Wenn Spieler zum Transfer gezwungen werden

Wer in die Schweizer Ligen wechselt, landet längst nicht immer bei seinem Wunschclub. Die Quote betroffener Spieler ist hoch.

Eine Hand wäscht die andere – oft aber auf Kosten der Spieler.

Eine Hand wäscht die andere – oft aber auf Kosten der Spieler. Bild: Keystone

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Wie viel Druck wird auf Fussballprofis ausgeübt, wenn sie den Verein wechseln? In der Schweiz offenbar nicht zu knapp. Das zumindest sagt eine Studie, die die die Spielergewerkschaft Fifpro von der Universität Manchester durchführen liess. Es ist die grösste Umfrage, die je unter Fussballern durchgeführt worden ist. Weltweit haben 13'876 Spieler an einer Untersuchung teilgenommen,

Auch 211 Profis aus den beiden höchsten Schweizer Ligen haben den Fragebogen ausgefüllt. Und ihre Antworten verblüffen, wenn es um jene Spieler geht, die gegen eine Transfersumme bei ihrem aktuellen Schweizer Verein gelandet sind.

Zwar gaben 60 Prozent dieser Profis an, sie hätten unter dem Einverständnis aller Parteien und aus freiem Willen den Club gewechselt. Doch die restlichen 40 Prozent wurden in der freien Wahl ihres Arbeitgebers eingeschränkt. Der grösste Teil davon (34 Prozent) hatte ein Angebot eines anderen Vereins vorliegen, zu dem sie lieber gewechselt wären, aber nicht durften.

Es erscheint plausibel, dass ihre bisherigen Vereine den Transfer so steuerten, damit sie eine möglichst hohe Ablösesumme erzielen konnten. «Wir gehen davon aus, dass die abgebenden Clubs den Spielern den Wechsel zu ihren Wunschclubs verweigert haben, weil sie ihre finanziellen Interessen höher gewichten als die Wünsche der Spieler», sagt Alex Duff, Pressesprecher der Fifpro. Die Gewerkschaft führt die Untersuchung als weiteres Argument bei ihrem Kampf für die Abschaffung aller Ablösesummen ins Feld.

Untersucht wurden nicht nur Transfers innerhalb der Schweiz, sondern auch Wechsel aus dem Ausland in die Super oder Challenge League. Es ist also möglich, dass ein Teil jener Spieler, die unter Druck wechselten, nicht von einem Schweizer, sondern von einem ausländischen Verein bedrängt wurden.

«Verständlich, dass die Vereine mitreden»

Die Swiss Football League hat die Zahlen in der Fifpro-Studie mit Erstaunen zur Kenntnis genommen; ein Problem hat die SFL bei den Spielertransfers bislang nicht erkannt. «Dieses Thema wurde bis anhin noch nicht an uns herangetragen», sagt Marc Juillerat, Head of Legal Services and Licensing.

Juillerat hat allerdings eine Vermutung, weswegen 34 Prozent der Spieler bei einem Club ihrer zweiten Wahl gelandet sind: «Einen Einfluss könnte haben, dass in der Schweiz der Vertragsstabilität ein hohes Gewicht beigemessen wird. Die Spieler können sich wehren, wenn ihre Verträge vom Verein vorzeitig aufgelöst werden. Im Gegenzug ist es verständlich, dass der Verein mitreden will, wenn der Spieler seinerseits während des eigentlich noch laufenden Vertrags wechseln will.»

Sprich: Die Liga findet es legitim, wenn Clubs darauf achten, bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung eine möglichst hohe Ablösesumme zu erzielen. Und dieser Meinung sind sogar Spielerberater. «Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass die Clubs ihre finanziellen Interessen im Auge haben», sagt etwa Fabian von Matt, Geschäftsführer der Swiss Football Agents Association: «Die Schweiz ist eine Ausbildungsliga. Dazu gehört, dass Spieler im besten Fall den Sprung in eine grössere Liga schaffen. Aber auch, dass die Clubs einen Teil ihres Budgets durch Transfers erwirtschaften müssen.»

Ein grösseres Problem sieht von Matt bei den drei Prozent von Spielern, die durch ihre Berater zu einem Transfer gedrängt wurden: «Da werde ich hellhörig. Wobei es heute enorm viele Trittbrettfahrer gibt, die ohne jede Kompetenz als Berater auftreten.»

Die Löhne sind gut, die Bezahlung gesichert

Trotzdem ist die Schweiz ein gutes Land, um Fussballprofi zu sein. So sind nicht nur die Löhne vergleichsweise hoch, sie werden auch meist ohne Verzögerungen ausbezahlt. Hier macht sich die harte Haltung der Swiss Football League gegenüber säumigen Clubs positiv bemerkbar. Nur 11 Prozent der Spieler gaben an, in den letzten zwei Saisons ihren Lohn verspätet erhalten zu haben. Weltweit warten 62 Prozent aller Fussballprofis mindestens einen Monat lang auf ihren Zahltag – wenn nicht länger.

Die Schweiz steht auch sehr gut da, was das Sicherheitsempfinden der Spieler betrifft. Nur 8 Prozent der Profis machten sich Sorgen, was ihre berufliche Zukunft betrifft. Was auch damit zusammenhängen dürfte, dass die Spieler in der Schweiz im Schnitt über einen Vertrag verfügen, der noch 30 Monate dauert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.11.2016, 17:31 Uhr

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