Gianni Infantino als Totengräber der Fifa-Reformen

Mit der Entlassung der Spitzenleute der Ethikkommission baut der Fifa-Präsident seine Machtposition aus.

Von wegen Reformer: Gianni Infantino macht dort weiter, wo Sepp Blatter aufgehört hatte. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Von wegen Reformer: Gianni Infantino macht dort weiter, wo Sepp Blatter aufgehört hatte. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Entweder Fatma Samoura hat im Weltfussballverband sehr wenig zu sagen. Oder die Generalsekretärin der Fifa ist äusserst schnell darin, ihre Meinung zu ändern. Ende März noch hatte sie der «SonntagsZeitung» gesagt, sie unterstütze die Spitze der Ethikkommission ihres Verbandes. Ohne Zwischentöne: «Zu 100 Prozent.» Seit gestern wissen der Schweizer Chef-Ermittler Cornel Borbély und der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert, wie viel die bedingungslose Unterstützung Samouras wert ist: nichts. Der Fifa-Rat mit Präsident Gianni Infantino hat in Bahrain entschieden, die beiden nicht mehr zur Wahl aufzustellen.

Wenn der Fifa-Kongress am Donnerstag tagt, werden damit zwei weitere unbequeme Geister den Verband verlassen müssen. Eckert war seit fünf Jahren Präsident der Rechtssprechenden Kammer der Ethikkommission, Borbély seit zwei Jahren Chef der Untersuchungskammer. In ihrer Amtszeit wurden der damalige Fifa-Präsident Joseph Blatter, Uefa-Präsident Michel Platini und Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke mit Sperren belegt.

Ihre Absetzung nützt in erster Linie einem Mann: Gianni Infantino, der wenig Freude daran hatte, dass die Ethikkommission auch gegen ihn schon Untersuchungen anstellte wegen des Kaufs teurer Matratzen und des Flugs in einem nicht von der Fifa finanzierten Privatjet. Infantino wurde zwar freigesprochen. Aber derart strenge Ethiker im eigenen Haus zu haben, passt ihm ganz offensichtlich nicht. Der Präsident der Fifa unternimmt alles, um seinen Einfluss immer weiter auszubauen. Und er tut das mit so viel Machtbewusstsein, dass er die Reformen torpediert, die die Fifa in den letzten Jahren eingeführt hat.

In diesem Sinn äussern sich auch Borbély und Eckert in einer Mitteilung, die sie gestern verschicken liessen. Ihre «offensichtlich politisch motivierte» Abwahl bedeute das «Ende der Fifa-Reformen», steht da: «Scheinbar hat die Fifa-Spitze eigene und politische Interessen höher gewichtet als die langfristigen Interessen der Fifa.» Mark Pieth, der Basler Antikorruptionsexperte, der einst angetreten war, um den Augiasstall der Fifa auszumisten, hat den von ihm angestossenen Reformprozess schon im Februar als «tot» bezeichnet. Und er hat Infantino eine Amtsführung nachgesagt, die jener von dessen Vorgänger Blatter in nichts nachstehe.

Mehr Macht für wenige

Dazu passt, was in Bahrain ebenfalls besprochen wird: Infantino möchte dem 37-köpfigen Fifa-Rat Macht entziehen und stattdessen den Rats-Ausschuss stärken. In diesem sitzen neben dem Schweizer nur sechs weitere Mitglieder, die je einen Kontinentalverband vertreten.

Der Ausschuss ist bislang bloss für Geschäfte zuständig, die unverzüglich zwischen zwei Sitzungen des Rats entschieden werden müssen. Dieser muss die Entscheidungen seines Ausschusses anschliessend bestätigen. Neu soll der Ausschuss aber auch nicht dringliche Geschäfte behandeln. Und die Entschlüsse der sieben brauchen danach auch nicht mehr abgesegnet zu werden.

Die Änderung würde den Mitgliedern des Ausschusses eine grosse Machtfülle verleihen. Es wäre genau das Gegenteil dessen, was 2016 mit der Ersetzung des von Bestechungsskandalen durchgeschüttelten Fifa- Exekutivkomitees durch den grösseren Fifa-Rat beabsichtigt worden war: nämlich mehr Transparenz und mehr Demokratie im bestimmenden Organ der Fifa.

Vor den Wahlen hat er sich gerne als grossen Reformator präsentiert. Seit er aber an der Macht ist, hat Gianni Infantino jeweils nur Dinge unternommen, die den Neuerungen zuwiderlaufen. Es sieht ganz so aus, als sei er der Totengräber der Fifa-­Reformen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.05.2017, 23:28 Uhr

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