Fans als Hauptsponsoren – ein Risiko?

Die Fanszene des FC Aarau sponsert ihren Club mittels Crowdfunding. Die Aktion ist ein grosser Erfolg, ruft aber auch Kritiker hervor.

Die Szene Aarau im Brügglifeld: Für fünf Spiele wird die Fangruppe zum Hauptsponsor des FC Aarau.

Die Szene Aarau im Brügglifeld: Für fünf Spiele wird die Fangruppe zum Hauptsponsor des FC Aarau. Bild: Keystone

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Not macht erfinderisch: Nachdem beim FC Aarau der Hauptsponsor ausgestiegen ist, sucht der Verein im Sponsoring neue Wege. Für die Rückrunde bietet der Vierte der Challenge League temporäre Sponsoringpakete für vier bis sieben Spiele an. Zumeist steigen Unternehmen ein – und nun die Fanszene Aarau. Der Dachverband liess sich diese Chance nicht entgehen und wird für die Runden 28 bis 32 Sponsor des Clubs.

Beim Auswärtsspiel im Letzigrund gegen den FC Zürich im April werden die Spieler Aaraus das Logo der Fan-Organisation auf der Brust tragen. Eine Premiere in der Schweiz.

«Eine tolle Sache», meint der Mediensprecher des FC Aarau, Remo Conoci. «Ich persönlich kenne die Szene noch aus der Jugendzeit und finde es schön, dass die 400 Leute uns als Sponsoren unterstützen.» Für den Verein sei dies natürlich finanziell eine grosse Hilfe, «gleichzeitig kann aber auch die Fan-Organisation durch die gestiegene Aufmerksamkeit davon profitieren», sagt Conoci.

Spenden im vierstelligen Bereich

Doch bevor die Fanszene überhaupt als Hauptsponsor infrage kam, musste die Organisation Geld sammeln. Denn das Sponsoringpaket kostet rund 30'000 Franken. Darum eröffnete die Szene Aarau einen Spendenaufruf auf der Plattform Wemakeit.com, um einen Grossteil der Kosten abzudecken. Auf der Seite können die Leute zwischen Spenden von 15 bis 6000 Franken auswählen – und erhalten eine Gegenleistung. Vom Mini-Trikot bis zum Ausführen des Anstosses bei einem Heimspiel.

So sollen die Trikots des FC Aarau von Runde 28 bis 32 aussehen. Bild: offizielle Seite ‹Szene Aarau›

Das Crowdfunding der Szene Aarau ist ein grosser Erfolg. Ziel war es, 17'000 Franken zu sammeln. Nach 30 Stunden war der Betrag bereits erreicht. Bis zum Freitagmittag haben 419 Unterstützer über 60'000 Franken gespendet. Bedruckte und unterschriebene Trikots sind schon vergeben, die Szene Aarau bemüht sich bereits um weitere Gegenleistungen. Durch die hohe Resonanz kann die Fan-Organisation für die Kosten des Sponsoringpakets aber problemlos aufkommen.

Einmaliger Fall, leise Kritik

Crowdfunding bei Sportvereinen ist nicht mehr selten. So startete der FC Zürich ein Projekt, bei dem Bilder von Fans statt eines Firmenlogos das Trikot zieren sollten – zusammengesetzt zu einem FCZ-Emblem. Der Grund war derselbe wie beim FC Aarau: der Hauptsponsor fehlte. Auch bei Ambri-Piotta wurde einst eine Spendenaktion lanciert. Per SMS konnten Zuschauer zwischen 1 und 100 Franken spenden. In der Vereinskasse entstand ein siebenstelliger Betrag.

Was das Projekt der Fanszene Aarau zum Unikat macht: Noch nie war eine Fan-Organisation Sponsor eines Sportvereins. Und da kommt Kritik auf. Die «Aargauer Zeitung» hinterfragt, wie riskant eine Fangruppierung als Sponsor sei: «Man hat die Bilder eben doch im Kopf: Aarau-Fans, die als pöbelnder Mob durch die Strassen ziehen und sich wilde Schlachten mit den Anhängern gegnerischer Clubs liefern.» Was passiert, wenn der eigene Sponsor Ausschreitungen verursacht? Wie soll der Verein darauf reagieren?

Conoci entgegnet mit einer Analogie: «Der Bund zieht Steuern von Autobahnen und Vignetten ein, dennoch gibt es Raser auf den Strassen.» Die Kritik sei zwar verständlich, jedoch gebe es immer schwarze Schafe in der Gruppe, die man nicht kontrollieren könne. «Die Szene Aarau ist ein Dachverband der Fans, welcher sich in den eigenen Statuten deutlich von Gewalt distanziert. Folglich können wir uns als Verein ebenfalls von solch unschönen Aktionen distanzieren.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.02.2017, 16:57 Uhr

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