«Die Abwahl ist ein Lob»

Die Fifa hat Cornel Borbély, Chefermittler der Ethikkommission, geschasst. Was für ihn der Unterschied zwischen Blatter und Infantino ist.

Der Zürcher Anwalt Cornel Borbély war seit 2014 Chefermittler der Ethikkommission. Nun wurde er vom Fifa-Rat nicht für eine weiteren Amtszeit nominiert.

Der Zürcher Anwalt Cornel Borbély war seit 2014 Chefermittler der Ethikkommission. Nun wurde er vom Fifa-Rat nicht für eine weiteren Amtszeit nominiert. Bild: Reuters

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Was denken Sie, warum wollte die Fifa Sie nicht mehr?
Bei dieser Nichtnomination handelt es sich um einen bewussten politischen Entscheid. Als hartnäckige Ermittler waren wir ein Dorn im Auge jener, die sich die alten Fifa-Zeiten zurückwünschen. Unsere Unabhängigkeit und Hartnäckigkeit prallte auf ein System, das offenbar den Willen nicht aufbringen kann, sich zu reformieren.

Sie waren zu hartnäckig?
In einer gewissen Weise ist die Abwahl ein Lob für unsere strengjuristische und konsequente Arbeit.

Sind die Reformen damit tot?
Leider ja. Mit diesem Entscheid stellen die Fifa-Funktionäre ihre Eigeninteressen über Good Governance. Der Fifa-Rat wird damit der Fifa mittel- bis langfristig schaden. Laufende Ermittlungen gegen zahlreiche Funktionäre kommen mit diesem Entscheid zum Erliegen.

Um wie viele Verfahren geht es?
Wir sprechen hier nicht von ein paar Fällen. Die Untersuchungskammer bearbeitet derzeit mehrere Hundert Fälle. Was damit passiert, ist völlig unklar.

Ihre Nichtnomination wurde vor einem Jahr am Kongress in Mexiko aufgegleist. Der Fifa-Rat bekam damals die Kompetenz, die Mitglieder der Ethikkommission einsetzen und vor allem absetzen zu können. Hat dies Ihre Arbeit in den vergangenen Monate beeinflusst?
Nein, wir waren auch nie Druckversuchen seitens der Fifa ausgesetzt. Wir haben die Arbeit unabhängig und nach juristischen Kriterien verfolgt. Im Jahr 2016 alleine hat die Untersuchungskammer über 20 Fälle an die rechtssprechende Kammer überwiesen und die Anzahl Voruntersuchungen gegenüber 2015 um über 80 Prozent gesteigert.

Wie war die Arbeit mit Präsident Gianni Infantino?
Es gibt keine Zusammenarbeit mit der Fifa-Spitze, denn wir agieren als unabhängige Ermittler. Die uns zugedachte Rolle im Reformprozess war jene einer Kontrollinstanz, welche parallel zu den einzelnen Abteilungen samt Fifa-Spitze für eine sinnvolle Machtbalance im Fifa-Haus zu sorgen hat. Diese Balance wird de-facto aufgehoben.

Fifa-Vizepräsident Montagliani hat Ihr Vorgehen als unprofessionell bezeichnet – was sagen Sie dazu?
Das Vorgehen der Fifa spricht für sich.

Sie waren seit 2014 in der Ethikkommission und haben sowohl Joseph Blatter wie auch Infantino erlebt. Wie unterscheiden sie sich?
Der eine kommt aus Brig. Der andere aus Visp.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.05.2017, 16:00 Uhr

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