spiele bessere Höhepunkte verdient. Das werden sich in diesen Stunden Schiedsrichter Amhof, Stürmer Janko und Verteidiger Schuler sagen. Sie sind Protagonisten in diesem Drama kleinerer Art, das sich gestern in Winterthur ereignete.

Es steht 0:0, der Aussenseiter schlägt sich vorzüglich gegen Meister Basel, sechs Minuten sind in der zweiten Hälfte gespielt, als Janko plötzlich Raum vor sich hat. Er läuft alleine auf Winterthur-Goalie Minder los, schlägt einen Haken, der Ball scheint vertändelt, doch da rauscht Schuler mit einer Grätsche an. Er trifft Ball und Bein. Janko fällt. Amhof pfeift. Winterthur schreit auf. Penalty.

Die Szene in der 51. Minute: Schuler soll Janko gefoult haben. (Quelle: Streamable)

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Es ist eine derart strittige Entscheidung, dass Amhof auf Janko zugeht und ihn über Winterthurs Schicksal befragt. Janko antwortet ihm: «Ja, da war ein Kontakt.»

Es ist ein Pfiff, bei dem es kein Schwarz und Weiss gibt. Schuler trifft beides, Ball und Bein, Schwarz und Weiss. Hart für Winterthur, glücklich für Basel. Delgado tritt zum Penalty an, der Stadionsprecher fasst den Ausgang der Szene ein paar Sekunden später wie folgt zusammen: «Torschütze Delgado. Mehr gibts nicht zu sagen.» Ja, Winterthur ist aufgewühlt. Erinnerungen werden wach an 2012, als ebenfalls im Cup-Halbfinal, ebenfalls gegen Basel ein klarer Penalty für den FCW nicht gegeben wurde. Der Winterthurer fühlt sich wieder betrogen. Er wird laut, es wird laut.

Ein Ankläger, zwei Angeklagte

Es ist der Anfang von Winterthurs Ende. Und weil das alle wissen, muss Schiedsrichter Amhof nach dem Spiel auf dem Weg in die Kabine abgeschirmt werden. Es hilft nur beschränkt, er wird von einem Bierbecher am Kopf getroffen. Janko hört auf gleicher Route wüste ­Beleidigungen, und Verteidiger Schuler wird zum Ankläger: «Das war 100 Prozent kein Penalty. Ich habe erst den Ball, dann Janko getroffen. Der Schiedsrichter muss das doch gesehen haben.»

Der Angeklagte Janko sagt, was er ­bereits dem Schiedsrichter auf dem Feld berichtet hatte – «Kontakt». Die zeitliche Abfolge der Schläge könne er nicht einordnen. Er finde es aber «kurios», dass er vom Referee gefragt wurde und dadurch ins Fadenkreuz der Emotionen geriet.

Der andere Angeklagte, Schiedsrichter Amhof, schweigt erst und sagt dann nach Konsultation der Fernsehbilder: «Ich würde noch einmal gleich entscheiden. Schuler trifft zuerst den Ball, aber es ist auch so, dass er mit dem zweiten Bein sehr klar Janko an der Achillessehne trifft und Janko zu Fall bringt.» Vielleicht hätte Amhof anfügen können, dass es eine Uefa-Weisung für diese Art von Fällen gibt. In Schiedsrichter-Lehrfilmen heisst es: Wenn man den Ball spielt, aber ein Foul in Kauf nimmt, soll der Schiedsrichter pfeifen. Freilich eine Weisung etwas weit weg von den Gefühlen des Volks, aber sie erklärt eben ­genau die Situation Schuler/Janko.

Hundert Bälle auf dem Feld

Dabei hat das Spiel gut für die Winterthurer begonnen. 9400 Zuschauer verwandeln die Schützenwiese in einen hablichen Ort. Weil Basler Fans eine Unzahl von Bällen auf das Spielfeld kicken, beginnt a) das Spiel acht Minuten später, fordern b) pfiffige Winterthurer Fans singend einen Forfait-Sieg und stellt sich c) die Frage: Wie haben die Basler nur die rund 100 Bälle ins ­Stadion geschmuggelt? Die Frage bleibt ungeklärt, gewiss ist nur, dass die Basler gegen die frühe Anspielzeit von 18.45 Uhr protestierten.

Winterthur steht darauf organisiert und stört Basel früh. Trainer Romano bildet jede Winterthurer Aktion mit dem eigenen Körper ab und kann in seiner Coachingzone etliche Konter mitgehen. Viele Male verstolpern die Winterthurer den Ball. Tempo und Ballkontrolle sind so eine Sache. Doch dreimal brechen sie durch. Dreimal kommen sie zum Abschluss. Weil aber das Tor zu klein (Pfosten) und Vaclik zu gross (Parade) ist, bleibt der FCW ohne Tore. Der FCB wiederum hält sich zurück, als ginge ihn das Spiel nichts an. Das macht er so lange, bis es zu dieser Kontaktszene kommt.

Fortan spielt Basel seine Klasse aus, durch eine Winterthurer Produktion fällt das 2:0. Der ehemalige FCW-Junior Zuffi schiesst Torhüter Minder an, worauf der ehemalige FCW-Junior Akanji den Abpraller verwertet. Weil Cana spät zum 2:1 trifft, wird es noch einmal laut in der Schützenwiese. Doch zu diesem Zeitpunkt ist der Höhepunkt des Spiels bereits vorbei.

Winterthur - Basel 1:3 (0:0)
9400 Zuschauer. – SR Amhof. – Tor: 54. Delgado (Foulpenalty) 0:1. 85. Akanji (Zuffi) 0:2. 87. Cani 1:2. 94. Fransson (Sporar) 1:3.
Winterthur: Minder; Hebib, Schuler, Schättin; Radice, Gazzetta (68. Kamber), Ljubicic, Di Gregorio (83. Cani); Frontino; Silvio, Sutter (45. Sliskovic). Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Akanji, Traoré; Serey Die, Zuffi; Callà, Delgado (82. Fransson), Steffen; Janko (61. Sporar).
Bemerkungen: Winterthur ohne Katz (gesperrt), Russo, D'Angelo, Mangold (alle verletzt), Avanzini und Roth (beide krank). Basel ohne Xhaka (gesperrt), Bua (verletzt), Elyounoussi (krank), Balanta, Riveros, Vailati und Petretta (nicht im Aufgebot). 13. Vaclik lenkt Schuss von Frontino an den Pfosten.
Verwarnungen: 17. Gazzetta (Foul). 57. Janko (Foul). 88. Hebib (Foul).

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.04.2017, 23:19 Uhr

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