Hoeness rechnet ab und erntet Sturm der Entrüstung

Uli Hoeness, der nach verbüsster Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe wieder zum Chef der Bayern gewählt wurde, sorgt für gewaltigen Zündstoff.

Sorgt für Zündstoff: Bayerns Präsident Uli Hoeness

Sorgt für Zündstoff: Bayerns Präsident Uli Hoeness Bild: Keystone

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Der 65-jährige Uli Hoeness, seit jeher bekannt als streitbarer Zeitgenosse, war prominenter Gast bei einem Podiumsgespräch in Vaduz, wo er mit einer pointierten Aussage für Zündstoff sorgte. Bei der Veranstaltung «Meet the President» beklagte sich der Mann, der nach wie vor auf Bewährung auf freiem Fuss ist, bitter. In der Hofkellerei des Fürsten sagte er wörtlich: «Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war. Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen.»

Ein Statement, das bei den 108 geladenen Gästen, die 345 Euro inklusive eines 4-Gänge-Menüs bezahlt hatten, einige Verwunderung ausgelöst haben dürfte. Denn Hoeness, der sein Honorar für Auftritte in der Öffentlichkeit stets spendet, war 2014 wegen Steuerhinterziehung von rund 28 Millionen Euro zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden.

«Dreister Auftritt»

«Nix gelernt», titelt das Millionenblatt «Bild» über einem bissigen Kommentar und wartet mit der Schlagzeile auf: «Dreister Auftritt in der Steueroase». Die Münchner «tz» titelt: «Zu Unrecht verurteilt? Honess verharmlost sein Fehlverhalten». Der Präsident der Bayern sei immer noch verärgert und fühle sich offenbar zu Unrecht verurteilt, meint die «Welt». Von einer kernigen Aussage spricht die NZZ.

Und dann rechnete Hoeness in Vaduz auch noch mit den Medien ab. «In diesem Spiel habe ich klar gegen die Medien verloren. Täglich waren zehn bis zwölf Journalisten vor unserem Haus. Das wollte ich meiner Familie nicht mehr zumuten. Wir hätten ja Revision am Bundesgerichtshof einlegen können. Das wäre ein Jahr gegangen, dann wäre es vielleicht zurück ans Landesgericht gegangen. Dann wäre vielleicht wieder ein Jahr vergangen. So wäre ich vielleicht jetzt noch im Gefängnis.»

Der «Blick» protokollierte weitere Aussagen von Hoeness in Liechtenstein: «Mein wirtschaftliches Ergebnis bei der Bank Vontobel von 2001 bis 2010 war minus 3 Millionen Euro. Ich habe über 40 Millionen Strafe gezahlt, inklusive 18 Millionen Zinsen und 2 Millionen Kirchensteuer. Trotzdem entschied ich mich, ins Gefängnis zu gehen. Theater gabs nur, bis ich im Gefängnis war. Nach dem zweiten oder dritten Hausbesuch hat mich die Presse in Ruhe gelassen.»

«Das grösste Kompliment gabs am letzten Tag»

«Ich dachte, es hängt mir ein Makel an, ich werde vielleicht geächtet. Doch das Gegenteil war der Fall. Wenn ich früher nach Bremen kam, haben die Leute 30 Minuten lang ‹Hoeness, du Arschloch!› geschrien. Das hat schon wehgetan. Jetzt war ich kürzlich wieder dort, da wollten 500 Leute ein Selfie mit mir machen. Da wusste ich, es war total richtig, das Urteil anzunehmen.»

«Ich habe viele Dinge erlebt, über die ich nicht sprechen möchte. Ich habe Erfahrungen fürs Leben gemacht. Ich bin wie immer auf die Menschen zugegangen, habe mich der Situation angepasst. Das grösste Kompliment gabs für mich am letzten Tag von der Direktorin des Gefängnisses, die als sehr hart gilt. Sie sagte zu mir: ‹Herr Hoeness, Sie sind der Erste, der rausgeht und zwei Fanklubs hat: einen bei den Beamten, einen bei den Gefangenen.»

(tn)

Erstellt: 11.05.2017, 12:03 Uhr

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