So reagieren Politik und Sport auf die Hoeness-Rückkehr

Der Mann, der wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden war, will wieder Chef der Bayern werden.

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Im März 2014 wurde dem damaligen Präsidenten der Bayern, dem 64-jährigen Uli Hoeness der Prozess gemacht. Das Landgericht in München, das ihn schliesslich zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt hatte, ging damals von einer Steuerschuld in der Höhe von 28,5 Millionen Euro aus.

Hoeness, der damals von allen Ämtern beim deutschen Rekordmeister zurückgetreten war, will im September wieder als Präsident der Bayern kandidieren. «Das wars noch nicht», hatte er schon damals bei seinem letzten öffentlichen Auftritt bereits verkündet. Seit Januar 2015 durfte Hoeness als Freigänger wieder für die Bayern arbeiten, engagierte sich besonders im Jugendbereich. Am 29. Februar 2016 wurde Hoeness vorzeitig aus der Haft entlassen, die zweite Hälfte seiner Haftstrafe darf er nun auf Bewährung in Freiheit absitzen. Jetzt will er bei den Bayern wieder die ganze Macht.

«Das macht die Aufgabe für uns nicht leichter»

«Die Welt» listet Reaktionen aus der Sportwelt auf. Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, sagt: «Es freut mich für ihn und den deutschen Fussball. Man sieht durch diesen Schritt, dass es immer noch brennt in ihm. Ein Fussballgeist wie Uli Hoeness tut Fussballdeutschland gut.»

Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, fürchtet auch ein bisschen die Rückkehr von Hoeness: «Wer mein Verhältnis zu Uli Hoeness kennt, der weiss, dass ich mich natürlich sehr freue. Für uns als Bundesligakonkurrent macht es die Aufgabe in Zukunft nicht leichter. Für den deutschen Fussball insgesamt ist die Rückkehr gut. Aber auch für den europäischen Fussball – gerade in diesen Zeiten, in denen sich so viel verändert und wir es mit Wahnsinnssummen zu tun haben.»

«Auf jeden Fall gut für den FC Bayern»

Martin Kind, Präsident von Absteiger Hannover 96, zeigt Verständnis: «Ich kann nachvollziehen, dass er für sich diese Entscheidung getroffen hat. Der FC Bayern ist sein Lebensinhalt. Er weiss natürlich, dass diese Ankündigung nun kritisch begleitet wird. Aber er kann damit umgehen. Eine Wahl zum Präsidenten wäre in jedem Fall gut für den FC Bayern.»

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, lag mit Uli Hoeness auch schon mal im Clinch. Er sagt lediglich: «Für ihn persönlich freut es mich. Ansonsten ist seine Wahl eine Angelegenheit der Mitglieder und des Aufsichtsrates des FC Bayern, die ich nicht weiter kommentieren möchte.»

«Für sein Vergehen hat Uli gebüsst»

Clemens Tönnies, Aufsichtsratschef von Schalke 04, macht sich jetzt schon auf einiges gefasst, wenn er sagt: «Es freut mich zunächst für ihn persönlich. Für den FC Bayern ist es gut: Zwar ist der Club ohnehin gefestigt aufgestellt, aber er wird sicher Schwung reinbringen. Die Liga wird sich wieder an den Begriff ‹Attacke› gewöhnen müssen. Für sein Vergehen hat Uli gebüsst – und ich denke, dass die Gesellschaft seine Rückkehr akzeptiert.»

Oke Göttlich, Präsident von Zweitligist FC St. Pauli, bringt mit der Rückkehr von Hoeness sogar Shanghai ins Spiel: «Wir freuen uns über die Kandidatur einer Persönlichkeit, der Unterhaching mindestens so wichtig ist wie Shanghai. Er ist jemand, der auch, aber eben nicht ausschliesslich in internationalen Dimensionen denkt. Die nationale Entwicklung des Fussballs geniesst bei ihm Priorität, zudem hat Uli Hoeness in der Diskussion stets die Bedürfnisse der kleinen und regionalen Clubs berücksichtigt. Ich hoffe, dass er diesbezüglich wieder ein wichtiges Regulativ sein kann.»

«Für die Wärme im Club zuständig»

Heribert Bruchhagen, ehemaliger Vorstandschef von Eintracht Frankfurt, ist geradezu euphorisch: «Ich freue mich über seine Rückkehr, habe sie mir gewünscht. Uli Hoeness tut der Bundesliga gut. Und was die Steuersache angeht: Wer ohne Fehl ist, werfe den ersten Stein. Die Bayern brauchen Hoeness nicht mehr für die Abteilung Attacke. Mit der hat er den Club dahin gebracht, wo er jetzt ist. Nein, Hoeness wird ab sofort für die Wärme im Club zuständig sein. Er ist das Bindeglied zwischen Lizenzspielerabteilung und Verein. Dafür ist er enorm wichtig.»

Auch Klaus Allofs, Sportdirektor des VfL Wolfsburg, steht einer Hoeness-Rückkehr positiv gegenüber: «Wenn es so kommt, würde ich es begrüssen. Ich sehe keinerlei Gründe, die eine Rückkehr von Uli Hoeness nicht möglich machen würden.»

Gemischte Gefühle bei der Politik

«Bild» holte Meinungen aus der Politik ein. Omid Nouripour, Politiker der Grünen, sagt, dass das oberste Ziel einer Haftstrafe die Resozialisierung eines Verurteilten sein müsse. «Danach kann jeder in unserem Rechtsstaat eine zweite Chance bekommen.»

Eher kritisch steht Ralf Stegner von der SPD der Rückkehr von Uli Hoeness gegenüber. Er spricht von einer erstaunlich schnellen Resozialisierung in der Chefetage des Profifussballs. Normale verurteilte Straftäter könnten davon nur träumen. Auch für Gerhard Schick, den Finanzexperten der Grünen, würde ein Neuanfang anders aussehen.

(tn)

Erstellt: 12.08.2016, 11:16 Uhr

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